COLETTE MART

Die Resultate der amerikanischen „Midterms“, bei denen mehr Frauen als je zuvor in den amerikanischen Kongress gewählt wurden, und auch die ethnische Diversität, die Amerika positiv auszeichnet, endlich ihren Niederschlag in den ersten Reihen der Politik findet, erinnern an den weltberühmten Ausspruch, der Galileo Galilei nachgesagt wird, als er der Inquisition trotzte. Galilei war seiner Zeit voraus und die Inquisition hatte zurückgeschlagen. Laut dem „Center for American Women and Politics“ kandidierten 428 Demokratinnen und 63 Republikanerinnen für den Kongress, und 210 Demokratinnen und 63 Republikanerinnen standen schlussendlich in der ersten Reihe zur Wahl. Es wurde ebenfalls herausgefunden, dass Frauen mehr als 300 Millionen Dollar für demokratische Kandidaten gespendet hatten, während die Republikaner nur 90 Millionen erhielten. Mindestens 112 Frauen werden im Kongress sitzen, bisher waren es 107.

Zu den demokratischen Gewinnerinnen gehören die erste Afroamerikanerin, eine muslimische Somalierin, die aus ihrem Land flüchtete, und eine zweite Muslimin palästinensischer Abstammung. Die jüngste Abgeordnete hat puertorikanische Wurzeln und wuchs in der Bronx auf, und es wurden ebenfalls Frauen indianischer Abstammung gewählt. In der Presse wird auch erwähnt, dass erstmals eine lesbische Frau und auch ein homosexueller Gouverneur im Kongress vertreten sind. Zwar sollten Religion und sexuelle Orientierung bei einer politischen Wahl unbedeutend sein, sie sind es aber nicht, und die Tatsache, dass sich unkonventionelle Profile in den „Midterms“ durchgesetzt haben, weckt Hoffnung, dass die Diversität in der amerikanischen Gesellschaft als positiver Faktor wahrgenommen wird, und dass Diskriminierungen zur Sprache kommen und bekämpft werden.

Die Diversität und die reelle Fortschrittlichkeit vieler Milieus in Amerika hat also dem frauenfeindlichen Diskurs von Donald Trump die Stirn geboten. Die Frauen schlugen zurück, sie spendeten, setzten Donald Trumps Welt etwas entgegen und weckten Hoffnungen in der ganzen Welt. Wahlen sind eine Chance, etwas zu bewegen und zu verändern, der gesellschaftlichen Diversität mehr Platz einzuräumen und die Gleichberechtigung aller Menschen, also auch ethnischer Minderheiten, Zugewanderter, Frauen, Homosexueller zu promovieren und so der Humanisierung der Gesellschaft etwas näher zu kommen.

Die „Midterms“ erlauben demnach einen Rückblick auf die Luxemburger Wahlen vom 14. Oktober und eine Analyse der Diversität in der Luxemburger Politik. Positiv wäre hervorzuheben, dass mittlerweile zumindest im Süden des Landes die Kinder von Einwanderern in den ersten Reihen der Politik fungieren und einige italienische Namen tragen. Mit Corinne Cahen, Sam Tanson, Carole Dieschbourg, Taina Bofferding und Tess Burton werden voraussichtlich fünf jüngere Frauen in der Regierung sitzen. Allerdings werden die Frauen damit nicht einmal einen Drittel der Regierungsplätze einnehmen, und es fällt auf, dass zwar mehrere Männer über 50 Minister werden, aber keine einzige Frau dieser Generation. Wir können also von den „Midterms“ lernen, dass man in Sachen Diversität noch ein bisschen weiterkommen kann.