LUXEMBURG
LIZ MIKOS

Mit dem Meeresbiologie-Studium erfüllte sich Tammy Schuh einen Lebenstraum

Fasziniert von den unbekannten Tiefen des Ozeans, ließ die Luxemburgerin Tammy Schuh sich auf ihrem Studienweg nicht beirren und wählte die Meeresbiologie. Nachdem die 27-Jährige erst in Wales, dann in Australien ihr Studium absolviert hatte, wagte sie einen noch außergewöhnlicheren Schritt: Die Rückkehr ins Heimatland. Im Interview erklärt die gelernte Meeresbiologin unter anderem ihren Werdegang und was man mit einem Abschluss in der Meeresbiologie in Luxemburg machen kann.

Was sind die Aufgaben eines Meeresbiologen?

Tammy Schuh Meeresbiologie ist die Lehre der Meere. Diese vereint viele Themenbereiche: Von Biologie über Tiere und Pflanzen, wie auch die Ökologie eines ganzen Ökosystems, bis hin zum Überleben, dem Fortpflanzen, dem Klima und dem Wetter wird alles abgedeckt - natürlich auch die entsprechenden Zusammenhänge. Meiner Meinung nach gehört zu den Aufgaben eines Meeresbiologen aber mehr als nur die Recherchearbeit. Es geht darum, die Leute aufzuklären, ihnen etwas beizubringen und nach Alternativen zu suchen, die das Zusammenleben zwischen Mensch und Meeren verbessern. Das Interesse am Thema wächst und Leute wollen während ihrer Reisen etwas darüber sehen und lernen, denn zur Meeresbiologie gehören nun mal mehr als Wale und Delfine.

Wie kam es dazu, dass Sie sich für diese Ausbildung entschieden haben?

Schuh Das Interesse war eigentlich schon immer da, bereits in meiner Kindheit. Nachdem ich dann meinen Tauchschein gemacht habe und mit dem luxemburgischen Verein Odyssea meinen ersten Trip unternommen habe, wusste ich, dass Meeresbiologie das Richtige für mich ist. Mir war es immer wichtig, dass ich etwas lerne, das mich interessiert. Etwas, wo ich einen Einfluss auf Menschen habe und wenigsten versuchen kann, die Welt ein Stück besser zu machen.

Können Sie kurz Ihren Werdegang bis hin zum Master-Diplom beschreiben?

Schuh Ich hatte das Glück, mit einem Bachelor in der Meeresbiologie anzufangen. Oft muss man einen Biologie-Bachelor absolvieren, vor allem, wenn man nicht in Großbritannien studieren will. Ich hatte mich für das Studium in einem englischsprachigen Land entschieden, weil ich sicher gehen wollte, dass mein sprachliches Niveau zum Austausch mit anderen Fachleuten hoch genug ist. Während des Bachelors musste ich unterschiedlichste Fächer belegen, die sowohl theoretisch als auch praktisch waren. Vom Klima über Plankton, Krankheiten, die bei Meerestieren und -pflanzen vorkommen bis hin zu Laborarbeiten mit Fischhormonen oder Boottrips zum Observieren, war alles dabei. Für meine Bachelorarbeit war ich mit der Forschungsorganisation Opwall in Indonesien auf einer kleinen, unbewohnten Insel, wo wir uns unserer Recherche gewidmet haben. Hier habe ich mich auf Aggressions- und Territorialverhalten von Clownfischen konzentriert. Für meinen Master widmete ich mich dann der tropischen Meeresbiologie und Ökologie in Australien, Queensland, wo ich direkt am Great Barrier Riff studiert habe. Hier, auf einer wunderschönen, kleinen Insel, konnten wir dann auch unsere Recherche für die unterschiedlichen Kurse machen. Der Fokus meines Studiengangs lag vor allem auf tropischen Fischen, Korallen, aber auch auf der Forschung zu Schildkröten. Die James Cook University in Queenland, Nummer eins weltweit für Meeresbiologie und Süßwasserbiologie, bot enorm viele Möglichkeiten, um Erfahrung vor Ort zu sammeln. Ich hatte sogar die Chance, im tierärztlichen Bereich mit Meeres- und Süßwasser-Schildkröten zu arbeiten.

Wie wichtig war es für Sie, unterschiedliche Meere und Meereslebewesen zu erkunden?

Schuh Es war nicht nur wichtig, sondern auch spannend. Obwohl europäische Meere sich drastisch von tropischen Meeren unterscheiden, überschneiden sich immer wieder Dinge. Schottland beispielsweise hat wundervolle Korallenriffe, woran man oft nicht denkt, weil diese eigentlich typisch tropisch sind. Es ist wichtig zu verstehen, dass alle Meere miteinander verbunden sind. Wenn man dann auf einmal die Ozeane von zwei verschiedenen Seiten der Welt richtig kennenlernt, wird einem das immer mehr bewusst. Es sind nicht nur die Meere, die zusammenhängen. Das alles beeinflusst auch das ganze Klima. Es hat mich in dem Sinne weitergebracht, dass ich eine noch viel größere Inspiration daraus ziehe und die Meeresbiologie noch mehr wertschätze.

Wie stehen Sie zur Plastik-Debatte?

Schuh Plastik ist ein absolut großes Problem in den Weltmeeren. Einige Studien haben ergeben, dass alle getesteten Fische, Wale und Schildkröten der Studie Plastik im Magen hatten. Es ist verrückt, sich das vorzustellen: Jeder, der Fisch isst, isst auch Plastik. Seit Jahren reduziere ich meinen Plastikkonsum. Ich rauche nicht - ergo keine Zigarettenstummel von mir - bitte darum, keinen Trinkhalm zu bekommen, versuche Einwegplastik zu meiden und habe immer meine eigene Trinkflasche zum Auffüllen dabei. Der nächste Schritt in Richtung „Zero Waste“ ist dann natürlich auch im Bereich Kosmetik plastikfrei zu werden und Putzmittel selber herzustellen. Mein Plastikverbrauch ist erheblich gesunken, seit ich mich pflanzlich ernähre und Gemüse entweder aus dem Garten oder unverpackt kaufe. Plastik ist aber auch nur einer von vielen Verschmutzungsfaktoren der Meere. Überall, wo ich kann, versuche ich natürlich mein Umfeld zu verbessern. Wenn jeder sich auch nur ein bisschen bessern würde, würde es schon einen großen Unterschied machen.

Sie wohnen mittlerweile wieder in Luxemburg - ein ungewöhnlicher Schritt. Gibt es hier konkrete Arbeitsmöglichkeiten, die dieses Feld abdecken?

Schuh Definitiv! Es gibt nicht sehr viel Meer hier. Diesen Schritt habe ich gemeinsam mit meinem Partner gemacht und mich dafür entschieden, wieder nachhause zu kommen, um hier zu arbeiten. Es gibt hier ein paar Organisationen, für die man saisonal ins Ausland fährt, um dort zu arbeiten. Als Meeresbiologin bin ich aber auch nicht auf die Meere allein festgelegt. Ich habe ja auch Ökologie gelernt, was die Lehre der Ökosysteme ist. Das kann man überall anwenden.

Können Sie Ihre momentane Arbeit beschreiben?

Schuh Ich bin als Tierpflegerin in der „Fleegestatioun fir wëll Déieren“ in Düdelingen eingestellt, weil ich einen Biologieabschluss habe. Wenn man neben dem Studium auch Erfahrung hat, kommt man natürlich eher weiter - das zählt aber für jeden Job. Mein Interesse gilt der Tierwelt - ich will der Welt etwas zurückgeben. Meine Erfahrung, die ich davor an verschiedensten Orten gesammelt habe, hilft mir täglich. Nebenher widme ich mich dann der Fotografie, die ich mir selber beigebracht habe, um mein Studium mitzufinanzieren. So habe ich eine wunderbare Balance zwischen meiner Liebe zur Biologie und der zur Fotografie.