LUXEMBURG
SVEN WOHL

Luxemburg feiert im Kickersport internationale Erfolge, doch Infrastrukturen fehlen

Man sieht sie zwar mittlerweile seltener in den Cafés, doch Kickertische kennt jeder. Während die meisten zwischendurch gerne eine Runde an den Tischen spielen, um sich die Zeit zu vertreiben, nehmen andere es ein gutes Stück ernster. Wir führten ein Gespräch mit Eric Jacquot, Präsident der „Fédération de Kickersport Luxembourg“ (FKL):

Wie sieht die Geschichte des FKL aus?

Eric Jacquot Der FKL wurde 1964 in der Hauptstadt von Arbeitern gegründet. Die Organisation nannte sich ursprünglich Kickersport und hat sich über die Jahre hinweg zur Föderation entwickelt. Dazu kamen immer mehr professionelle Spieler, wie auch bei anderen Café-Sportarten wie Billard oder Dart zu beobachten war. Als in den 1980er Jahren auch eine europäische Dimension hinzukam, wurde die Sportart zunehmend ernster genommen. Daraus ergab sich auch die Anfrage, beim Comité Olympique et Sportif Luxembourgeois (COSL) als Sportart anerkannt zu werden, womit wir 1980 Erfolg hatten. Seitdem entwickeln wir uns weiter, auch um an den Meisterschaften teilnehmen zu können und sogar 2015 Weltmeister zu werden. Dazu gesellen sich die Leistungen von Yannick Correia. Das ist ein Resultat der Erfahrung, die wir gesammelt haben. In den letzten zehn Jahren erlebten wir einen regelrechten Boom. Das liegt auch daran, dass wir einiges intern verändert haben, was beispielsweise die Häufigkeit und Qualität der Trainings angeht.

Wie und wo wird trainiert?

Jacquot Wir haben keine angepassten Infrastrukturen für das Training. Deshalb werden wir uns dieses Jahr noch mit dem neuen Sportminister Dan Kersch treffen. Unsere Situation ist keine einfache: Wir wurden 2015 Weltmeister, sind aktuelle Vizemeister und in diesem Jahr stehen neue Meisterschaften an, doch wir trainieren in Garagen und Kellern. Nur ein oder zwei Mannschaften haben separate Säle, die sie nutzen können. Andere trainieren in den Cafés.

Wie sieht der gesellschaftliche Stand des Kickersports aus?

Jacquot Wir gehören leider immer noch zu den Cafésportarten. Wenn wir uns aber in Europa umsehen, so spielen die Clubs und Mannschaften in Hallen. Luxemburg ist in dieser Hinsicht das letzte Land, das dies getrennt hat. Das ist und bleibt für uns ein großes Problem.

Wie steht es um den Nachwuchs?

Jacquot Wir haben Nachwuchs, doch auch hier ergeben sich einige Probleme. Obwohl man mittlerweile in zahlreichen Schulen Kickertische findet, werden diese nicht organisatorisch genutzt. Viele Jugendliche finden übers Internet oder die sozialen Netzwerke zu uns oder werden bei Demonstrationen in Einkaufszentren auf uns aufmerksam. Wenn Jugendliche zu uns kommen und Kicker spielen möchten, dann sind wir immer etwas zurückhaltend, weil wir eben keine Infrastruktur dafür haben. In meiner Generation war das noch einfacher, weil in den Cafés immer Kickertische zu finden waren. Doch nicht nur verschwinden immer mehr Cafés, es gibt auch immer weniger Kickertische in den Cafés. Die Jugendhäuser wären da noch eine Möglichkeit, doch das dortige Personal wechselt oft, was die Angelegenheit verkompliziert.

Was sind die Ziele für dieses Jahr?

Jacquot Das Komitee und ich investieren unsere Energie in den Aufbau des Kickersports in den Schulen und eines Trainingscenters. Unsere freiwilligen Mitarbeiter kümmern sich derweil um die anstehenden Meisterschaften.

Wie sehr sind Frauen beim Kickersport mit eingebunden?

Jacquot Vor vielen Jahren wurden Frauen und Männer noch getrennt. In den 60er Jahren waren sicherlich auch mehr Männer in den Wirtschaften anzutreffen. Mittlerweile hat sich das verändert. Wir sind jetzt bei einem Verhältnis 50 – 50 angekommen. Die Meisterschaft lässt das auch zu und im Ausland ist das auch üblich. Allerdings gibt es auch eine Meisterschaft für Frauen und eine Meisterschaft für Männer. Auf hohem Niveau sind kaum spielerische Unterschiede zu erkennen.