LUXEMBURG
SVEN WOHL

Artensterben ist auch in Luxemburg ein Thema

Einen perfekteren Ort hätte man nicht wählen können, um eine Pressekonferenz zur Biodiversität zu halten. Das Naturmuseum zeigt die Vielfalt der Natur Luxemburgs in all seiner Pracht. Nur war der Inhalt nicht so idyllisch, wie es Bambi und Co. um die versammelte Presse herum versprachen. Denn die Pressekonferenz, welche von über einem dutzend Experten und Lobbyisten aus dem Umweltbereich organisiert wurde, setzte das Artensterben in den Mittelpunkt. Dies ist kein Problem, das weit weg ist: In Luxemburg ist die Artenvielfalt ebenfalls stark bedroht. Allein das Bewusstsein fehle, so der Tenor auf der Pressekonferenz.

Luxemburg keine Ausnahme

„Wir werden weder verschont, noch sind wir unschuldig“, so der Leitsatz von Jacques Pir vom „Mouvement écologique“. Von den 1.300 Arten, die im Großherzogtum vorzufinden waren, seien mittlerweile über hundert ausgestorben. Zwar würde man diese teilweise noch bei den Nachbarländern finden, doch es läge immer noch in unserer Verantwortung, die Arten zu schützen. Guy Colling vom Naturmuseum betonte, dass man es in Luxemburg oft mit sehr kleinen Gebieten, wo diese Arten vor zu finden seien, zu tun habe. Dies trägt oft zu einer Beschleunigung des Artensterbens bei, wären kleine Gruppen von Tieren anfälliger für Inzest.

Tiere - allen voran Insekten - sind jedoch nicht die einzigen Betroffenen des Artensterbens in Luxemburg. Pflanzenarten sind genau so bedroht. Dass im System der Natur schnell eine Kettenreaktion entstehen kann, wird klar, wenn man bedenkt, dass „mehr als 75 Prozent aller für die menschliche Ernährung genutzten Pflanzen auf Insektenbestäubung angewiesen“ sind. Mit dem Artensterben entzieht sich der Mensch also selbst die Existenzgrundlage.

Die beteiligten Organisationen beriefen sich unter anderem auf den UN-Bericht, laut dem über eine Million Arten vom Aussterben bedroht sei. Dieser sei an der luxemburgischen Gesellschaft ohne große Wirkung vorbei gezogen, wurde festgestellt. Vor allem an der Politik scheint er spurlos vorbei gegangen zu sein

Politik inder Verpflichtung

Vor allem die sehen die Vertreter der Organisationen in der Pflicht.

Zwar könne jeder seinen Teil dazu beitragen, die Umwelt und die Artenvielfalt zu schützen, doch vor allem ein politisches und systematisches Umdenken sei hier notwendig.

Konkret ginge es in erster Hinsicht darum, Bewusstsein zu schaffen. Darauf hin müssten politische Ziele definiert werden und Entscheidungsprozesse reformiert werden. „In allen internationalen und europäischen Verträgen, Richtlinien und Fördermitteln muss dem Erhalt der Biodiversität eine absolute Priorität eingeräumt werden!“, ist in der Pressemitteilung zu lesen. Hier müsste sich vor allem in der Landnutzung einiges tun, um der Biodiversität eine Chance einräumen zu können.

Letztlich müsste vor allem ein konkretes und fundamentales Umdenken stattfinden - sowohl in Luxemburg, als auch weltweit. Die Wachstumslogik müsste zugunsten eines Konzeptes des Wohlbefindens und der nachhaltigen Entwicklung weichen.

„Dies bedingt eine grundsätzliche Neuorientierung des Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells“, so die Mitteilung. Dabei müssten unter anderem umweltbelastende Subventionen, etwa im Agrarbereich, gestrichen werden, die Globalisierung einem gerechten Welthandel weichten und industrielle Fischerei verboten werden.

Der aktuelle Landverbrauch von 175 bis 250 Hektar im Jahr müsse zudem eingedämmt werden und zehn Prozent der öffentlichen Waldfläche als Naturwaldreservat ausgewiesen werden.