LUXEMBURG
MARCO MENG

Außerhalb Luxemburgs und der Grenzregion können viele Menschen wenig mit Luxemburg anfangen. Eine Kampagne soll das ändern

Erklärt man als Grenzgänger irgendwo außerhalb der Grenzregion jemanden, dass man in Luxemburg arbeitet, wird man verwundert angeschaut. Bezahlt man mit einer luxemburgischen Kreditkarte, so wird das mit einem verwunderten Blick quittiert. Über Luxemburg wissen viele eben nicht wirklich Bescheid: Dem Land haftet der Ruf einer „Steueroase“ an, und eine solche ist stets auch zumindest zwielichtig. Luxemburg will aus dem Zwielicht heraus. Darum auch starteten gestern das luxemburgische Wirtschaftsministerium wie das der Finanzen die Kampagne „SurprisingLux“. Die Initiative läuft über die Förderungsagenturen „Luxembourg for Business“ und „Luxembourg for Finance“.

Ziel der Initiative, die als Webseite, Broschüre und über soziale Medien verbreitet wird, ist, die Vielfältigkeit des Landes durch Erfolggeschichten von Unternehmen und im Ausland weniger bekannte Seiten der hiesigen Wirtschaft aufzuzeigen. Gerichtet ist die Promotion damit klar an das ausländische Publikum, wie gestern die Staatssekretärin im Wirtschaftsministerium, Francine Closener, erklärte. Es sei zudem ihres Wissens nach das erste Mal, dass Wirtschafts- und Finanzministerium - Realwirtschaft und Finanzbranche - sich gemeinsam präsentierten und eine gemeinsame Kampagne zur Promotion der luxemburgischen Wirtschaft starteten.

Finanzminister Pierre Gramegna meinte, das Konzept solle nicht nur zu zeigen, was Luxemburg heute ist, sondern drücke auch das Bestreben aus, bei Innovation top zu bleiben. Dabei wies er darauf hin, dass 25 Prozent der hiesigen Wirtschaftsleistung vom Finanzsektor geleistet wird. Das bedeute aber im Umkehrschluss, dass Dreiviertel des Bruttoinlandprodukts außerhalb der Finanzbranche erwirtschaftet werde.

Nach Closener spiegelt das Projekt „SurprisingLux“ die Kompetenzen Luxemburgs wider sowie die Dynamik und Offenheit des Großherzogtums. Closener wie Gramegna betonten, dass sie auf Auslandsreisen stets feststellten, dass selbst in Kreisen, in denen man es erwarten würde, das Wissen um Luxemburg und die Vielfältigkeit seiner Wirtschaft sehr beschränkt sei. „Mit SurprisingLux erfahren die Menschen etwas, was sie sonst nicht in ihren Zeitungen lesen“, erklärte Gramegna.

Tatsächlich listet die gestern vorgestellte Broschüre viele Fakten auf, die für jemanden, der sich nicht gerade intensiv mit Luxemburg beschäftigt, überraschend sein dürften. So arbeiten in Luxemburg nicht nur 700 Menschen im Weltraumsektor oder sind 227 Schiffe registriert, seit Jahrzehnten hat das Land auch eine bedeutende Autozuliefererindustrie; 71 Prozent der im Land Beschäftigten sind zudem keine Luxemburger. Nicht zuletzt ist Luxemburg auch das erste Land, das eine virtuelle „Kryptowährung“ als Zahlungsmittel zuließ. Wie Closener sagte, handelt es sich bei „SurprisingLux“ nicht um eine einmalige oder zeitlich begrenze Kampagne im herkömmlichen Sinne, sondern das Projekt werde stets aktualisiert und mit neuen Beispielen bereichert. Die Staatssekretärin äußerte darum die Hoffnung, dass sich viele heimische Unternehmen daran beteiligen werden und ihre Erfolgsgeschichte präsentieren.

Antwort auf LuxLeaks-Kampagne?

Ob die Kampagne als Antwort auf die „LuxLeaks/Rulings“-Affäre zu verstehen ist? Gramegna sagt klar nein. „Aus den Rulings ist etwas Großes gemacht worden, was sie gar nicht sind.“ Seiner Aussage nach missinterpretiert die Rulings-Geschichte die Realität. Sehe man sich die OECD-Unternehmenssteuersätze- und Abgaben an, so läge Luxemburg im oberen Drittel. Auch die Steuervereinbarungen mit Fiat, die jüngst die EU-Kommission für illegal erklärt hatte, seien das nach Analyse des Wirtschaftsministeriums keinesfalls, weswegen man auch Widerspruch einlegen wolle.

Broschüre wie Webseite der Kampagne sind seit gestern auf Englisch verfügbar, bis Ende November sollen französische, deutsche und chinesische Versionen hinzukommen.

www.surprisinglux.com