LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die BIL kürte zum 10. Mal die „Business Woman of the year 2019“

Alexandra Fernandes-Ramos lobte die fünf Frauen. Die Mitgründerin Von Travelsify hatte gut reden: Immerhin war sie schon 2017 zur „Business Woman of the year“ gekürt worden. Die fünf Unternehmerinnen, an die sie sich wendete, waren Aspirantinnen auf den Titel der „Business Woman 2019“, der gestern Abend in den Räumen der „Banque Internationale à Luxembourg“ (BIL) von letzterer vergeben wurde. Die Gewinnerin heißt Stéphanie Jauquet und hat Cocottes gegründet. Sie kann sich über ein Preisgeld von 10.000 Euro und mediale Aufmerksamkeit freuen.

Bis die Siegerin feststand, verlief die zehnte Auflage der Auszeichnung allerdings spannend, denn alle mussten sich bei einem Pitching der Jury, bestehend aus Partnern von Technoport, Jonk Entrepreneuren, Paul Wurth Incub, Schiltz & Schiltz, Equilibre und Wide sowie leitenden Mitgliedern der Bank vorstellen. Zuvor hatte die Personal- und Kommunikations-Chefin der BIL, Karin Scholtes, sie willkommen geheißen. Durch den Abend führte Genna Elwin, Mitgründerin von Tadaweb. Als Überraschungsgast erschien BIL-Verwaltungsrats-Chef Luc Frieden, dem das Thema Frauenförderung ein persönliches Anliegen ist, wie er sagte. Wir stellen die fünf Finalistinnen hier kurz vor.

Food4all gegenLebensmittelverschwendung

Ilana Devillers hat gemeinsam mit der gestern abwesenden Xénia Ashby „Food4All“ gegründet, eine Plattform, die helfen soll, Geld zu sparen und Gutes zu tun, indem Lebensmittel kurz vor dem Verfallsdatum von Supermärkten günstiger angeboten und Nutzer via App darüber informiert werden. Die Gründerinnen haben sich an der Universität Luxemburg kennengelernt. Devillers hat dort ihren „Master of Entrepreneurship and Innovation“ erhalten. Die Idee kam den beiden 2015, als sie im Ausland merkten, dass viele Studenten aus Not containern, also Container auf essbare Lebensmittel durchsuchen. Sie sprachen mit Supermärkten, gewannen Partner wie Delhaize oder das Pall Center und einigten sich mit diesen auf spezielle Regale, in denen die Produkte bis zu 50 Prozent preiswerter angeboten werden. Über den Inhalt informiert eine App, Video-Rezepte gibt es dazu. Das Konzept, das seit Herbst 2018 funktioniert, wird auch in Belgien umgesetzt werden, wo schon 900 Supermärkte mitmachen wollen. Hier sorgen 600 Nutzer und 3.500 FB-Follower für schwarze Zahlen und Zusagen weiterer Supermärkte zur Freude des sechsköpfigen Teams.

Essen an vielen Orten: Cocottes

Stéphanie Jauquet hat nicht nur „Cocottes“ gegründet, einen Traiteur-Service mit acht aktuellen sowie drei geplanten Standorten in Luxemburg. Die Belgierin, die seit über 20 Jahren in Luxemburg lebt, startete 2008 mit einem Restaurant, bevor die Brasserie „A table“ auf der Cloche d’Or folgte und schließlich 2015 „Cocottes“. Eigentlich kam die 47-Jährige auf die Idee, weil in der großen Küche der Brasserie noch Platz war. Doch der Erfolg führte zu weiteren „Cocottes“. Mittlerweile hat sie auch das Restaurant „Tempo“ der Philharmonie übernommen. Sie beschäftigt 140 Mitarbeiter rund um die Uhr, die 3.000 Kunden täglich bedienen. 2017 betrug der Gewinn 15 Prozent des Umsatzes, was ihr den Bau einer Großküche an der belgischen Grenze bei Grass ermöglicht. In diesem Jahr will sie 15 Millionen Euro umsetzen und 50 neue Mitarbeiter einstellen, im kommenden Richtung Frankreich und Belgien expandieren.

Ein Roboter für Autisten

Dr. Aida Nazarikhorram hat LuxAI gemeinsam mit ihrem Mann, dem Arzt Dr. Pouyan Ziafati gegründet, um einen Roboter namens QTrobot zu schaffen, der autistischen Kindern beim Kontakt mit der Außenwelt hilft. Das geschieht über Spiele und Geschichten sowie eine einfache Mimik. Der Roboter, der auf Französisch, Englisch, Deutsch und Spanisch kommunizieren kann, eignet sich auch für den Einsatz im Umgang mit Down-Syndrom-Kindern oder Senioren. Er wird in Luxemburg konzipiert und vermietet oder verkauft. Auf die Idee kam die Ärztin aus dem Iran durch ihre Arbeit. LuxAI war eines von 16 Luxemburger Start-ups, die auf der CES in Las Vegas präsent waren. Bislang wurden 40 Roboter verkauft, für 250 liegen Anfragen vor. Das Marktpotenzial bewertet sie als sehr positiv.

Tipps zum Ausgehen

Elfy Pins, Gründerin von Supermiro, hatte schon viele Hüte auf. Unter anderem war sie Lehrerin, bevor sie via Paris, New York und Mailand nach Luxemburg kam - und Ausgehtipps suchte. So kam die Idee zu „Supermiro“, einer Seite, die mittlerweile nicht nur in Luxemburg Tipps für Restaurants, Events, Filme oder Sport je nach Gemüts- und Wetterlage mit Hilfe eines Algorithmus liefert. Auch Frankreich und Belgien deckt sie im Grenzgängerbereich plus Brüssel mit ihrem mittlerweile zehnköpfigen Team ab. Pins, die Grafikdesign und Kunst studiert hat, ist seit drei Jahren Unternehmerin. Mittlerweile hat Supermiro über 80.000 Nutzer und kündigt mehr als 4.000 Events monatlich an. Gerade hat Pins 800.000 Euro für neue Projekte von Investoren erhalten. Das soll Supemiro ausbauen helfen, das es bislang auf Französisch, Englisch und Niederländisch gibt.

Zum Springen schön: Jumpbox

Auch Karine Vallière, Gründerin von Jumpbox, wollte nach 13 Jahren in der britischen Finanzindustrie nach dem Umzug hierher Lehrerin bleiben, bevor sie der Besuch eines Trampolinparks auf die Idee mit „Jumpbox“ brachte. Seit April 2017 heißt sie im Industriepark von Contern zusammen mit 17 Mitarbeitern Geburtstagsgesellschaften, Teambuilding Events, Kindergartenkinder oder einfach Springfreudige willkommen. Neben Volley- und Basketball-Körben gibt es auch Fitnesskurse - und natürlich rutschfeste, grüne Socken. Ihre gesamten Ersparnisse flossen in das Projekt, das auch gesundes Essen wie Obst-Igel und Smoothies umfasst. Im zweiten Jahr hat sie 38.000 Kunden, setzt auf Ökodesign und Sicherheit.