LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Nightcrawler“ deckt die dunklen Machenschaften von Fernsehsendern auf

Mit „Nightcrawler“ realisiert Drehbuchautor Dan Gilroy seinen ersten Kinofilm, mit in der weiblichen Hauptrolle seine Ehefrau René Russo. Er hat die Machenschaften der amerikanischen Fernsehsender im Visier, die hautnah bei den spektakulärsten Un- und Überfällen dabei sein wollen, und dabei vor nichts zurückschrecken.

Vom Kleinganoven zum Videoreporter

Louis Bloom (Jake Gyllenhaal) ist arbeitslos und verdient sich seinen Lebensunterhalt mit kleinen Diebstählen. Eines Nachts wird er Zeuge eines Autounfalls, das Kamerateam von Joe (Bill Paxton) taucht auf und filmt den Unfallort. Louis wird neugierig und informiert sich, warum Joe den Unfall filmt. Joe bestreitet zunächst seine Existenz als freischaffender Reporter, der seine Aufnahmen an den meist bietenden Fernsehsender verkauft. Louis findet diese Geschäftsidee ausgezeichnet und möchte auch ein Stück vom Kuchen.

Er besorgt sich eine Videokamera und einen Polizeisender, auf dem er alle Gespräche mithört und somit über aufregendsten Zwischenfälle informiert wird. Ihm gelingt es beispielsweise, einen Verletzten hautnah zu filmen. Mit dieser Reportage kann er die Fernsehproduzentin Nina (René Russo) von seinem Talent überzeugen, und sie dazu bewegen, Aufnahmen von ihm zu kaufen.

Plötzlich ist er so erfolgreich, dass er sogar einen Assistenten engagieren muss: Rick (Riz Ahmed) ist der einzige, der sich meldet. Zuerst muss dieser ihn so schnell es geht durch die Straßen von Los Angeles zu den Unfallorten führen. Später wird er dann zum zweiten Kameramann.

Eines Tages filmt Louis einen Raubüberfall auf ein Haus, bei dem es Tode gegeben hat, noch ehe die Polizei eintrifft. Die Bilder der Täter hält er allerdings vor der Polizei zurück. Auf eigene Faust gelingt es ihm, den Aufenthaltsort der Mörder ausfindig zu machen. Nun plant er diesen zu folgen und ihre Festnahme zu filmen.

Dan Gilroys Film ist in erster Linie eine herbe Kritik an der Sensationslust der Fernsehsender, die immer mehr zu unlauteren Mitteln greifen, um ihre Einschaltquoten zu steigern. Dass sie dabei auf die (oft) illegalen Aufnahmen solcher Hobby-Reporter wie Joe oder Louis zurückgreifen, ist ihnen ebenfalls egal, da nur die Quoten am Ende zählen.

Überragender Gyllenhaal

In zweiter Linie ist „Nightcrawler“ die Beschreibung eines gefühllosen Mannes, der durch einen überragenden Jake Gyllenhaal interpretiert wird. Ohne eine Miene zu verziehen verkauft er seine Filme an Nina, die er auch noch auf ein Date einlädt.

Seine Worte sind mit einer eiskalten Präzision gewählt, um seine Gegenüber zu überzeugen oder gar schachmatt zu setzen. So kann er Rick durch seine geschwollenen Redewendungen überzeugen, fast umsonst für ihn zu arbeiten. Stets merkt man Louis sein falsches egoistisches Spiel unter seiner kalten Fassade an.

Einige Längen sind nicht zu übersehen, aber speziell das letzte Drittel dieses sehenswerten Films ist extrem spannend und hält etliche Überraschungen parat.