LUXEMBURG
SVEN WOHL

Sextortion-Fälle gibt es auch in Luxemburg - wie man sich helfen kann

Auf den Begriff Sextortion trifft man immer häufiger in den Medien. Die Erpressung mit sexualisiertem Material zielt dabei auch auf Jugendliche. Wir haben ein Gespräch mit Sally Stephany, Diplompsychologin vom „Kanner-Jugendtelefon“ geführt.

Worum handelt es sich bei Sextortion?

Sally Stephany Da ist die Erklärung schon im Begriff mit drin: Er setzt sich aus den englischen Wörtern „Sex“ und „Extortion“ zusammen. Die Erpressung erfolgt hier also mit Inhalten sexueller Natur - das können Bilder, Videos oder Texte sein. Dann folgt die übliche Behauptung, wie sie aus Erpressungen bekannt ist: Wenn nicht bezahlt, wird das Material entweder
an Bekannte verschickt
oder auf sozialen Netzwerken veröffentlicht.

Wie kommen die Erpresser an dieses Material?

Stephany Der unberechtigte Zugriff auf Computer oder Clouds ist einer der Wege. Oder man hat im Vertrauen einer Person dieses Material zugeschickt und es zeigt sich nach einiger Zeit ein Vertrauensbruch. Es finden sich allerdings auch Phishing-Mails, die wie eine SextortionMail aufgesetzt sind, wo schlicht behauptet wird, dass Material existieren würde. Wenn man dann nicht bezahlen würde, würde dieses vermutlich gar nicht vorhandene Material veröffentlicht werden.

Von wo stammen die Täter?

Stephany Alle Dienste des Kanner-Jugendtelefon funktionieren anonym, so dass wir das nicht sagen können.

Kommt dieses Problem mittlerweile häufiger auf?

Stephany Es ist ein Problem, das es auch hier gibt und wir kriegen das auf den verschiedenen Helplines auch mit. Zahlen sind hier schwer zu nennen, auch weil oft mehrere Themen gleichzeitig angesprochen werden. Es kann Teil einer komplexen Situation sein. Es ist allerdings den Professionellen im Land bekannt, auch unter dem Begriff Sextortion. Die Betroffenen und ihr direktes Umfeld sind damit ebenfalls vertraut.

Wer jedoch nicht direkt mit dem Problem in Kontakt gekommen ist, kennt den Begriff und was dahinter steckt eher nicht. Natürlich wird es auf allen Helplines wie auch bei der Polizei ernst genommen. Es handelt sich um Erpressung, das heißt, es ist strafrechtlich relevant.

Wie sollen jugendliche Betroffene reagieren?

Stephany Was immer möglich ist, ist eine der unten genannten Helplines anzurufen. Hier erhält man eine Beratung und es wird einem geholfen, den ersten Schock zu verarbeiten. Auch eine Anzeige bei der Polizei ist eine Möglichkeit. Es ist auch eine gute Idee, Screenshots von dem Erpressungsversuch zu machen und diese Person sofort zu blockieren.

Was, wenn das Material tatsächlich im Netz landet?

Stephany Bei den meisten Plattformen im Internet gibt es mittlerweile eine Melde-Funktion. Da kann man ganz gezielt anfragen, dass etwas gelöscht wird. Darauf hat man ein Recht, auch bei Suchmaschinen. Wenn es sich dann noch um Material handelt, auf der eine minderjährige Person abgebildet ist, dann kann man es noch zusätzlich über die BEE SECURE Stopline melden (stopline.bee-secure.lu).
Sollte man also kein privates sexualisiertes Material kreieren?

Stephany Hier sollte man vorschieben: Es macht einen großen rechtlichen Unterschied, ob auf den Bildern eine minderjährige oder eine erwachsene Person zu sehen ist. Hier sprechen wir mitunter auch über Sexting und auch Jugendliche betreiben Sexting. Bei Minderjährigen ist dies jedoch gleich strafrechtlich relevant. Der beste Schutz besteht logischerweise darin, solches Material nicht herzustellen. Das würde bedeuten, selbst keine Fotos zu machen und sich auch nicht vom Partner fotografieren zu lassen. Man kann auch die Kameras auf Handys und Computer abdecken. Wer sich als Erwachsener absichern möchte, kann auf viele Hilfsmittel zurückgreifen. Man muss selbst überlegen, ob man dies in eine Cloud hochladen möchte oder nicht. Wenn ja, lässt sich diese zusätzlich durch ein Passwort sichern. Auf dem eigenen Rechner kann man immer noch auf die Funktion der versteckten Ordner zurückgreifen. Im technischen Bereich gibt es zahlreiche Möglichkeiten, die genutzt werden können.

Wie verarbeitet man emotional diesen Erpressungsversuch?

Stephany Am besten ist es, nicht allein damit zu bleiben. Man sollte sich eine Vertrauensperson suchen, mit der man darüber reden kann. Das muss nicht jemand aus dem direkten Umfeld sein. Bei den Helplines kann man mit einer fremden Person über das Erlebte sprechen und bleibt dabei anonym und man muss nicht darum fürchten, dass hier ein Stein ins Rollen gebracht wird. Jedes Gespräch wird vertraulich behandelt. Man kann sich auch gleich an die Polizei wenden.

Welche Rolle können hier die Eltern spielen?

Stephany Für die Jugendlichen ist wichtig, dass wenn sie sich in einer solchen Situation befinden - egal ob das Material existiert oder nicht - die Eltern als Vertrauensperson und als Ansprechpartner zur Verfügung stehen, sie unterstützen und ihnen den Rücken stärken. Die Eltern können sich auch selbst informieren, was sie unter anderem über die BEE SECURE Helpline, über www.bee-secure.lu oder das Elterentelefon machen können.


Wer selbst Opfer von Sextortion wurde, kann sich an die BEE SECURE Helpline (8002 1234) oder das „Kanner-Jugendtelefon“ (116111), beziehungsweise direkt an die Polizei wenden. Eltern können sich sowohl bei der BEE SECURE Helpline als auch beim Elterentelefon (26 64 05 55) informieren.