LUXEMBURG
DR. CLAUDE BRAUN

Kommende Woche findet der Weltnierentag statt. Seit 2006 soll dieser Tag das Bewusstsein für Nierenkrankheiten schärfen. Hierzu Prof. Dr. Claude Braun, Nephrologe im Hôpital Kirchberg sowie Präsident von „Luxembourg-Transplant“.

„Es gibt eine Vielzahl an Nierenkrankheiten, zu den häufigsten zählen jedoch die durch Diabetes und Bluthochdruck verursachten Erkrankungen. Diese machen rund zwei Drittel aller Nierenkrankheiten aus. Darüber hinaus gibt es aber auch genetisch bedingte Krankheiten, Autoimmunkrankheiten sowie eine ganze Reihe, von denen wir die genauen Ursachen bislang noch nicht kennen. Wir gehen aufgrund mehrerer großer Studien in Europa davon aus, dass rund acht bis zehn Prozent der luxemburgischen Bevölkerung von einer Nierenerkrankung betroffen sind. Oft wird die Krankheit nicht zu einer Einschränkung der Lebensqualität oder der Lebensdauer führen. Das bedeutet jedoch auch, dass sehr viele nicht wissen, dass sie erkrankt sind. Denn in aller Regel spüren die Betroffenen nichts, es zeigen sich keine Symptome. Diese treten erst dann auf und werden erkannt, wenn die Krankheit sich in einem fortgeschrittenen Stadium befindet. Dann kann man oft nicht mehr viel tun, um das Fortschreiten der Erkrankung zu verhindern.

Glücklicherweise wird der ganz große Teil der Medikamente und Behandlungen von Erkrankten durch die Gesundheitskasse übernommen. Patienten mit  Diabetes und Bluthochdruck sind Risikopatienten, diesen beiden Erkrankungen kann man heutzutage mit wirksamen Medikamenten begegnen. Wenn jedoch der Punkt erreicht ist, dass eine Behandlung mit Dialyse benötigt wird oder eine Transplantation erforderlich wird, ist dies für die Betroffenen sehr einschneidend. Vor allem, wenn sie noch berufstätig sind oder sogar noch jung sind und studieren beziehungsweise zur Schule gehen – solche Fälle gibt es auch. Für sie bricht ihre ganze Welt zusammen. Dann brauchen sie nicht nur den Arzt, sondern unter anderem auch einen Psychologen oder einen Diätberater. Hier müssen interdisziplinäre Strukturen von den Krankenhäusern geschaffen werden, um die Patienten entsprechend zu versorgen. In der Logik von Krankenkassen sind solche Konzepte und Kostenübernahmen noch nicht vorgesehen, da diese Behandlung in der Regel ambulant und nicht stationär ist. Hier muss dringend eine Verbesserung des medizinischen Angebotes erreicht werden. Das wollen wir im Rahmen des Weltnierentags auch thematisieren.

Im Rahmen von Transplantationen gibt es punktuell auch noch Verbesserungspotenzial. Seit 2009 werden in Luxemburg keine Transplantationen mehr durchgeführt. Dazu arbeiten wir mit spezialisierten Zentren im Ausland, wie in Brüssel, Nancy und Heidelberg zusammen. Diese Zusammenarbeit wollen wir im Sinne unserer Patienten weiter verbessern. Wer in einem von diesen Zentren ein Spenderorgan erhalten hat, der erhält auch seine regelmäßigen Kontrollen dort, da diese gesetzlich ihrer Verantwortung gerecht werden müssen. Die Anreise kann sich bei Personen, die selber nicht mehr fahren können oder wollen, schwer gestalten und mit hohen Kosten verbunden sein. Diese werden aktuell nur bis zu einem gewissen Punkt von der Gesundheitskasse übernommen. Auch hier wäre ein Entgegenkommen zu wünschen. Außerdem wollen wir durch das Schaffen einer Nierenstiftung in Luxemburg, wie es sie etwa schon in Deutschland gibt, die Forschung im Bereich der Nierenerkrankungen stärker unterstützen. Denn diese wird aktuell weltweit noch recht stiefmütterlich behandelt, unter anderem, da diese Krankheiten sehr heterogen sind.“