ESCH-ALZETTE
CORDELIA CHATON

Konferenz wirft Licht auf die Bedeutung des Bereiches Gesundheitstechnologie

Vor zehn Jahren fand in Luxemburg die erste Konferenz zu personalisierter Medizin statt. Gestern gab es wieder eine Konferenz unter dem Titel „Health Technologies @ Luxembourg“, die als Wendepunkt verstanden werden soll. Damals wie heute ist das Wirtschaftsministerium verantwortlich für das Thema. Auf der Konferenz gestern im Escher „House of BioHealth“ betonte denn auch Françoise Liners, die den Bereich Technologie und Gesundheit im Wirtschaftsministerium leitet: „Es gilt nicht mehr eine Einheitsgröße für alle, sondern die individualistische Prävention“. Dem Publikum wurden sechs von insgesamt 131 Unternehmen vorgestellt, die den Sektor derzeit ausmachen. Dazu gab es eine Menge Zahlen, die teils von Jean-Paul Hengen, dem Manager des Clusters ICT bei Luxinnovation, kommentiert wurden.

Der Sektor in Zahlen

Von denn 131 Unternehmen der „Health Technology“ werden 46 Prozent dem Bereich Diagnose und medizinische Hilfsmittel zugerechnet, 31 Prozent dem Bereich Bio-Pharma und 23 Prozent anderen Technologien. Im Wirtschaftsministerium geht man davon aus, dass 2016 rund 1.600 Mitarbeiter im Bereich Gesundheitstechnologie angestellt waren, von denen rund 80 Prozent in Unternehmen mit weniger als zehn Mitarbeitern tätig sind. Bemerkenswerterweise befinden sich 58 Prozent der Unternehmen außerhalb von Luxemburg-Stadt, woran nicht zuletzt die wachsende Struktur des „House of BioHealth“ ihren Anteil haben dürfte. Es ist ein sehr junger Bereich, denn die Hälfte der Unternehmen gab es vor rund acht Jahren noch gar nicht. Bislang stehen sie für 0,38 Prozent des Bruttoinlandsprodukts und repräsentieren gut 175 Millionen Euro an Mehrwert, so die Zahlen für das Jahr 2016. Aufgrund ihrer Bedeutung hat die Innovationsagentur Luxinnovation ein eigenes Cluster namens „BioHealth“ gegründet, das von Jean-Philippe Arie geleitet wird.

Beispiele für Unternehmen der Gesundheitstechnologie

Vor den rund 120 Gästen stellten Vertreter der jeweiligen Unternehmen dann vor, was sie eigentlich machen. Zu den erfolgreichsten gehört sicher „Fast Track Diagnostics“, das sich seit seiner Gründung im Jahr 2006als einer der weltweit führenden Anbieter von Echtzeit-PCR-Multiplexing-Kits etabliert hat, die alle wichtigen Infektionskrankheiten wie Atemwegsinfektionen, Gastroenteritis, Meningitis, Fieber und Ausschlaginfektionen abdecken. Heute exportiert das Unternehmen 70 verschiedene Kits, mit denen klinische Proben auf Viren, Bakterien, Pilze oder Parasiten getestet werden können. Längst hat Siemens das Unternehmen aufgekauft, das jetzt rund 120 Mitarbeiter beschäftigt und über viele Partnerschaften verfügt. Im Bereich Datenmanagement will es noch wachsen, wie General Manager Dr. Miriam Steiner betonte, ebenso bei Robotics und Kühltechnologien.

Auf Erfolge kann auch AI Mediq blicken, das mit ReOxy ein neues medizinisches Gerät für die Atemtherapie entwickelt hat, das Patienten mit individuell dosierten Mengen an sauerstoffreduzierten - so genannten hypoxischen - Gasgemischen behandelt, um Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen zu behandeln. Techcyte wiederum hat KI-gestützte digitale Diagnosetests entwickelt, um Pathologen bei einem effizienteren Diagnoseprozess zu unterstützen. „Die Resultate werden mit der Zeit durch den Lernprozess der Maschinen immer besser“, versichert Troy Bankhead, der für das europäische Geschäft verantwortlich ist. „Damit sind die Resultate schneller, kostengünstiger und sicherer.“ B Medical Systems entwickelt seit über 35 Jahren Technologien und bietet insbesondere Produkte aus dem Kühlbereich für Aufbewahrung oder Transport in der Medizin an, aber auch Lösungen für Blutprodukte-Management oder Impfprozesse. ITTM dagegen ist ein Spin-off-Unternehmen des „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) der Universität Luxemburg und wurde gegründet, um die wachsende Nachfrage im Bereich der transnationalen medizinischen Forschung zu decken. Es ist ein Datenspezialist. Arspectra wiederum bietet Chirurgen-Brillen mit „Augemented Reality“.

Luxinnovation wird im März eine Konferenz zum Thema ICT und Health veranstalten, bei der es mehr zu erfahren gibt. „Wir unterstützen den Sektor seit zehn Jahren und haben auch ein neues Hilfs-Programm, das im August ausgeschrieben wird“, erklärte Sasha Baillie, CEO von Luxinnovation.