LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Offen in viele Richtungen: Tanja Frank über die Projekte der „Openscreen asbl“

Bei dieser Vereinigung ist der Name Programm. Seit einiger Zeit steckt aber noch mehr dahinter. Die „Openscreen asbl“ geht auf eine Initiative von Tanja Frank zurück, die die Idee im Jahr 2004 von Brüssel mit nach Luxemburg brachte. Seit 2014 funktioniert der Verein als „association sans but lucratif“ und hat seine Aktivitäten noch dazu seit letztem Jahr ausgedehnt. Worum genau es sich handelt, erzählt Projektmanagerin Tanja Frank im Gespräch mit dem „Journal“.

Was steckt hinter dem Namen „Openscreen“?

Tanja Frank „Openscreen“ ist an sich eine Plattform für Filmemacher. Ihnen bieten wir die Möglichkeit, während regelmäßiger Events ihre Kurzfilme einem Publikum zu zeigen. Viele Vorgaben gibt es nicht, abgesehen davon, dass die Filme nicht länger als 20 Minuten sein dürfen. Natürlich muss alles im rechtlichen Rahmen bleiben, darf also keinen „hate content“ enthalten und auch nicht pornografisch sein. Ansonsten gibt es kaum Grenzen, jeder darf sich bei uns ausprobieren.

Miterlebt habe ich ein solches „Openscreen“-Event erstmals im Brüsseler „Cinéma Nova“. Ab den 90er Jahren gab es übrigens weltweit vergleichbare Initiativen. Damals gab es ja noch kein YouTube. Carlo Thiel und ich haben angefangen, erste Veranstaltungen nach diesem Muster im Elevator in Hollerich zu organisieren. Zu diesem Zweck hatten wir uns einen Projektor und eine mobile Leinwand angeschafft. Ja, und nach diesem Prinzip lief das dann über die letzten Jahre. Ich muss jedoch dazu sagen, dass wir das Projekt 2005 abgegeben haben. Irgendwann schlief es wohl auch etwas ein. Seit 2014 sind wir zwei nun wieder voll dabei. Inzwischen sind wir sechs mehr oder weniger aktive Mitglieder.

Schaut Ihr euch die Filme genau an, bevor sie gezeigt werden?

Frank Wir machen keine Qualitätsauswahl. Jeder ist selbst verantwortlich für den Inhalt. Da immer mehrere Kurzfilme gezeigt werden, stelle ich sie so zusammen, dass am Ende rund 90 Minuten am Stück zu sehen sind. Ich achte schon darauf, sie irgendwie in eine passende Reihenfolge zu bringen, damit es ein unterhaltsamer Abend wird. Ich schaue die Filme aber nicht komplett durch, viele entdecke auch ich erst am Abend so richtig.

Es gibt also niemanden, der im Vorfeld entscheidet, was gut genug für die Leinwand ist?

Frank Die „Openscreen“-Bewegung, so wie ich sie auch vom Ausland her kenne, geht gerade auf eine Zeit zurück, in der viel darüber diskutiert wurde, was ein guter Film und was ein schlechter Film ist, was Kino ist und was kein Kino ist. Es wird immer so getan, als wäre dies in Stein gemeißelt. Genau das wollen wir in Frage stellen. Wir kokettieren ein bisschen damit. Schlechte Filme können extrem gutes Entertainment bedeuten.

Filmemacher, die sich hingegen an jede Kinoregel halten, können extrem langweilige Filme produzieren. Viel Geld investieren, heißt nicht immer gutes Kino. Wenig Mittel können manchmal erstaunlich Geniales zu Tage fördern. Die Gegenüberstellung von professionellen und Amateur-Filmen finde ich zudem sehr interessant. So können ganz spannende Momente entstehen. Klar hängt natürlich vieles vom jeweiligen Publikum ab.

Will „Openscreen“ eine Art Sprungbrett für Nachwuchsfilmemacher sein?

Frank Nein, diesen Anspruch hatten wir eigentlich nie. Diesbezüglich gibt es genug andere Angebote. Bei uns soll man einfach die Möglichkeit nutzen, um zu spielen, sich auszuprobieren, zu trainieren und Sachen zu testen, bis man dann ein solches Sprungbrett anderswo springen will. Ein weiterer Vorteil ist, dass man bei uns auch direkt ein Feedback bekommt, ein ungekünsteltes Feedback.

Ist YouTube denn inzwischen zu einer Konkurrenz geworden?

Frank Eine Rolle wird diese seinerzeit neue Möglichkeit wohl gespielt haben, wie sich das aber zwischen 2005 und 2014 auf das Projekt ausgewirkt hat, kann ich nicht mit Sicherheit sagen, weil ich in diesen Jahren nicht involviert war. Anfangs haben wir jeden Monat einen „Openscreen“-Abend organisiert, das war dann doch etwas zu stramm. Nach einem Jahr war es wohl etwas schwieriger geworden, Material zu finden. Seit 2014 probieren wir nunmehr andere Formate aus und stoßen auch auf das nötige Interesse, bieten aber nicht mehr jeden Monat eine solche Veranstaltung, sondern dann, wenn wir den passenden Ort und ausreichend Material haben. In den letzten vier Jahren haben wir dennoch immerhin 28 Events organisiert.
Mittlerweile sind aber noch andere Projekte hinzugekommen?

Frank Genau, im letzten Jahr haben wir angefangen, zu produzieren. Wir wollten das Format „Kappkino“ etablieren, also uns neben der Diffusion auf der Leinwand auch mit Audiostücken befassen, die man sich im Dunkeln auf Liegestühlen sitzend anhört. Anfangs war es nicht gerade einfach, Material zu finden, also lokal produzierte Sachen, um daraus ein regelmäßiges Event zu machen. Als ich irgendwann den Text „Wou ginn Elteren nuets hin“ von Claudine Muno vor mir liegen hatte, dachte ich mir, dass wir es damit einfach selbst versuchen sollten, demnach ein Hörspiel daraus machen könnten. Das ist aufgegangen wie Popcorn. Auch das restliche Team konnte ich von der Idee überzeugen, obwohl niemand so richtig wusste, wie genau man so etwas anstellt. Das opderschmelz und das CNA sind relativ schnell als Koproduzenten eingestiegen. Eigentlich sollte es ja eine Aufnahme werden, doch auf einmal hatten wir ein Live-Hörstück für Erwachsene, das verkauft war, noch bevor es existierte. 2017 feierte „Wou ginn Elteren nuets hin“ Premiere, dies in einer Inszenierung von Dan Tanson, mit Betsy Dentzer als Sprecherin und Misch Feinen sowie Natascha Grujowitch am Akkordeon und der Perkussion. Im März nächsten Jahres werden wir erneut damit auf Tour gehen. Seit Oktober gibt es das „Kappkino“ aber auch auf Vinyl.

Warum gerade Vinyl?

Frank Eine Schallplatte kann man nicht „à la va-vite“ hören, genau das ist der Grund. „Wou ginn Elteren nuets hin“ sollte man nicht so nebenher hören, während man Zeitung liest oder bügelt. Bei einer Vinyl ist es so: Hat man die Nadel erst einmal auf der Platte, ist man bereits im richtigen Zustand, sich das Stück anzuhören; zuhause in einer gemütlichen Ecke, am besten im Halbdunkeln. So soll man „Kappkino“ genießen. „Wou ginn Elteren nuets hin“ gibt es aber auch als Download, übrigens nicht nur in einer luxemburgischen sondern auch einer deutschen Fassung.

Angst davor, Sachen anzugehen, mit denen Sie sich nicht so direkt auskennen, haben Sie also nicht?

Frank Mit allem muss man ja irgendwann einmal anfangen. No risk, no fun. Wenn man nie etwas in seinem Leben ausprobiert, wird es langweilig. Bei
„Openscreen“ waren wir von Anfang an in viele Richtungen offen. Ideen sind stets willkommen. Wir sind zu fast allen Schandtaten bereit. Als nächstes steht nun am 27. Dezember ein Event unter dem Motto „Bring your own old audio vinyls“ im „Casino Luxembourg - forum d’art contemporain“ an, wo jeder seine Platten und alten Hörspiele mitbringen und in Nostalgie schwelgen kann.

Zusätzliche Infos unter www.openscreen.lu und

www.kappkino.lu