LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Intersyndicale und Bildungsminister finden Kompromiss - Lehrerkomitees bleiben stur

Der Optimismus von Bildungsminister Claude Meisch, den Streit mit den Lehrergewerkschaften noch vor Monatsende beizulegen und eine Einigung zu finden, hat sich bestätigt: Während der Mediation am Mittwoch - in allerletzter Minute demnach - kam es zum Durchbruch. Ein dreiseitiger Kompromisstext wurde einstimmig von allen Verhandlungspartnern angenommen. Eine mögliche Streikaktion im Herbst ist somit vom Tisch.

Derweil die Vertreter der Féduse sofort im Namen ihrer Gewerkschaft grünes Licht erteilten, hielten die Delegierten der Apess und des SEW gestern Nachmittag noch Rücksprache mit ihren Vorständen. Am frühen Abend kam die Bestätigung: In Anwesenheit von Mediator Albert Rodesch wird das Abkommen heute Morgen von Bildungsminister Meisch und den Vertretern der drei Lehrergewerkschaften Daniel Reding (Apess), Camille Weyrich (Féduse/CGFP) und Jules Barthel (SEW/OGBL) unterzeichnet, dies obwohl sich das Koordinationsbüro der Lehrerkomitees weiterhin querstellt.

Radio 100,7 lag das dreiseitige Dokument bereits gestern Morgen vor. Einigkeit gab es erwartungsgemäß, was die Abschaffung der zweifachen Verbesserung der Prüfungen während des Abiturjahres anbelangt. Der Verzicht auf die Dreifachkorrektur bei den Abschlussexamen wurde als mögliche weitere Piste zurückbehalten. Im Gegenzug wird die Unterrichtszeit auf den Abschlussklassen um eine bis zwei Wochen verlängert. Falls dies nicht möglich ist, wird ab der Rentrée 2016/2017 ein „coefficient correcteur“ für die Unterrichtsstunden, die in den Examensfächern geleistet werden, eingeführt. Dieser Koeffizient wird aber in keinem Fall unter den Wert 1 fallen, heißt es in dem Text. In den Fächern, die nicht in den Abschlussprüfungen geprüft werden, wird ebenfalls ein „coefficient correcteur“ eingeführt, was bedeutet, dass der Stundenlohn künftig während der Examenszeit anders berechnet wird.

Neue Entschädigungsmodalitäten während der Abschlussexamen

Die Arbeiten rund um die Abschlussexamen und das „Projet intégré final“ (PIF) werden unter festgelegten Modalitäten in die Lehrertâche integriert, demnach nicht mehr wie bislang zusätzlich bezahlt: Die 25 ersten Kopien der schriftlichen Prüfung werden nicht entschädigt; die „Surveillance“ während der Examen, Zusatztests und Nachexamen wird vom für das Fach zuständigen Lehrer ohne zusätzliche Entlohnung geleistet; die Entschädigung des Kommissionssekretariats entfällt; das Basisgehalt der Kommissionsmitglieder, der Direktionen und der Kommissare wird um 50 Prozent heruntergesetzt; die Entlohnung der Arbeiten für die zweite Session wird gestrichen.

Einverstanden erklärte sich die Intersyndicale auch mit einem Ausbau der obligatorischen Weiterbildungen: Waren bislang mindestens acht Stunden pro Jahr vorgesehen, so sollen es künftig über einen Zeitraum von drei Jahren 48 Stunden außerhalb des regulären Unterrichts sein.
Weitere Pisten noch auf dem Prüfstand
Auf Zustimmung stieß auch die Reorganisation der „Surveillance“-Stunden, die prioritär von Erziehern übernommen werden sollen, zunächst ab dem Schuljahr 2016/2017 als Pilotprojekt in einigen Lyzeen. Ab der kommenden Rentrée wird eine Arbeitsgruppe analysieren, inwiefern die aktuellen Modalitäten des „coefficient correcteur“ - und somit die Bezahlung der Lehrer - während der „Stage“-Zeit in der Berufsausbildung überdacht werden können. Ein permanentes Komitee, das sich aus Vertretern des Ministeriums sowie der Lehrergewerkschaften zusammensetzt, wird indes gegründet, um die ausgehandelten Maßnahmen zu begleiten und weiterzuverfolgen. Alle anderen Dispositionen, die während der vergangenen Monate im Raum standen, sind nicht von Änderungen betroffen. An der Altersentlastung ändert sich somit vorerst nichts.

Sture Haltung vom Koordinationsbüro der Lehrerkomitees

Nicht zufrieden ist derweil das Koordinationsbüro der Lehrerkomitees, das noch in der Nacht auf Donnerstag eine Pressemitteilung verschickte. Minister Meisch hätte es geschafft, der Intersyndicale hinter dem Rücken der Lehrerschaft - und indem er Druck ausgeübt und Drohungen ausgesprochen hätte - ein Abkommen abzuringen. Über 93 Prozent der Sekundarlehrer hätten sich gegen das Sparpaket ausgesprochen, wurde in Erinnerung gerufen. Da man sich stets gegen eine Veränderung der Lehrertâche ausgesprochen hatte, sei eine Modulation des „coefficient correcteur“ beispielsweise indiskutabel. Diese „politique du fait accompli“ werde man nicht tolerieren.

Lehrersyndikate gegen Lehrerkomitees

Ein Abkommen sei nicht unterschriftsreif, bevor die Lehrerschaft darüber informiert worden sei und ihre Zustimmung gegeben hätte, heißt es klipp und klar in der Pressemitteilung. Daniel Reding, Präsident der Apess, hatte sich gestern gegenüber RTL Radio wenig erfreut über besagten Brief gezeigt und klargestellt, dass „in einer partizipativen Demokratie“ Gewerkschaften gewählt würden, um zu verhandeln. Und genau das habe man getan. Auch dem Präsidenten der Féduse, Camille Weyrich, geht diese sture Haltung zu weit. Es sei darum gegangen, einen Kompromiss zu finden. Anzunehmen, dass eine Partei komplett Recht bekommen würde, wäre „topeg“, sagte er auf gleicher Antenne. Gewerkschaften und Minister hätten dies eingesehen. Gleiches verlangt er vom Koordinationsbüro der Lehrerkomitees. Einen besseren Kompromiss würde man nicht finden, gab Weyrich zu bedenken.

Ähnlich äußerte sich das SEW in einer mit „Un «Oui» avec d’importantes réserves“ überschriebenen Mitteilung. Das nun vorliegende Ergebnis sei deutlich besser als die anfangs angedachten Maßnahmen des Bildungsministeriums. Das System der Altersentlastungen bleibe bestehen und der „coefficient correcteur“ sei nur geringfügig angepasst worden.

Wie erwähnt wird das Abkommen heute Morgen unterzeichnet. Es bleibt abzuwarten, wie die Basis nun darauf reagiert.