FRANKFURT
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Europäische Zentralbank senkt erneut Leitzins - auf Rekordtief von 0,25 Prozent

Die Europäische Zentralbank (EZB) verschärft ihren Krisenkurs. Die Notenbank reagierte am gestrigen Donnerstag auf die zuletzt extrem niedrige Inflation im Euroraum und senkte ihren Leitzins auf das Rekordtief von 0,25 Prozent. Das teilte die EZB in Frankfurt mit.

Die Börse feierte die Entscheidung mit einem Kursfeuerwerk: Der Deutsche Aktienindex Dax schoss binnen Minuten zeitweilig auf die Rekordhöhe von 9162,08 Punkte. Im Gegenzug fiel der Eurokurs rapide von mehr als 1,35 auf unter 1,34 Euro: Ein im Vergleich zu anderen Währungen günstiger Euro kurbelt den Export in Drittländer an.

Die Teuerung im Euroraum war im Oktober auf 0,7 Prozent gesunken - den tiefsten Stand seit vier Jahren. Das hatte Forderungen nach noch billigerem Zentralbankgeld und einem Leitzins noch unter dem bisherigen Rekordtief von 0,5 Prozent neue Nahrung gegeben. Das billige Geld soll helfen, eine Abwärtsspirale aus fallenden Verbraucherpreisen und schwachem Wirtschaftswachstum zu verhindern. Das belgische Ratsmitglied Luc Coene hatte kürzlich betont, dass „ein weiterer Fall der Inflation ein geldpolitisches Handeln rechtfertigen“ könne. Die meisten Ökonomen hatten dennoch mit einer Zinspause gerechnet.

Niedrige Zinsen verbilligen tendenziell Kredite und Investitionen und kurbeln so die Wirtschaft an. Das stärkt den Preisauftrieb. Die EZB sieht Preisstabilität bei knapp unter 2,0 Prozent Jahresteuerung. Zuletzt lag die Inflationsrate im Januar bei 2,0 Prozent, seither teils deutlich drunter. Üblicherweise orientiert sich die EZB nicht an einzelnen monatlichen Inflationsdaten, sondern am mittelfristigen Ausblick. Und: Zum Teil ist der geringe Preisdruck eine Folge der politisch gewollten Sparmaßnahmen in einigen Krisenländern. Da Banken bereits extrem günstig an Geld kommen, es aber nicht an Unternehmen weiterreichen, ist umstritten, ob die erneute Zinssenkung in den Krisenländern positive Auswirkungen haben wird.

Droht Deflation?

Die historische Zinssenkung kommt auch deshalb überraschend, weil die Wirtschaft im Euroraum die Rezession verlassen hat und 2014 - auch nach EZB-Prognosen - wieder wachsen wird. Allerdings sei die wirtschaftliche Erholung „schwach, fragil und ungleichmäßig“, wie das deutsche EZB-Direktoriumsmitglied Jörg Asmussen kürzlich betonte. Sinkenden Preise auf breiter Front sehe man nicht: „Wenn wir Deflation verstehen als einen weit verbreiteten Verfall von Preisen in vielen Warengruppen und in mehreren Ländern - das sehen wir nicht“, so der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Mario Draghi. Allerdings stünde man vor einer langen Phase niedriger Inflation.