CLAUDE KARGER

„Werden die gesellschaftlichen Reformen die Filetstücke von Gambia?“, fragte gestern voller Erwartung der „Wort“-Leitartikler. Na wir hoffen doch, dass wir auf diesem Gebiet endlich ein gutes Stück weiter kommen! Auch in Sachen Trennung von Staat und Kirche, gegen die der „Wort“-Mann wettert, als ob ihm der Generalvikar höchstpersönlich die Feder hielte. Da wird den Koalitionären tatsächlich vorgeworfen, mit ihren Aussagen zu Werteunterricht, Te Deum und Kirchenfinanzierung Gefahr zu laufen, „die Luxemburger zu spalten“. „Man sollte die neue Regierung vielleicht nochmals daran erinnern, dass sie nicht daran gemessen wird, Kirche und Staat zu trennen“, erinnert der Schreiber, der vielleicht daran erinnert werden muss, dass niemand „dem Staatschef das „Te Deum“ widerspenstig“ machen will. Aber die Wut über die Koalitionäre, die sich erdreisten, ein gemeinsames Programm zu schreiben ohne mit dem Erzbistum zu palavern, sitzt tief. Derart, dass der „Wort“-Schreiber „allègrement“ Gesellschaftspolitisches und Wirtschaftliches zu einem üblen Vorwurfs-Cocktail vermischt, der ihm am Ende selber aufzustoßen scheint. Aber bald kommt eine ruhigere Zeit. Eine Zeit der Einkehr, die Gelegenheit bietet, mal „tabula rasa“ zu machen und klare Gedanken zu fassen.