LUXEMBURG
SVEN WOHL

Mit virtuellen Tagen der offenen Tür stellen sich die Lyzeen den Schülern vor, doch es gibt Grenzen

Sie sind normalerweise Bestandteil einer jeden schulischen Orientierungsphase: Die Besichtigung von Lyzeen. Für die jungen Schüler ist dies immer ein ganz besonderer Moment, der mit vielen, teils widersprüchlichen Emotionen und noch mehr Fragen behaftet ist. Passt diese Schule zu mir? Kann ich mir vorstellen, hier Jahre meines Lebens zu verbringen, zu lernen und die Weichen für meine Zukunft zu stellen? In dieser Hinsicht versucht sich dann jedes Lyzeum von seiner Schokoladenseite zu zeigen.

Multimediale Schaufenster

Dieses Jahr gestaltet sich dies wesentlich komplizierter als zuvor. Massenveranstaltungen sind aufgrund der Pandemie bis auf Weiteres unmöglich. Damit fallen auch die klassischen Tage der offenen Tür aus. Zahlreiche Lyzeen satteln deshalb um: „Digitalisierung“ ist hier das Stichwort. Videos, dreidimensionale Führungen und Webinare werden online gesetzt, um so zumindest auf digitalem Wege den interessierten Schülern und Eltern zu vermitteln, inwiefern ein Etablissement besonders ist. Nicht zu vergessen sind da die zahlreichen sozialen Medien, die zusätzlich mit Material gespeist werden wollen.

Über viele positive Rückmeldungen freut man sich etwa beim klassischen Lyzeum in Echternach. Jedoch ist Direktor Henri Trauffler sich hier im Klaren darüber, dass es schwierig ist, die klassische „Porte Ouverte“ mit dem digitalen Ersatz zu vergleichen. Der direkte Kontakt mit Schülern und Eltern fehle und doch wolle man auch in Zukunft komplementär auf dieses digitale Angebot setzen. Der Direktor zeigte sich indes gewiss, dass durch die Corona-Krise eine neue Zeit eingeläutet sei, was die Digitalisierung betreffe.

Nadine Rassel, beigeordnete Direktorin des „Lycée Technique d’Ettelbruck“ (LTEtt), sieht dies ähnlich. Auch wenn man die Möglichkeit habe, nachmittags oder abends eine Familie zu empfangen, um sich das Gebäude anzuschauen und sich beraten zu lassen, so fehle doch das Gefühl der typischen lebendigen „Porte Ouverte“. Immerhin biete man im LTEtt Termine an, wo die Schüler und Eltern das Gebäude besichtigen und sich individuell beraten lassen könnten. „Virtuell besteht eine gewisse Hemmschwelle“, erzählte sie im Gespräch. Wenn es darum gehe, Fragen zu stellen, würden sich die Interessierten schon eher zurückhalten als im persönlichen Gespräch. Dabei stehe für sie außer Frage: „Man muss sich wohlfühlen in einer Schule.“ Das sei digital jedoch schwieriger zu vermitteln. Dass man hingegen auch in Zukunft stärker auf visuelles Material setze, sei für sie klar, schließlich käme das den Mediengewohnheiten der jüngeren Generation entgegen.

Nicht für jeden gleich umsetzbar

Jean-Claude Hemmer, Direktor des „Lycée Michel Rodange“ (LMRL), hat den Eindruck, dass es schwierig sei, einzuschätzen, was die Eindrücke der Leute sind. Zwar hätte man sich bemüht, einen möglichst kompletten Eindruck des Gebäudes digital mit Hilfe von Filmen und Scans zu vermitteln, doch all dies hätte seine Grenzen. Genau so wie die Wiederverwendbarkeit dieses Materials: Da das Lyzeum voraussichtlich kommendes Jahr ein neues Gebäude beziehen wird, wird dieses schnell veraltet wirken.

Neben Videomaterial setzt die „Ecole Privée Marie-Consolatrice“ (EPMC) auch auf Webinare. Dabei handelt es sich um Videokonferenzen, die in mehreren Sprachen angeboten werden und wo die Teilnehmer auch Fragen stellen können. Als kleine Privatschule hätte man auch weniger Mittel als andere Schulen, weiß Direktor Serge Lucas zu berichten. „Für uns ist es wichtig, dass die Leute von uns erfahren“, erklärte er, mit Verweis auf die weniger große Bekanntheit der EPMC. Auch er weiß, dass das Digitale das Physische nicht vollkommen ersetzen kann: „Es ist sicherlich nicht das Gleiche, wie wenn man mit den Menschen sprechen kann.“ Doch mit Videos, den genannten Webinaren und einer Vergünstigung der Aufnahmegebühren (von 360 Euro auf 240 Euro) möchte man Schülern wie Eltern in dieser schwierigen Zeit entgegen kommen.

Die Liste mit den „Portes Ouvertes“: tinyurl.com/PortesOuvertesEcoles