LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Umfahrung Hesperingen/Alzingen - Eine Tunnelvariante wäre wohl „unbezahlbar“

Den Wunsch nach einer Ortsumfahrung für Hesperingen und Alzingen gibt es schon seit langem, genauso lange kursieren verschiedene Varianten im öffentlichen Diskurs. Die einfachste Variante war zu Beginn der Diskussion eine Ableitung der von Frisingen kommenden N3 vor dem Ortseingang Alzingen nach Westen zur Autobahn A3. Allerdings ist die Autobahn selbst überlastet und außerdem müsste in der Talweite der Alzette ein „Natura 2000“-Gebiet durchschnitten werden.

Zwei Abschnitte einer neuen N3 (Luxemburg - Frisingen) sind schon beschlossene Sache und finanziert. Im Rahmen der innerstädtischen Neugestaltung der N3 in Luxemburg ist vorgesehen, dass der neue Streckenverlauf vom Hauptbahnhof über die gerade im Bau befindliche Büchler-Brücke führt, dann nach Süden abknickt, über bisheriges CFL-Gelände läuft, um dann am „Rangwee“das Industriegebiet Howald zu erreichen. Danach erfolgt dann der beschlossene Ausbau der rue de Scillas bis zum bestehenden Kreisel am „Cactus“.

Nach der Querung der Verbindung Cloche d’Or - Hesperingen nach Süden soll dann das Modul „Süd“ folgen, die eigentliche Umgehungsstraße für Hesperingen und Alzingen. Dies schien bis jetzt Konsens zu sein und stellt immer noch den Planungsstand dar. Allerdings hängen die Planungen der zeitlichen Prognose der letzten Jahre deutlich hinterher.

Hesperingen ist irritiert

Für Verwirrung sorgten jetzt - angebliche - Aussagen von Bauten- und Transportminister François Bausch (déi gréng), man könne auch über eine Tunnelvariante nachdenken - was wiederum starke Irritationen beim Schöffenrat (CSV) von Hesperingen auslöste.

Auslöser für die jüngsten Debatten war eine parlamentarische Anfrage der beiden „déi gréng“-Abgeordneten François Benoy und Carlo Back, die vor allem mit Hinweis auf das Natura 2000-Gebiet und einer Reihe sehr kritischer Fragen mehr oder minder Stellung gegen eine Umfahrung für Hesperingen bezogen haben. Minister Bausch hat seinen beiden Parteifreunden außergewöhnlich umfangreich und ausführlich geantwortet. Bausch sieht ebenfalls das Problem mit den Alzetteauen, die auch als Rastplatz für Zugvögel dienen. Doch scheint es keine Alternative zu einer Streckenführung durch das Natura 2000-Gebiet zu geben - was nach umfangreichen ökologischen Ausgleichsmaßnahmen verlangen wird, dies stellte auch eine „Strategische Umweltprüfung“ fest. Einer von den Fragestellern favorisierten Variante „0“, also nichts tun und den Verkehr weiterhin durch Hesperingen und Alzingen kriechen lassen, gibt Bausch keine Chance.

Die angesprochene mögliche Tunnelvariante, über die sich der Hesperinger Schöffenrat so aufregt, wurde in der Frage von Benoy und Back konkret aufgeführt. Doch liest sich die Antwort des Ministers deutlich kritischer als es die Stellungnahme des Schöffenrats von Hesperingen vermuten lässt. Das mag damit zusammenhängen, dass zu diesem Gremium immerhin zwei Abgeordnete der CSV-Opposition gehören: Bürgermeister Marc Lies und die 1. Schöffin Diane Adehm.

Eine Frage des Geldes

In seiner Antwort auf die Frage nach einem möglichen Tunnelbau verweist Bausch mehrfach und ausdrücklich auf die dann notwendige Bereitschaft deutlich mehr Geld zu investieren. Nicht nur der Bau eines Tunnels durch das Feuchtgebiet an der Alzette wäre mit erheblichen Mehrkosten verbunden, auch der Unterhalt der Tunnelstrecke würde dauerhaft Kosten generieren. Die Auswirkungen für Naturschutz und Anwohner seien natürlich positiv, aber bei erheblicher Kostensteigerung.

Man muss der Gemeindespitze aber durchaus ihren Ärger über die anhaltenden Verzögerungen der Planungen für den dritten Bauabschnitt der N3 zugestehen. So waren Bürgerkonsultationen schon für 2017 vorgesehen. Auf die Gründe für eine Umgehungsstraße wird noch einmal eindringlich hingewiesen: „Die Verkehrslast und die Luftverschmutzung in der Gemeinde Hesperingen werden immer unerträglicher für die Einwohner. Eile ist geboten um pragmatische Lösungen zu finden.“