WASHINGTON
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In seiner Antrittsrede brach Trump mit der Politik seines Vorgängers

Der neue US-Präsident Donald Trump hat einen radikalen politischen Kurswechsel angekündigt. In seiner Antrittsrede am Freitag kündigte der 70-Jährige einschneidende Veränderungen an und sagte dem politischen „Establishment“ in Washington den Kampf an. Trump grenzte sich in seiner Rede massiv von der Politik seines Vorgängers Barack Obama ab. Die „Vergessenen“ in den USA würden nicht länger vergessen werden. Er kündigte eine Politik des Schutzes eigener Wirtschaftsinteressen an. „Von jetzt an wird eine neue Vision dieses Land regieren. Von diesem Tag an heißt es: Amerika zuerst, Amerika zuerst.“ Trump sagte, er werde jede seiner Entscheidungen ganz und gar an amerikanischen Interessen ausrichten.

Trump ist der 45. Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika. Der Oberste Verfassungsrichter der USA, John Roberts, hatte dem umstrittenen Republikaner auf den Stufen des Kapitols in der US-Hauptstadt Washington den Amtseid abgenommen. Trump schwor auf zwei Bibeln: auf seine eigene und auf die des früheren US-Präsidenten Abraham Lincoln. Trump löst den Demokraten Obama ab, den ersten schwarzen Präsidenten der USA. Er war acht Jahre lang im Amt.

In seiner von starkem Pathos geprägten Antrittsrede kündigte der neue US-Präsident ein hartes Vorgehen gegen Extremisten an. Man werde den radikal-islamischen Terrorismus vom Antlitz der Erde verschwinden lassen. Trump hatte sich im Wahlkampf dafür ausgesprochen, die Zuwanderung aus überwiegend muslimisch geprägten Ländern einzuschränken. Zeitweise sprach er sogar von einem kompletten Einreisebann für Muslime. Sein künftiger nationaler Sicherheitsberater Michael Flynn sieht die USA in einem Krieg mit dem radikal-islamischen Terrorismus.

Politik des Protektionismus

Trump kündigte außerdem einschneidende Veränderungen in Washington an. Zu lange hätten Politiker profitiert und das Establishment, aber nicht die einfachen Leute, die ihre Arbeit verloren hätten. „Wir übergeben die Macht von Washington DC zurück an Euch, das Volk.“ Er fuhr fort: „Das ändert sich alles, jetzt beginnt es, genau hier“, sagte Trump. „Das ist Euer Moment, das ist Euer Tag. Die USA sind Euer Land.“ Dieser 20. Januar werde in die Geschichte eingehen als der Tag, an dem das Volk die Macht zurückerhalte. Die Zeit leeren Geredes sei vorbei. „Nun ist die Stunde des Handelns gekommen.“

Der neue US-Präsident kündigte wie im Wahlkampf eine Politik des Protektionismus an. Dies werde zu mehr Wohlstand und neuer Stärke der USA führen. „Wir haben andere Länder reich gemacht“, während eine Fabrik nach der anderen in den USA geschlossen habe. „Aber das ist Vergangenheit. Und jetzt schauen wir nur nach vorne.“ In jedem Teil des Landes solle nun eine neue Vision das Land regieren: „Amerika zuerst“. Jede Entscheidung werde dieser Maxime gehorchen, ob in der Wirtschaft oder der Außenpolitik.

Bereits seit dem Wahlsieg Trumps ist in der Wirtschaft die Sorge groß vor einer wirtschaftlichen Abschottung der USA. Trump hatte bereits eine Neuverhandlung des Nordamerikanischen Freihandelsabkommens (Nafta) mit Kanada und Mexiko sowie eine Abkehr vom transpazifischen Abkommen angekündigt.

Möglich ist, dass Trump schon am Montag mit der Unterschrift unter einige inhaltliche präsidentielle Dekrete in seine Amtszeit startet. Sie werden aller Voraussicht nach in einem Zusammenhang stehen mit dem angekündigtem und umstrittenen Bau einer Mauer zu Mexiko und dem Thema Grenzsicherheit generell.

Vor Trump wurde bereits sein Vize Mike Pence vereidigt. Eine Parade sollte Trump am Nachmittag vom Kapitol zum Weißen Haus führen. Der offizielle Teil des Tages endet für den neuen Präsidenten mit dem Besuch dreier Bälle.

200.000 Menschen zu Demonstration am Samstag erwartet

Die Hauptstadt Washington glich einer Hochsicherheitszone. Polizisten und Soldaten der Nationalgarde sicherten die Straßen ab; Kreuzungen wurden zum Teil mit Bussen blockiert.

Im Zentrum Washingtons versammelten sich Demonstranten. Sie trugen Schilder mit Aufschriften wie „Feminismus gegen Faschismus“ oder „Rassismus existiert noch immer in Amerika“. Es kam zu Zusammenstößen mit der Polizei. Fensterscheiben wurden eingeworfen. Es kam zu vielen Festnahmen. Den Höhepunkt der Proteste sollte es am Samstag geben. Dann werden zu einer Demonstration mehr als 200.000 Menschen erwartet.

Der Immobilienunternehmer Trump war im Sommer 2015 in den Wahlkampf eingestiegen. Als Außenseiter gestartet, dominierte er trotz Dauerkritik Debatten und Vorwahlen und wurde schließlich im Sommer 2016 Kandidat der Republikaner. Gegen alle Erwartungen setzte Trump sich bei der Wahl am 8. November gegen die Demokratin Hillary Clinton durch. Die 69-Jährige saß bei der Amtseinführung ihres einstigen Konkurrenten im Publikum.

Trump hat noch nie ein politisches Amt bekleidet. Seine Anhänger versprechen sich von ihm neue Jobs, eine Rückbesinnung auf Amerika und eine radikale Abkehr von der Agenda Barack Obamas. Gegner und Kritiker fürchten Trumps Naturell, Haltung und Einstellungen.

Lëtzebuerger Journal

Obama: „Es ist die Ehre meines Lebens gewesen“

Der scheidende US-Präsident Barack Obama hat sich auf dem offiziellen präsidialen Twitter-Nutzerkonto von seinen Followern verabschiedet. „Es ist die Ehre meines Lebens gewesen, Euch zu dienen“, schrieb Obama am Freitag auf dem @POTUS-Account. „Ich bitte Euch weiterhin darum, zu glauben - nicht an meine Fähigkeit, Wandel zu bringen, sondern an Eure. Ich glaube an Wandel, weil ich an Euch glaube.

Wissenswertes über frühere Amtseinführungen

Hintergrund

DIE ERSTE AMTSEINFÜHRUNG fand in New York City statt, die für kurze Zeit Amerikas Hauptstadt sein sollte. Als erster Präsident wurde George Washington am 30. April 1789 vereidigt.

ZUM ERSTEN MAL IN WASHINGTON, D.C. wurde am 4. März 1801 Thomas Jefferson in sein Amt eingeführt. Er brach mit den vorangegangenen Amtseinführungen, indem er zu seiner Vereidigung hin und zurück zu Fuß ging. Auch die US Marine Band spielte zum ersten Mal.

DIE KÜRZESTE ANTRITTSREDE hielt George Washington bei seiner zweiten Amtseinführung am 4. März 1793 in Philadelphia. Seine 135 Wörter würden heute in sechs Tweets à 140 Zeichen passen.

DIE LÄNGSTE ANTRITTSREDE hielt Präsident William Henry Harrison am 4. März 1841. Die Rede dauerte in schlechtem Wetter fast zwei Stunden. Einen Monat später starb er an einer Lungenentzündung.

DAS ERSTE MAL NAHMEN AFROAMERIKANER AN DER PARADE TEIL zur Amtseinführung von Präsident Abraham Lincoln am 4. März 1865.

DAS ERSTE MAL NAHMEN FRAUEN AN DER PARADE TEIL
am 5. März 1917 zur Amtseinführung von Woodrow Wilson.

DIE ERSTE PARADE ZU FUSS vom Kapitol zum Weißen Haus lief Präsident Jimmy Carter 1977.

DIE ERSTE AMTSEINFÜHRUNG, DIE IM RADIO LIVE ZU HÖREN WAR, gab es am 4. März 1925 bei der Vereidigung von Calvin Coolidge.

DIE ERSTE AMTSEINFÜHRUNG, DIE IM FERNSEHEN ÜBERTRAGEN WURDE, war die von Präsident Harry Truman 1949.

DIE ERSTE AMTSEINFÜHRUNG, DIE MAN IM INTERNET LIVE SEHEN KONNTE, war die von Präsident Bill Clinton am 20. Januar 1997.

DIE MEISTEN TEILNEHMER hatte Barack Obama als erster schwarzer Präsident bei seiner ersten Vereidigung 2009. Nie hatte irgendeine Veranstaltung in Washington mehr Teilnehmer, etwa 1,8 Millionen.