Im so genannten „Brasilien-Mord“ wurden die zwei Ermittler vier Tage vom Vorsitzenden Richter Prosper Klein über das Ergebnis ihrer Untersuchung befragt. Und da kam einiges zu Tage.
Für das Gericht ist es wichtig zu erfahren, welche „Vitae“ die beiden Angeklagten haben. Wie sich die mutmaßlichen Täter vor der Tat verhalten, wie sie ihr Opfer geködert haben könnten und welche Fehler die späteren Angeklagten und deren Helfershelfer gemacht haben. Für den Vorwurf des Auftragsmord am 71-jährigen Immobilienhändler Henri Z. müssen sich derzeit dessen 62-jährige Ehefrau Brigitte D. und die 54-jährige Tania M. vor Gericht verantworten. Henri Z. wurde in Porto/Seguro mit fünf Kopfschüssen getötet. Beide Frauen leugnen die Tat.
Trotz des Verdachts konnte die Polizei Brigitte D. und Tania M. nie etwas konkret nachweisen, schon gar nicht einen direkten „eiskalten“ Mord. Es gibt keine Beweise für ihre Schuld, nur Indizien. Die Richter ihrerseits müssen die objektive Wahrheit finden, in dem sie die, von den Ermittlern in der Hauptverhandlung vorgetragenen, Indizien bewerten. Acht Tage wurde bereits verhandelt. Zu welchem Schluss das Gericht kommen wird, ist offen.
Interessant aber fragwürdig
Als ein sehr spannendes Thema haben die Zuhörer im Saal den Wortbeitrag des Ermittlers H. am Donnerstag gewertet. Im November 2012 soll eine Mitgefangene von Tania M. vor dem Untersuchungsrichter ausgeplaudert haben, was sie im Gefängnis über Tania M. erfahren haben will. Die Zeugin hatte nach ihrer Aussage klar gemacht, dass sie von diesem Moment an mit der Angeklagten nichts mehr zu tun haben wollte
Es geht in erster Linie um zwei Briefe an die Schwester. Die soll sie für Tania M. heimlich aus dem Gefängnis geschleust haben. Ebenso geht es um Telefonate nach Brasilien. Streitpunkt in den Briefen sei dabei immer wieder Geld gewesen.
Der Sohn als Pfand?
Da geht es aber auch um handfeste Fakten. Tanias Sohn Diego wäre in den Händen von „Killern“, die ihr Geld haben wollten. Dann geht die Rede von Brigitte D.. Laut der ehemaligen Mitgefangenen, sollte Brigitte D. die Bankkonten freischalten um Zugriff auf das Geld von Henri Z. zu bekommen. Dann könnte sie Tania M. das versprochene Geld leihen. Das Geld brauche Tania dringend um „irgendwelche Männer“ zu bezahlen.
Die 54-jährige Tania M. habe im Gefängnis die Taten eingeräumt. Die Brasilienreise wäre geplant worden um das Opfer in eine Falle zu locken. Das alles hätte Tania ihr anvertraut. Sie sei schuldig. Sie hätte alles arrangiert.
Von Tania hätte sie die Adresse und die Telefonnummer Diegos bekommen.
Offenbar wuchs Tanias Angst, von den Behörden abgehört zu werden. Darum sollte sie Diego über die ahnungslose Schwiegermutter in Brasilien kontaktieren.
Und da fielen Sätze die zu bedenken geben „Le maudit téléphone que Diego a donné“; „Tania parle à son fils par codes“ und „Je voudrais bien que Z. meurt d’une crise cardiaque. Que le sang repasse par sa gorge“ oder „N’oubliez pas à payer les hommes“
Doch das Gericht ist diesen Aussagen gegenüber sehr skeptisch.
Für den Vorsitzenden Richter Prosper Klein machen die Aussagen inklusive der Briefe etwas sehr deutlich: „Es ist kaum zu unterscheiden, was hier Wahrheit und Lüge ist“.
Der Prozess wird am Montag im Saal 1.10 fortgesetzt. Beginn der Verhandlung: 15.00


