SENNINGERBERG
PATRICK WELTER

„Klimadësch-Landwirtschaft“ - Meinungsaustausch zwischen den Bauernverbänden, der Landwirtschaftskammer und der Regierung

Mit Harmonie war eigentlich nicht zu rechnen, denn in Sachen Klima gingen die Meinungen zwischen der Politik und der konventionellen Landwirtschaft bisher keineswegs konform. Gerade konservative Bauernverbände sprachen gern von Agrar-Bashing und einer politischen Bevorzugung des Biolandbaus. Allerdings muss das gestrige Zusammentreffen von Landwirtschaftsfunktionären und Regierung völlig anders verlaufen sein als erwartet - offenbar sehr harmonisch. Auch die Bauernverbände, die sich gegenseitig nicht immer „grün“ waren, haben offenbar angesichts des Drucks, der auf dem Sektor lastet, zu einer gemeinsamen Sprache gefunden. Offensichtlich auch in Sachen Klima. Der nationale Klimaplan sieht vor, dass die Landwirtschaft den CO2-Ausstoß bis 2030 um 20 Prozent gegenüber dem Referenzjahr 2005 senken soll.

Um die Sache grundsätzlich anzugehen und zu klären, wie sich alle Landwirte am besten in den nationalen Klimaplan einbinden lassen, trafen sich die Vertreter der Bauernverbände (Bauernzentrale, Bauerenallianz, Fräie Lëtzbeurger Bauereverband, Bio Lëtzebuerg und verschiedene Jugendvertretungen) und der Landwirtschaftskammer mit den Ministern für Landwirtschaft, Umwelt und Energie gestern zum „Klimadësch-Landwirtschaft“ im Schloss von Senningen. Den Vorsitz führte Premierminister Xavier Bettel.

Dabei wurde angesprochen, was die Landwirtschaft in Sachen Klimaschutz leisten kann und was der Staat den Bauern anbieten kann. Nach einem, dem Vernehmen nach, einvernehmlichen und konstruktiven Meinungsaustausch zwischen den verschiedenen Akteuren stellten sich - mit über einstündiger Verspätung - Landwirtschaftsminister Romain Schneider, Umweltministerin Carole Dieschbourg, Energieminister Claude Turmes und der Präsident der Landwirtschaftskammer, Guy Feyder, der Presse.

Konkret zusammenarbeiten

Minister Schneider betonte, dass man ganz konkret über den Klimaplan der Regierung gesprochen habe, um einen gemeinsamen Weg zur Umsetzung zu finden. Die Landwirtschaft habe zugesagt „eine Hand mit anzupacken.“ Die Bauernverbände, die sich unter einander abgestimmt hätten, wollten eine pro-aktive Rolle übernehmen. Schneider erinnerte noch einmal daran, dass die Landwirte als erste mit den Folgen des Klimawandels konfrontiert werden. Andererseits trügen sie auch dazu bei, es gehe also darum einen Schlüssel zur CO2-Problematik zu finden. Eines der Problemkinder ist die Ausbringung von Gülle voller Ammoniak und Methan.

Um die drei Pfeiler Ökonomie, Ökologie und Soziales unter einen Hut zu bringen, werde man die Landwirte durch Monitoring und Beratung unterstützen. Der Minister sprach weiter von Gülle und Mist als Energieträger, einer Solaroffensive und einer Methan-Strategie. Die neue Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) der EU enthalte ebenfalls eine Reihe von Öko-Skills.

Die Bauernverbände sind bemühtihre Differenzen zu überwinden

Für Guy Feyder, Präsident der Landwirtschaftskammer, war der Vormittag von einer konstruktiven Debatte geprägt, bei der man sich in den Zielen einige war. Man müsse sehen, wie sich die Notwendigkeit einer klimafreundlichen Politik mit der finanziell prekären Lage der meisten Landwirte verträgt. Es sei das Ziel der Landwirtschaft, ihre angestammte Aufgabe, nämlich die Ernährung der Gesellschaft, auch weiterhin in vollem Umfang zu erfüllen. Angesprochen auf die langjährigen Differenzen unter den Landwirten, meinte Feyder, dass man sich im Sektor zusammenraufen müsse. Was natürlich manchen Spagat bedinge.

Auch Umweltministerin Carole Dieschbourg sprach von einer konstruktiven und produktiven Gesprächsrunde. Der am Freitag vorgestellte Bioaktionsplan sei einer der konkreten Bausteine bei der Umsetzung des nationalen Klimaplans. Die Biolandwirtschaft sei ein Teil der Lösung.

„Die Energie hilft der Landwirtschaft Klimazeile zu erreichen, die Landwirtschaft hilft der Energie in Sachen Klimaziele“ Energieminister Claude Turmes betonte den hohen Nutzen von Biogasanlagen, die Nutzung der landwirtschaftlichen Gebäude für Solaranlagen und die Felder und Wiesen der Bauern als Standort für Windräder.

Für Biogas gibt es zwei Wege der Verwendung, die Einspeisung ins Erdgasnetz oder die Energiegewinnung vor Ort durch ein von Biogas gespeistes Blockheizkraftwerk, in dem sowohl Wärme als auch Energie gewonnen werden.

Turmes lobte, dass die Landwirte aus eigenem Antrieb heraus Überlegungen zum nationalen Klimaplan angestellt haben, ganz im Gegensatz zu verschiedenen Industrieverbänden.