LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

2014 war wirtschaftlich nicht einfach

Die Weltwirtschaft 2014 war deutlich schlaffer als erwartet. Die Europäische Union zeigte sich nicht so stark wie erwartet. In der Angst zwischen Deflation und einer zögerlichen Nachfrage bei Tiefstzins ging nicht viel - außer Aktien. Kein Wunder also, dass das IWF im Oktober seine Wachstumsprognosen nach unten revidierte.

Luxemburg exportiert 28 Prozent seiner Güter in die EU, davon besonders viele nach Deutschland (28 Prozent), Frankreich (15 Prozent) und Belgien (15 Prozent). Die wirtschaftliche Entwicklung dieser Länder spielt daher eine große Rolle für Luxemburg. In Frankreich sieht es mehr als schlecht aus mit hoher Arbeitslosigkeit und sehr hoher Staatsverschuldung. Deutschland schwächelt und in Belgien kämpfen Streikende gegen den Reformkurs der Regierung.

Luxemburg kann für sich beanspruchen, dass es im Vergleich mit den Nachbarländern sehr gute Staatsfinanzen hat, ein höheres Wachstum aufweist und die Bevölkerung auf einem sehr hohen Niveau lebt.

Aber Luxemburg hängt trotz aller Bemühungen um Diversifizierung noch sehr stark am Finanzplatz. Der sorgt immer noch für das Gros des Staatseinkommens. Glücklicherweise läuft der Fondssektor hervorragend. Andere Bereiche befinden sich im Umbruch - und im Zentrum politischen Interesses, wie LuxLeaks gezeigt hat. LuxLeaks wird noch Nachwirkungen haben. Immerhin hat es der Welt auch klar gemacht, dass Luxemburg ein Finanzzentrum ist. Und der hiesige Bankensektor hat es bislang relativ gut geschafft, neue, reiche Klientel anzuziehen.

Die Zahl der Banken ist konstant geblieben und liegt bei 149 - so viel wie im Krisenjahr 2008. In nächster Zeit stehen allerdings größere Sozialpläne an, die das Budget - rund 20 Millionen Euro monatlich für die Arbeitslosen - weiter belasten werden.

Zufriedene Gesichter

Der Bankensektor profitiert von neuen Nischen wie Renminbi und Sukuk, aber er sieht sich auch den Herausforderungen der Digitalisierung gegenüber. Electronic Banking wird eine immer größere Rolle spielen. Schon jetzt steigt die Zahl der hier tätigen Unternehmen.

EU-Direktiven, Bankenunionen und internationale Regelungen beschäftigen das Management in den Finanzinstituten schon jetzt sehr. Dennoch sind sowohl die Vertreter des Fondsplatzes als auch der Börse zufrieden (siehe S. 30).

Die Realwirtschaft schafft nicht wirklich einen Ausgleich. Die Cluster sind eine gute Sache, vor allem ICT scheint Potenzial zu haben. Aber im Bereich Mittelstandsförderung ist noch einiges zu tun; vor allem im Bereich Bürokratie. Cargolux kämpft weiter mit Schwierigkeiten. Der Logistik-Sektor gewinnt demnächst wichtige Partner und Verbände hinzu. Aber genau wie beim E-Commerce braucht der Aufbau Zeit.

Luxemburgs Vorteile bleiben seine Lage, die Multinationalität der Arbeitskräfte und die kurzen Wege sowie die politische Stabilität. Das ist ein gutes Kapital für 2015.