LUC SPADA

Auf „ze.tt“ habe ich vor Kurzem einen Beitrag darüber gelesen, geschaut, wie eine Fotografin „den Schmerz des weiblichen Zyklus“ in Bildern festhält: „Meine Periode und ich - eine Hassliebe in Bildern“.

Klick. Beim ersten Foto sieht man, wie die Fotografin Sara Larousso etwas leidvoll Richtung Kamera schaut, oben ohne, und darunter beschreibt sie dann ihren ersten Tag ihrer Periode:

Geschwollene Titten, dunkle Augenringe und Pickel.

Let the period start.

Ich klicke weiter. Nächstes Foto. Man sieht eine blutverschmierte Slipeinlage im Schlüppi auf Kniehöhe, mit dem Untertext, dass die Slipeinlage die Befleckung verhindern soll und dass die Flügel der Damenbinde aussehen, als hätte Frau einen Penis.

Weiter. Die Fotografin auf dem Klo, ein Fuß auf der Klobrille, bekleidet mit einem großen, gelben Pulli, unten nichts. Unter dem Bild drei Worte: „Blute immer weiter“.

Next. Ein Bild mal wieder mit Sicht auf eine blutverschmierte Slipeinlage im Slip und dem Untertext, dass dies das ist, womit sie jeden Morgen begrüßt wird.

Verstanden, nächstes Bild. Blutverschmierte Unterhose auf dem Boden.

Weiter. Spiegelselfie mit rotem T-Shirt und roter Hose und was unter der Hose vor sich geht, könnt ihr ja mittlerweile selbst raten.

Nächstes Foto. Blick ins Klo: Pisse und Blut.

Weiter. Unsere Fotografin sitzt auf ihrem Bett und isst aus einem Nutella-Glas. Keine Erklärung dazu. Ich weiß jetzt nicht, ob der Hunger auch ansteigt, wenn eine Frau ihre Tage hat.

Und weiter geht’s. Auf dem nächsten Bild sehen wir einen roten Teppich, natürlich, und einen Teller mit blutverschmierter Slipeinlage drauf oder ähnlichem, ich kenne mich da ja nicht so aus.

Und die Zehenspitzen sieht man auch.

Dann, ein Foto, wo sie gebückt/gekrümmt auf einem roten (!!!) Sofa sitzt und sich darüber beschwert, dass an Tagen wie diesen, einfach keine bequeme Position möglich ist.

Weiter, wir befinden uns in einer Dusche, man sieht Beine, Füße und Blut.

Schlußendlich, ein „Beweisfoto“, wie Polizisten sie auch immer schießen, wenn sie einen Drogendealer festgenommen haben (Bargeld, Knarre, Plastikpäckchen), von dem was eine Frau, wenn sie ihre Tage hat, mit sich rumschleppen muss: Medizin, Tampons, große und kleine Slipeinlagen, Schmerzmittel.

Mit dem Fazit, dass wenn die Frauen ihre Menstruation haben, dass viele (womöglich sind die Männer angesprochen) oft nicht wissen, dass die Frauen nicht mehr im Besitz ihrer Selbst sind. Und dass die dargestellten Dinge, die auf dem „Beweisfoto“ zu sehen sind, von ihr als „Päckchen“ bezeichnet, den Frauen helfen, um durch den Tag zu kommen, besonders dann, wenn wichtigere Dinge zu erledigen sind wie Vorstellungsgespräche oder Prüfungen. Das Leben geht ja immer weiter.

Es hat nicht lange gedauert, bis unter dem Artikel die ersten Kommentare erschienen, von „Spricht man noch über den Schmerz des weiblichen Zyklus? Glückicherweise haben wir Frauen die Chance, die Pille zu nehmen…“ und die Empörung über Letzteren über „Zum Kotzen.“ (Empörung auch hier) bis hin zu „Wenn Frauen sich heute noch während ihrer Periode

„befleckt“ fühlen, wie unter einem der Bilder beschrieben, dann finde ich das bedenklich und ganz schön schlimm.“.

Und jetzt, der Versuch einer Haltung.

Ich weiß, dass es auch heute noch immer Männer gibt, die sich eigentlich als aufgeklärt und tolerant sehen, beim bloßen Erwähnen des Themas, ihr Gesicht aufs Unkenntliche verziehen. Die gleichen miesen Männer, die es eklig finden, wenn eine Frau Bier trinkt. Ich weiß aber auch, dass es gerade überall im Netz eine sehr bemühte Bewegung gibt, die auf Biegen und Brechen versucht, jedes weibliche Thema zu einem Problem hochzustilisieren. Beim Versuch, für Gleichberechtigung einzutreten, wird die Frau so dargestellt, als gäbe es NUR Baustellen zu bewältigen. Das finde ich schade und nicht besonders wegweisend, allzeit nicht nach vorne, nicht Richtung „Wir schaffen das“.

Meine Frage: Und jetzt?

Als Mann empfinde ich die Menstruation einfach nicht als Problem, wie auch? Ich habe doch keine Ahnung. Eklig finde ich es auch nicht. Einkaufen bei PRIMARK, essen bei McDonald’s, das ist eklig. Darf ich überhaupt darüber schreiben? Weitere Kritiken an der Fotoserie (Ist das jetzt Kunst?) enden in großen Kommentarschlachten. Man darf es nicht kritisieren, weil man sonst die Probleme einer Frau nicht respektiert und andere haben ein Problem damit, wenn das „Problem“ als Problem bezeichnet wird. Und wenn das „Problem“ Kunst wird, ist es unkritisierbare WICHTIGE Kunst. Und die Männer beschweren sich, dass auch niemand über ihre Fäkalien spricht und dann regen die Frauen sich wieder auf, dass Fäkalien mit Menstruation verglichen werden. DAS IST WIRKLICH WAS ANDERES!

Und die Fotografin wird als antifeministisch beschimpft, wie es auch Emma Watson wurde, weil sie bisschen Brust zeigte, obwohl doch #freethenipple - I say hey, what’s going on? - unsere Fotografin aber, weil sie den monatlichen, blutigen Besuch als „schmerzhaft“ und „anstrengend“ empfindet.

„Das ist natürlich.“, schreit die Feministin mit Achselhaaren, „rasier Deine Achselhaare“, entgegnet ein anderer. „Hör auf, mich auf mein Äußeres zu reduzieren, Du rasierst Dir die Sackhaare doch auch nicht“, kontert sie. „Das ist was ganz anderes.“, er dann. Und niemand weiß mehr, um was es eigentlich geht, ging es je um was, außer Befindlichkeiten? Es geht nicht um den Inhalt, nicht um die Sache, das ist immerhin sicher. Ich glaube, wir haben ein Kommunikationsproblem.