ROSPORT
INGO ZWANK

Im gleichnamigen Museum taucht man aktiv in die Welt von Strom und Akkumulatoren ein

Es ist ein interaktives Museum, das der wissenschaftlichen Forschung im Allgemeinen und insbesondere dem Werk von Henri Tudor gewidmet ist: Das Henri-Tudor-Museum in Rosport, das gestern sein zehnjähriges Bestehen feierte. In diesem Museum über Strom und Akkumulatoren taucht man aktiv ein in die Welt von Tudor, „einem Mann, der sein Leben der Elektrizitätslehre widmete. Tudors Akkumulator gab zusätzliche Impulse zur Entwicklung der heutigen Technologie“, sagt der Koordinator des Tudor-Museum, Joao Martins, beim Rundgang zusammen mit Patrick Hierthes, Präsident der Tudor-Museumsfreunde. Henri, der jüngste von drei Söhnen des Paares John T. Tudor und Marie Loser, war schon früh von Elektrizität fasziniert. Auf dem Irminenhof in Rosport installierte der junge Tudor 1882 einen selbst konstruierten Akkumulator mit Dynamomaschine und machte den Hof zu einem der ersten mit Elektrizität versorgten Privathäuser in Europa, wie der Koordinator erzählt. „Die Funktion des Akkumulators ist es, Energie zu speichern, um diese zu jeder Zeit wieder freigeben zu können, wobei man ja sagen muss, dass der Blei-Akkumulator 1859 von Gaston Planté entwickelt wurde“, erzählt Martins. Doch Tudor hat dessen Leistung verbessert und ihn in großem Stile verwendbar gemacht. Für die Experten: „Hierzu ersetzte er die spiralförmigen Blei-Elektroden mit flachen Elektroden, deren Oberfläche gerillt ist“, erklären die Museumsverantwortlichen.

Wesentlich effektiver

Diese Elektroden haben eine aktive Fläche, die sieben- bis neunmal höher ist als die des Geräts von Planté, wie der Koordinator erklärt. Sie sind dicker, wodurch die Leitfähigkeit erhöht wird, verformen sich nicht mehr und sind mit Bleioxyden bestrichen.

Der Tudor-Akkumulator ist im Vergleich zu den anderen wesentlich effizienter und zuverlässiger; seine Ladezeit ist stark reduziert und die Lebensdauer extrem lang. Sie kann bis zu 25 Jahre erreichen! Und davon kann man sich vor Ort live und in Farbe überzeugen. „Wir wollen Elektrizität erlebbar machen. Daher bieten wir auch viele Workshops an, in denen wir beispielsweise Roboter wie Smarty, den Solarroboter, oder Gnomy und den Rappelkäfer bauen.“

Damit verbunden steht der Name Tudor schon seinerzeit ohne Zweifel für Qualität. „Die Batterien wurden aber nicht nur für Beleuchtungssysteme verwendet; durch den Zusammenschluss der Gebrüder Tudor, Busch und Müller mit anderen deutschen Firmen wurden Tudor-Akkumulatoren in der ersten Lokomotive für die Grube Kray, der ersten deutschen Trambahn in Hagen, sowie bei der Polarexpedition des Norwegers Fridtjof Nansen verwendet“, berichtet Martins, der stolz in einem Bereich des Museum auf ein einzigartiges Bild dieser Polarexpedition verweist. „Es ist in einem neuen Ausstellungsbereich, wo wir jetzt die gesamte Mobilitätspalette vorstellen, denn hier gehören auch die Luftfahrt und die U-Boot-Technik dazu.“ Tudor-Akkumulatoren wurden in schwedische, dann in deutsche und in französische U-Boote eingebaut.

Bereits 1887 gründete Tudors Partner Adolph Müller die „Accumulatoren-Fabrik Tudorschen Systems Büsche & Müller oHG“, aus der 1890 unter Einbeziehung der Großfirmen AEG und Siemens die AFA („Accumulatoren-Fabrik-Aktiengesellschaft“) hervorging, die wiederum 1962 in VARTA umbenannt wird.

HINTERGRUND

Das Henri-Tudor-Museum

Eröffnung: 2009; es gibt rund 200 Veranstaltungen und Führungen in jedem Jahr
Adresse: L-6582 Rosport, 9, Henri Tudor
Ziel: Förderung des Interesses an Strom und Akkumulatoren und am Werk Henri Tudors
Konzept: Die Ausstellung ist familienfreundlich und interaktiv konzipiert. An den meisten Stationen kann experimentiert werden; Tafeln bieten ergänzende technische und historische Informationen an
Barrierefreiheit: Das Museum hat einen Fahrstuhl, mit dem Rollstuhlfahrer in das Obergeschoss gelangen können
Formate: Geführte thematische Rundgänge für Kinder und Jugendliche, altersgerechte Workshops für Kinder ab vier Jahren.
Umgebung: Das Museum liegt inmitten von angelegten Gärten und einem Wald mit seltenen Baumarten
Webseite: www.musee-tudor