Das Jahr 2012 war für die beiden luxemburgischen Fluggesellschaften Luxair und Cargolux wohl das wirtschaftlich schlechteste in ihrer bisherigen Geschichte. Zu den konjunkturellen Problemen, mit denen die ganze Branche zu kämpfen hat, kamen Auseinandersetzungen über die strategische Ausrichtung, sowie in deren direktem Gefolge auch Spannungen zwischen den Sozialpartnern auf, deren Lösung im beiderseitigen Interesse, nicht zuletzt aber auch vor dem Hintergrund der Schaffung eines multimodalen Logistikzentrums im Herzen Europas, keinen längeren Aufschub duldet.
Mit sehr viel Sachverstand und in einem äußerst konzilianten Ton machte am vergangenen Samstag der von der Regierung zum Präsidenten der beiden Fluggesellschaften eingesetzte frühere hauptstädtische Bürgermeister Paul Helminger nicht nur die Problemlage selbst für uneingeweihte Beobachter deutlich nachvollziehbar, sondern zeigte auch die Wege auf, die beschritten werden müssen, um die Operabilität und die Attraktivität des Flughafens langfristig abzusichern.
Helminger konnte im einstündigen RTL-Gespräch zunächst überzeugend vermitteln, dass es ihm keinesfalls an der erforderlichen fachlichen Kompetenz für den Luftfahrtbereich fehlt, der bei seinem doppelten Amtsantritt von Gewerkschaftsseite öffentlich in Zweifel gezogen worden war. Darüber hinaus zeigte er sich auch als verantwortungsbewusster Unternehmensleiter, dem die Notwendigkeit keineswegs fremd ist, die Interessen der von ihm präsidierten Gesellschaften mit denen der - immerhin knapp 4.000 - Beschäftigten in beiden Firmen in Einklang zu bringen.
In besonderer Weise gelang es ihm aber auch zu verdeutlichen, dass weder Cargolux noch Luxair, allen Wettbewerbsschwierigkeiten zum Trotz, völlig chancenlos da stehen, sondern mit der richtigen Aufstellung und Orientierung auch zukünftig jenen Platz einzunehmen vermögen, auf dem sie sich in der Vergangenheit so erfolgreich hatten behaupten können. Jede Herausforderung kann eine Gefahr sein, bietet gleichzeitig aber auch neue Chancen, die mit Mut und Realismus genutzt werden sollten. Für wohlwollende Duldung durch größere und wirtschaftlich stärkere Nachbarn und Mitwettbewerber, wie sie Luxemburg und seine Unternehmen in der Vergangenheit gekannt hatten, ist heute kein Platz mehr in einem Wirtschaftssystem, wo erbittert im jedes Quäntchen Marktanteil gekämpft wird.
Gewinnen kann man in diesem Wettbewerb gerade als kleiner Akteur nur dann, wenn man den nötigen Mut zur Erneuerung und zur ständigen Anpassung an die sich verändernden Bedingungen aufbringt und intelligent die eigenen Vorteile und Stärken zu nutzen vermag. Für den Erfolg unerlässlich ist dabei jedoch, dass alle Beteiligten am gleichen Strang ziehen und mit gebündelten Kräften das gemeinsame Ziel anstreben.
Die Perspektiven, die Paul Helminger am vergangenen Samstag für beide Unternehmen aufgezeigt hat, sind glaubhaft und realistisch. Die Umsetzung sollte möglichst zügig und bündig vorangetrieben werden.


