LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Unter die Räder gekommen: „Ben-Hur“ von Regisseur Timur Bekmambetov

Elf Oscars gewann William Wylers Film „Ben-Hur“ 1960, der nach dem Roman „Ben-Hur: A Tale of the Christ“ von Lew Wallace aus dem Jahr 1880 gedreht wurde. Charlton Heston spielte die Titelrolle und Stephen Boyd war sein Gegenspieler Messala. Da die Filmindustrie in Amerika zurzeit mit einer Ideenflaute zu kämpfen hat und viele Remakes oder Fortsetzungen gedreht werden, wundert es keinen, dass auch „Ben-Hur“ irgendwann an die Reihe kommen würde.

Der russische Regisseur Timur Bekmambetov hatte diese Idee, und wenn man sich seine Filmografie anschaut, weiß man vielleicht im Vorfeld, wie sein „Ben-Hur“ aussehen wird, hat er doch die Horror- und Actionfilme „Night Watch“ (2004), „Day Watch“ (2006), „Wanted“ (2008) und „Abraham Lincoln: Vampire Hunter“ (2012) realisiert. Wylers Film dauerte 212 Minuten, Bekmambetovs 125. Somit kann man des Weiteren schließen, dass viele Szenen fehlen, die Wylers Film zu einem spannenden und gefühlvollen Meilenstein in der Filmgeschichte machten.

Familienbande und Rache

Bekmambetov interessiert sich nur für die Relation zwischen dem Juden Judah Ben-Hur (Jack Huston) und seinem römischen Adoptivbruder Messala (Toby Kebbell), speziell die Fähigkeit zu verzeihen. Ihre Wege trennen sich durch die unerfüllte Liebe von Messala zu Judahs Schwester Tirzah (Sofia Black-D’Elia). Messala steigt durch seinen Kampfgeist in der Hierarchie der römischen Armee ganz nach oben. Als beide sich in Jerusalem wiedersehen, bittet Messala seinen Bruder, ihm Informationen über die jüdischen Widerstandskämpfer, die Zeloten, zu besorgen. Beim Aufmarsch des Statthalters Pontius Pilatus (Pilou Asbaek) versucht der Zelote Dismas (Moisés Arias) diesen zu töten.

Ben-Hur nimmt die Schuld auf sich, nur um seine Familie vor den Repressalien der Römer zu bewahren. Während fünf Jahren muss er nun Ruderdienst auf einer Galeere leisten, ehe er während einer Schlacht entkommt und bei dem reichen Scheich Ilderim (Morgan Freeman) strandet. Dieser bietet Ben-Hur an, mit seinen Pferden an einem Wagenrennen in Jerusalem teilzunehmen. So könnte er sich an Messala rächen und den Römern ihren Stolz nehmen.

Zu konfus

Bekmambetov bleibt seinem filmischen Stil treu, und so werden die Kameraeinstellungen durch einen wilden Schnitt gehackt und auf maximal ein bis zwei Sekunden reduziert, wodurch man nie ein komplettes Bild einer Szene erhält. Des Weiteren wackelt die Kamera, und neben unscharfen Einstellungen gibt es fast nur Großaufnahmen, was wiederum den Gesamtblick auf das Umfeld des Geschehens verhindert; zum Beispiel kann man sich nur denken, was bei der Schlacht auf dem Wasser außerhalb der Galeere passiert. Jack Huston und Toby Kebbell schaffen es nicht, ihre Rollen glaubhaft zu spielen, was zum Teil auch am konfusen Stil liegt, der sie immer wieder ausbremst. Die Nebengeschichte über das Wirken von Jesus (Rodrigo Santoro) wirkt aufgesetzt und funktioniert gar nicht wie in Wylers Meisterwerk mit vielen Emotionen. Selbst das Wagenrennen kann aus den bereits genannten Gründen nicht überzeugen, selbst wenn man heute über eine ausgeklügeltere Technik verfügt als damals. Neben sieben der acht Rennteilnehmer kommt somit auch Regisseur Bekmambetov unter die Räder, da er vergessen hat, seinen Film mit ehrlichen und mitreißenden Gefühlen zu füllen.