LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

„Impossible Readings 8“: Aktueller Diskussionsstoff unterhaltsam verpackt

Die Erwartungen waren hoch, obwohl das Publikum möglicherweise doch nicht so recht wusste, worauf es sich an diesem Abend einstellen sollte. Das Theaterkollektiv „Independent Little Lies“ (ILL) hatte am Dienstag im Nationalarchiv die luxemburgische Sprache in den Fokus der achten Auflage seiner Reihe „Impossible Readings“ gerückt und ist dabei der Frage nachgegangen, wie Schriftsteller mit dem Luxemburgischen umgehen. Ist Luxemburgisch überhaupt eine literarische Sprache? Dass dem sehr wohl so ist, haben die drei Schriftsteller Ian De Toffoli, Diane Neises und Gast Groeber in ihren jeweiligen Beiträgen originell unter Beweis gestellt und damit gleichzeitig die aktuell viel diskutierte Sprachenproblematik auf unterhaltsame Art und Weise aufgegriffen. Die Texte wurden in einer szenischen Lesung unter der Regie von Elsa Rauchs und der literarischen Koordination von Luc Caregari von Marc Baum und Claire Thill ungezwungen vorgetragen.

Bekannte Szenarien spritzig zusammengefasst

In „Lëtzebuergesch fir sech ewechzegeheien“ von Gast Groeber wird eine Diskussion darüber geführt, ob Literatur auf Luxemburgisch überhaupt von Nutzen ist oder die Sprache doch nur als Kommunikationsmittel taugt, welche Bedeutung die doppelte Staatsbürgerschaft hat und warum die Gesetzgebung nicht ins Luxemburgische übersetzt wird. Ein Pärchen denkt auf der Heimfahrt im Auto darüber nach, dies nachdem die Debatte während eines Familienessens entfacht wurde. Groeber bietet dem Publikum ein typisches Szenario, aktuellen Diskussionsstoff über den Stellenwert unserer Sprache, das Ganze unterhaltsam und zugleich spannend verpackt.

Diane Neises schreibt über Wörter, die nicht ausgesprochen wurden. Ihr Beitrag ist philosophischer angehaucht. Sie lässt die Zuschauer eine Trennung miterleben. „Vläicht ass Lëtzebuergesch eng Sprooch, mat där een näischt erreecht, wéi Bulli, an deem ee mat Gummisstiwwelen feststécht an net méi weiderkënnt“, wird philosophiert. Dem Luxemburgischen wird schließlich kein gutes Zeugnis ausgestellt, mit ihren Vergleichen stellt die Autorin ihren Einfallsreichtum unter Beweis und sorgt für das nötige Schmunzeln: „Lëtzebuergesch kléngt no der Loft, déi tëscht groen Hausfassaden duerchpäift, no Sirenen an Autostuten, no stonnelaangem Reen an ze wéineg no Magie“, derweil andere Sprachen „wéi Welle kléngen, déi sech op de Plagen ofrullen“. Trotzdem folgt am Ende das Fazit, dass Sprache das ist, was man daraus macht.

Ian De Toffoli übt sich in seinem Text als findiger Literaturhistoriker mit durchaus glaubwürdigen Ansätzen. Auf der Suche nach dem wahren Ursprung unserer Nationalliteratur scheinen seiner Fantasie keine Grenzen gesetzt zu sein. Seinem Text dürfte eine eingehende Recherche vorausgegangen sein. Auch er erntet die nötigen Lacher dafür, woran nicht zuletzt Marc Baum als hervorragender Protagonist am Lesepult seinen Anteil hat.

Wenngleich man möglicherweise mit anderen Erwartungen im Nationalarchiv Platz genommen hatte, verließ man es nach knapp 45 Minuten keineswegs enttäuscht. Vielleicht hat man sich in der ein oder anderen Passage sogar wiedererkannt. „Flott war et“, sagt der Luxemburger dazu.