BEJA (PORTUGAL)
INGO ZWANK

Portugal hat heute mehr zu bieten als nur Mateus Rosé und Portwein

Portugal besitzt mehr als 500 Rebsorten, aus denen viele Industrieweine, aber auch einige charaktervolle Rot- und Weißweine erzeugt werden. Seit gut zehn Jahren herrscht unter den portugiesischen Weinproduzenten eine gewisse Aufbruchstimmung, was sich in den 260.000 Hektar Anbaufläche und einer Weinproduktion von fünf bis sechs Millionen Hektoliter bemerkbar macht - und eben dem Mateus Rosé, dem immerhin beliebtesten Rosé der Welt.

Rebsorten des Landes

Die wichtigsten abgebauten roten Trauben sind auf jeden Fall Alfrocheiro, Tinta Roriz, Baga, Castelão Frances, Touriga Francesca, Touriga Nacional und Verdelho. Unter den weißen Trauben dominieren Alvarinho, Arinto, Avesso, Azal Branco, Bical, Encruzado, Maria Gomez, Loureiro und Trajadura.

Doch Portugal ist ein Land „im deutlichen Umbruch“, wie es Fachleute wie die Önologin Patrícia Peixoto (Santa Vitória Vinhos) gerne betonten: Die neue Zeit hat zwar schon begonnen, die alte ist aber noch nicht ganz zu Ende. Im Inneren herrscht quasi immer noch die „alte Ordnung der rote Trauben“, die mit Stielen und ohne technische Hilfsmittel gekeltert werden, um zu mächtigen, tanninherben Rotweinen ausgebaut zu werden, die einem alles bis zu den Zehennägeln zusammenziehen - „davon wollen wir auch wegkommen“, sagt Peixoto und verweist auf die eigenen Laborarbeiten, um die Weine immer noch ein bisschen besser zu komponieren.

Preis-Leistung

Daneben sind aber schon saubere und fruchtig-spritzige Weiß-, Rot- und auch Roséweine auf dem Markt, die die Weltweltmärkte erobern. Eben Gegensätze pur. Dies zeigt sich beeindruckend in den Produktionsstätten - wobei zuerst einmal die bewirtschaftete Fläche auffällt: 60 oder 70 Hektar Reben - jeweils mit eigener direkter Wasserversorgung, die bei 45 Grad im Sommer absolut notwendig ist- sind keine Seltenheit. Ein höchstes technisches Niveau, was Verarbeitung, Pressung, Lagerung und Abfüllung betrifft, präsentiert sich dann in Betrieben wie „Monte da Ravasqueira“, „Vila Galé Clube de Campo“ oder auch „Herdade dos Grous“ in der Region Alentejo. Dies gegenüber der dominierenden Handarbeit im Weinberg beim Schnitt, Lese und gar Sortierung. Hinzu kommen junge und experimentierfreudige Kellermeister wie Önologe Nuno Gonzalez („Herdade da Malhadinha Nova“), die ihre Erfahrungen in der „neuen Weinwelt“ wie Australien oder auch Neuseeland und Südamerika gemacht haben: „Und so muss man klar sagen, dass sich bezüglich des Weins etwas tut“, sagt Gonzalez nicht ganz unstolz. Und doch: Wenn man sich all diese wirtschaftlichen Komponenten betrachtet, muss man sich fragen, wie Preise für einen tollen, wenn auch jungen Tinto Reserva von knapp neun Euro zustande kommen... wer muss wirklich für den Wein bezahlen? Der Konsument ist es bei diesem Preis-Leistungsverhältnis sicher nicht.


Weitere Infos zu Portugal findet man unter www.visitportugal.com