Dass die Welt sich immer schneller dreht, ist zwar eine Binsenwahrheit, doch führt man sich die Ereignisse der letzten Tage und Wochen vor Augen, dann kann man diese allgemein bekannte Tatsache zumindest hierzulande nur bestätigen. Erst waren alle „Charlie“, obwohl die überwältigende Mehrzahl dieser Charlie‘isten zuvor noch nie in ihrem Leben auch nur eine Ausgabe der französischen Satirezeitschrift in den Händen gehalten hatte, und auf einmal interessieren sich alle für eine Institution, von der die sie ansonsten allerhöchstens an Hochzeiten, Begräbnissen, Taufen oder Kommunionen für einige Stunden Gebrauch machen.

Die Rede geht an dieser Stelle natürlich vom Abkommen zwischen Kirchen und Staat, das am nächsten Montag unterzeichnet wird, denn bewegen tut sich nicht nur die Erde, sondern hin und wieder sogar auch die katholische Kirche, sowie, was sich in diesem Fall allerdings als weitaus schwieriger darstellte, zuweilen auch die CSV. Diese wollte in den vergangenen Tagen katholischer als der Papst sein, indem sie das zwischen der Regierung und den Glaubensgemeinschaften ausgehandelte Abkommen nicht nur kräftig kritisierte, sondern in der Abgeordnetenkammer auch gegen eine entsprechende Motion stimmte.

Auf Facebook zeigt sich der Präsident der „C“-Partei Marc Spautz jedenfalls mehr als erstaunt, dass die Kirche den Religionsunterricht jetzt freiwillig aufgebe, womit er eigentlich sagen will, dass das Abkommen, wie es jetzt ausgehandelt wurde, mit einer CSV nicht möglich gewesen sei. Dass der Generalvikar die CSV zuvor mehr oder weniger darum gebeten hatte, sich doch bitte zu bewegen, konnte die christlich-soziale Truppe nicht umstimmen, aber im Gegensatz zur katholischen Kirche muss sich die CSV ja auch in regelmäßigen Zeiträumen so etwas wie Wahlen stellen.

Das eigentlich wichtige ist aber natürlich, dass sich Regierungsparteien und CSV am Mittwoch auf einen Verfassungskompromiss geeinigt haben, der jetzt dazu führt, dass die vierte Referendumsfrage zur Finanzierung der Kirchenangestellten vom Tisch ist. Dass die katholische Kirche so schnell einlenkte, dürfte dann auch dahingehend zu erklären sein, dass diese die besagte Referendumsfrage unbedingt vermeiden wollte. Ein Kulturkampf konnte jedenfalls vermieden werden, was sowohl der Regierung als auch der katholischen Kirche hoch anzurechnen ist, hat das Land doch wahrlich immer noch genug andere Probleme, als sich nun auch noch wegen der Religion die Köpfe einzuschlagen.

Das Abkommen ist indes als eine Lightversion einer Trennung von Kirchen und Staat zu bezeichnen, aber es hatte ja wohl auch keiner ernsthaft erwartet, dass die Regierung von heute auf morgen sämtliche Priester, Katecheten, Glöckner und sonstigen Kultusdiener auf die Straße setzen würde. Das „Wort“, das ja mehrheitlich im Besitz des Erzbistums ist, sprach gestern auf seiner Titelseite nichtsdestotrotz von einem „historischen Ereignis“, platzierte die entsprechende Schlagzeile dann aber vorsichtshalber links unten in die Ecke.

Den Normalkatholiken dürfte derweil am meisten interessieren, dass an den gesetzlichen Feiertagen wie Ostermontag, Christi Himmelfahrt, Pfingstmontag, Allerheiligen und Weihnachten nicht gerüttelt wird...