PASCAL STEINWACHS

Heute ist der 29. März, was an sich natürlich keine Nachricht ist, doch ist der heutige Freitag auch der Tag, an dem Großbritannien ursprünglich eigentlich offiziell aus der EU hätte austreten sollen - mit der Betonung auf „hätte“. Wie es jetzt im Brexit-Drama weitergehen soll, das ist nämlich immer noch nicht gewusst, wobei sich die Situation jedoch quasi im Stundentakt weiter verschlimmert.

So wollte das britische Parlament am Mittwoch das Zepter selbst übernehmen, und im Rahmen von sogenannten richtungsweisenden, will heißen nicht bindenden Abstimmungen Alternativen zum Brexit-Abkommen ausloten - ohne Erfolg. Dabei hatte Parlamentspräsident Bercow den Abgeordneten nicht weniger als acht - von 16 - Optionen zur Abstimmung vorgelegt, darunter ein zweites Referendum, eine Zollunion und ein „No Deal, die jedoch allesamt verworfen wurden, was der „Guardian“ dann auch mit der Schlagzeile „Parliament finally has its say: No. No. No. No. No. No. No. No.“ („Endlich kann das Parlament mitreden: Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein. Nein.“) auf den Punkt brachte. Sogar ihren Rücktritt hatte Premierministerin May in Aussicht gestellt, sollte das Parlament ihren Brexit-Deal doch noch annehmen.

Einen wieder mal letzten Versuch will die britische Regierungschefin, die von Tag zu Tag müder und mitgenommener aussieht, indes heute unternehmen, indem sie ein drittes Mal über ihren zuvor bereits zwei Mal vom Parlament abgeschmetterten, mit Brüssel vereinbarten Deal zum EU-Austritt abstimmen lassen will. Allerdings nur, wenn der bereits erwähnte exzentrische „Oooooooooorder!“-Parlamentspräsident mitspielt - und das tut er diesmal -, der sich zuvor auf eine 415 Jahre alte Regel berufen hatte, wonach ein und dieselbe Vorlage nicht beliebig oft zur Abstimmung gestellt werden kann.

Das muss sie auch, denn am heutigen Freitag läuft die von Brüssel gesetzte Frist ab. Sollte das Brexit-Abkommen also nicht bis zum Abend angenommen sein, dann muss Theresa May eine Verlängerung über den 22. Mai hinaus beantragen, ansonsten Großbritannien schon am 12. April ein Austritt ohne Abkommen droht.

Ob sich die Abgeordneten dem Ernst der Lage bewusst sind, darf indes mehr als bezweifelt werden, denn wer sich die Live-Übertragungen aus dem britischen Unterhaus in den letzten Tagen und Wochen angesehen hat, der fühlte sich angesichts der feixenden Abgeordneten eher an einen Zirkus oder einen Kindergarten denn an ein Parlament erinnert, in dem es gerade um die Zukunft des Landes und zum Teil auch um diejenige der EU geht.

Außenminister Jean Asselborn machte gestern in einem Interview mit dem SWR dann auch erneut einen Aufruf, dass beide Seiten alles unternehmen müssten, um einen ungeordneten Brexit zu verhindern, andernfalls zehntausende Jobs in Gefahr seien, aber das dürfte die „Inselmenschen“, wie EU-Kommissionschef Juncker die Briten in seiner Zeit als Premierminister immer mal wieder titulierte, herzlich wenig interessieren - leider...