Timo Novotny hat sich nie so sehr in einer U-Bahn gefürchtet als auf einem Bahnsteig in Los Angeles: „Nachmittags um drei kann es sein, dass man nahezu alleine auf dem Bahnsteig steht. Mit einer 10.000 Euro Kamera auf dem Rücken, als Europäer....“ Der österreichische Filmemacher hat in seinem essayistischen Dokumentarfilm „Trains of Thoughts“ die U-Bahnen und ihre Passagiere in fünf Metropolen portraitiert. Morgen wird der Streifen im CarréRotondes im Rahmen des Luxembourg City Film Festival projiziert. Die österreichische Band Sofa Surfers wird den Soundtrack live aufführen.
Fünf aus 166
166 Städte verfügen über ein U-Bahnnetz, Novotny hat für seine Dokumentation die fünf Städte New York, Los Angeles, Tokio, Hong Kong und Moskau bereist. „An New York, Tokio und Moskau kommt man für einen solchen Film nicht vorbei, sie dokumentieren die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft. Los Angeles habe ich ausgewählt, weil es sich um eine typische Autostadt handelt. Hong Kong ist die einzige Stadt, die über eine U-Bahn verfügt, die Profit abwirft,“ erläutert der Österreicher die Wahl seiner Drehorte.
In jeder der fünf Metropolen wirft der Regisseur einen unterschiedlich Blick auf die U-Bahn und seine Passagiere, lässt Pendler und Breakdancer zu Wort kommen oder interviewt Obdachlose und U-Bahn-Angestellte.
Im New York-Abschnitt, „dem essayistischsten Teil des Films“, kommen Passagiere zu Wort, die Novotny in den Zügen oder auf den U-Bahnhöfen angesprochen hat. „In New York kann man jeden alles fragen und das zu jeder Tageszeit“, betont der Filmemacher. In Los Angeles sind die Menschen weniger auskunftsfreudig Fremden gegenüber; Novotny arbeitete dort mit einem einheimischen U-Bahnfan zusammen, der für den Filmemacher die Leute ansprach und die Interviews führte.
In Tokio wurde Novotny von einem Japaner begleitet, der die hohe Selbstmordrate in der japanischen Hauptstadt thematisierte. Das Tokiokapitel sei in der Tat vom Selbstmordthema geprägt, meint Timo Novotny. In Moskau heftete sich der Österreicher an die Fersen einer italienischen Urlaubertruppe, die in den U-Bahn-Bahnhöfen Sightseeing machten. Die Russen sind nach wie vor stolz auf ihre unterirdische Bahn, Novotny hat allerdings festgestellt, dass sich das U-Bahnvolk von der Oberschicht abhebt, die es vorzieht, in ihren teuren Autos durch die Hauptstadt zu fahren.
U-Bahn-Soundtrack
Keine Begegnung mit einem U-Bahn-Passagier ist inszeniert, die Interviewpartner erteilten dem Regisseur schriftlich die Erlaubnis, dass er sie im Film zeigen durfte.
An die Drehgenehmigungen zu kommen bereitete dem Österreicher kein allzu großes Problem. Er habe Glück gehabt, dass die österreichische Botschaft ihn unterstützt habe. „Kompliziert war es manchmal, die Unterschrift der befragten Zuggäste zu bekommen“, erinnert sich der Regisseur. Novotny und die Sofa Surfers gehen bewusst den Weg der Live-Cinema-Auftritte. „Ich finde es wichtig, dass Filme auch einen Livecharakter haben. Kino soll ein Erlebnis sein“, unterstreicht der Österreicher.
„Trains of Thoughts“ wird morgen Abend um 21.00 im CarréRotondes gezeigt. Die Sofa Surfers spielen den Soundtrack live - www.rotondes.lu; www.trainsofthoughts.com




