LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„La volante“, ein Thriller im Stil der 1950er Jahre

La volante“ ist eine französisch-belgisch-luxemburgische Koproduktion und der dritte Spielfilm, nach den beiden Horrorfilmen „Le rat“ (2001) und „Camping Sauvage“ (2005), der Regisseure Christophe Ali und Nicolas Bonilauri. Der französische Produzent Tom Dercourt kennt seinen luxemburgischen Kollegen Donato Rotunno von der luxemburgischen Filiale der Produktionsgesellschaft Tarantula, und so kam eine Zusammenarbeit zustande. Gedreht wurde der Film unter anderem in Mondorf und in Esch-Sauer. Am Montag feierte der Film seine luxemburgische Premiere im Beisein der Regisseure und der Schauspieler Nathalie Baye und Malik Zidi.

Unfall im Regen

Es regnet in Strömen. Thomas (Zidi) fährt seine schwangere Frau Audrey (Sabrina Seyvecou) ins Krankenhaus. Wegen der schlechten Sicht überfährt er einen jungen Mann, der an seinen Verletzungen stirbt.

Neun Jahre später. Thomas lebt von seiner Frau getrennt; da er dringend eine Sekretärin braucht, engagiert sein Chef (Pierre-Alain Chapuis) Marie-France (Baye) als so genannte „Secrétaire volante“, also Ersatzsekretärin. Thomas weiß aber nicht, dass sie die Mutter des Unfallopfers ist, die eindeutig auf Rache sinnt. Nicht nur im Büro macht sie sich unabkömmlich, sondern dringt langsam und unaufhaltsam in das Privatleben von Thomas ein. Erst sorgt sie für seinen Sohn Léo (Jean-Stan Du Pac), dann verdreht sie dem Vater von Thomas, Eric (Johan Leysen), den Kopf. Schließlich endet ihr Besuch in Audreys Buchhandlung in einem Blutbad. Nun steht definitiv fest, dass sie Léo als Ersatz für ihren getöteten Sohn will, und ihr ist dazu jedes Mittel recht.

Die Sache mit der Logik

Stilistisch inspirierten sich die Regisseure an den Thrillern von Alfred Hitchcock oder an „Shining“ von Stanley Kubrick. Sie bauen ohne übertriebene oder computeranimierte Effekte Spannung auf, die zwar stellenweise packt, aber ohne große Überraschungen verläuft. Auch wenn es Baye und Malik zum Teil gelingt, ihre Rollen glaubhaft zu spielen, ist der Schwachpunkt eindeutig der einfache und vorhersehbare Plot, in dem außerdem mit der Logik hapert. Was genau nach dem Unfall geschah, wird im Film nicht erklärt. Nur wird Thomas von der Polizei abgeführt, und diese Festnahme muss zu einer Untersuchung, gar zu einem Prozess, geführt haben, in deren Verlauf er unweigerlich Marie-France begegnen musste. Ob Thomas verurteilt wurde, spielt keine Rolle. Gewusst ist nur, dass sein Leben aus den Fugen geriet, und es zur Scheidung kam. Er müsste in dem Moment stutzig werden, als Marie-France sich als Sekretärin bewirbt. Er kennt diese Frau aber nicht.

Der aufmerksame Zuschauer hat somit Probleme an Marie-Frances Rachefeldzug zu glauben. In weiteren Rollen sind Hervé Sogne (Pierre), Claudine Pelletier (Liliane) und Valérie Bodson (Bürgermeisterin) zu sehen. Es gibt eine kleine Hommage an „M. Hublot“, den sich Léo im Fernsehen ansieht. Der Film läuft heute im „Utopia“ an.