PATRICK WELTER

Die Besatzung des Planeten wächst kontinuierlich, damit wir das nicht vergessen, gibt es alljährlich den Weltbevölkerungstag am 11. Juli. Meistens sind solche Gedenktage von zweifelhaftem Wert. Wie die direkten Kalendernachbarn des Weltbevölkerungstages: Der 10. Juli ist seit den 1950ern der „Piña Colada“-Tag, nett aber nicht weltbewegend, der 12. Juli hingegen ist der St. Ansbald-Tag, zur Erinnerung an eine betrügerische Vermehrung des Reichtums des Klosters Prüm.

Kommen wir vom Weltbevölkerungstag zu den realen Fakten. Stand der Dinge: 7,5 bis 7,6 Milliarden Menschen leben auf der Erde, bis 2050 werden es neun Milliarden werden. In den Industrieländern sind es gerade mal zwei Prozent der Bevölkerung, die Nahrungsmittel produzieren.

Experten gehen davon aus, dass es mit der Weltbevölkerung erst ab zehn Milliarden Menschen schwierig wird. Bis dahin reicht die Nahrung für alle… Bitte jetzt nicht das „Journal“ schreiend zerreißen. Es stimmt, die Nahrung reicht wirklich für alle - wenn sie denn gerecht verteilt wird. Daran hapert es aber noch an vielen Stellen. Dennoch, die Fakten sind besser als die mediale Lage. Es ist der UN in den letzten 30 Jahren gelungen, den Hunger in der Welt deutlich zurückzudrängen. Bei allen Desastern von Nordostafrika bis in den Jemen - die Zahl der Hungertoten sinkt weltweit seit Jahren kontinuierlich. Die UN-Helfer sind natürlich dort am Ende, wo Hunger als Waffe im Krieg eingesetzt wird.

Glaubenskriege drehen sich um den Bevölkerungszuwachs im allgemeinen. Auf der Ernährungsseite propagieren die Chemiekonzerne die Heilkraft der Gentechnik mit deren Hilfe man pilz-, krankheits- und parasitenresistente Pflanzen anbauen kann und das Welternährungsproblem auf alle Zeiten löst. Leider nur die halbe Wahrheit, denn gleichzeitig werden die Landwirte durch den Einsatz des gentechnisch veränderten Saatgutes von den Konzernen abhängig, die neuen Pflanzen sind leider unfruchtbare Hybride. Die Ökofraktion ist sowieso der Meinung, dass man die Welt auch ohne Chemie ernähren kann - wenn man aufhört Mono-Kulturen in den Regenwald zu prügeln, etwa für Palmöl. Stattdessen sollten bäuerliche Kleinbetriebe vor Ort massiv gefördert werden. Dazu zählt auch, dass die EU aufhören muss billige Lebensmittel mit Hilfe von Exportsubventionen in der Welt zu verteilen. Richtig gehört, der Export von billigen Lebensmitteln verhindert keine Armut, er schafft sie. Billige Resthühnchen - Europäer essen nur Brust - und jede Menge Milch ruinieren die Kleinbauern vor Ort. In der Folge können sich viele Länder nicht mehr ernähren, die Menschen schnüren ihr Bündel und machen sich auf den Weg nach Norden…

Einen Mitspieler dürfen wir nicht vergessen - den Vatikan. Zwar hat man keinerlei Ahnung von Tuten und Blasen, will der Welt aber erklären, wie sich Männlein und Weiblein unter der Bettdecke zu verhalten haben. „Verhütung, Abtreibung und Familienplanung sind des Teufels!“, damit stehen die römischen Kragen aber nicht alleine da, ihre evangelikalen Kollegen sind kaum besser. Sie haben seit Jahren hohen Zulauf und vor allem politischen Einfluss in den USA. Wer als Entwicklungshelfer auch nur über Familienplanung redet, kriegt keinen Cent aus Washington. Der Herr wird sie schon ernähren.“ Haha!