LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Die neue Saison der „Solistes Européens, Luxembourg“ hält Überraschungen bereit

Von schönen aber auch bitteren Jahren sprach Eugène Prim, Generaldirektor der „Solistes Européens, Luxembourg“ (SEL) gestern während der Programmvorstellung der nächsten Saison, die im Zeichen des 30. Jubiläums des Orchesters steht. Seit fast zehn Jahren ist Christoph König Chefdirigent und musikalischer Leiter der SEL. „Damals befanden wir uns an einem wichtigen Wendepunkt. Die Änderungen machen sich langsam bezahlt. Inzwischen können wir eine beeindruckende Diskografie aufweisen, mit der wir internationale Aufmerksamkeit erlangen“, sagte Prim nicht ohne Stolz. Nun kam auch noch ein neues Logo, also eine neue grafische Identität, und eine komplett überarbeitete Internetseite hinzu.

Christoph König hat in seiner Karriere bereits viele Orchester quer durch die Welt dirigiert, jedoch habe er eigenen Aussagen zufolge bei den „Solistes Européens“ wie sonst kaum die Möglichkeit, seine Ideen umzusetzen. Auch er blickte zurück: „Ich habe zu einer Zeit angefangen, als das Geld weniger wurde. Es war und ist ein unglaublich harter Wettbewerb, deshalb hat sich alles viel langsamer entwickelt, als ich es mir anfangs gewünscht hatte. Ich gebe zu, vor ein paar Jahren kurz überlegt zu haben, ob es sich für mich lohnt, weiterzumachen, weil es nur schleppend voranging. Und auf einmal sind dann doch Dinge passiert, von denen ich vor Jahren noch geträumt habe. Die Entwicklung ist sehr gut, und wir haben inzwischen einige CDs veröffentlicht. Gut Ding will Weile haben, heißt es doch so schön. Genau wie diesen Spruch sehe ich die SEL unter meiner Leitung. Ich hoffe, es gelingt uns, weiter in diese Richtung zu gehen und eventuell wieder auf Tournee zu können. Wir müssen auch international präsent sein“.

Sechs Konzerte im großen Saal der Philharmonie

Sechs Konzerte stehen in der nächsten Saison in den Reihen „SEL A Rencontre“ und „SEL B Rencontre“ unter der Leitung von König, dies wie gewohnt im großen Konzertsaal der Philharmonie. Auf dem Programm des Eröffnungs- und gleichzeitig Jubiläumskonzerts am 30. September steht Beethovens 9. Symphonie. „Das ist erst einmal keine sehr originelle Idee, wir spielen sie aber in Kombination mit ,A Survivor from Warsaw‘ von Arnold Schönberg. Dieses Konzept geht sehr gut auf. Es ist kein politisches Statement, es ist vielmehr eines des Nachdenkens über das, was Menschsein bedeutet“, erklärte der Chefdirigent. Im Zentrum des zweiten Konzerts am 21. Oktober steht der Violinist Renaud Capuçon - „ein Dauergast“, so König -, der an diesem Abend Ravel und Chausson spielt. Ein weiterer Programmteil wird derweil von Gast Waltzing gestaltet, mit einer Auftragskomposition des Kulturministeriums, passend zum Motto des Abends „Von Hexen, Feen und Prinzessinnen“.

Am 25. November trifft Bach auf Jazz. „Eine solche Verbindung wollte ich seit Ewigkeiten als Programmkonzept anbieten“, sagte der Orchesterchef. Für „Bach und Jazz - Advent für Unerschrockene“ konnte die Ernie Hammes Group verpflichtet werden. Am 3. Februar steht erneut ein „Concert-Surprise“ auf dem Programm, dies mit Jean Muller am Piano. Während im ersten Teil Stücke von Fréderic Chopin und Gustav Holst gespielt werden, erfährt das Publikum nicht, was es im zweiten erwartet. Tasmin Little heißt die Solistin des Konzerts „Beethoven und seine Einflüsse“ am 16. März. „Sie ist eine ganz tolle Geigerin, die immer noch auf einem Niveau spielt, das es heute fast nicht mehr gibt“, lobte König. „Der Aufhänger des letzten Konzertprogramms war, dass wir immer wieder auf der Suche nach Luxemburger Komponisten oder Künstlern sind. Die Hornistin Amanda Kleinbart, mit der wir seit längerem in Kontakt sind, hat vorgeschlagen, mit ihrem Quintett aufzutreten, was ich als schöne und bereichernde Abwechslung empfinde“, meinte er. Dieses Konzert steht am 27. April unter dem Thema „Humor in der Musik“.

Vier musikalische Universen im Camerata-Zyklus

Im Kammermusiksaal der Philharmonie bieten die SEL außerdem vier Konzerte in der Reihe „SEL C Camerata“. „In diesem Kammermusik-Zyklus vereinen sich das Streben nach Exzellenz sowie die Originalität und Zugänglichkeit der Programme der ,Solistes Européens‘. Einerseits geht es darum, Talente aus unserem Land in den Vordergrund zu rücken und ihnen so zu Sichtbarkeit zu verhelfen, andererseits Musiker des Orchesters in den Mittelpunkt zu bringen und sie in gewisser Weise aus der Anonymität ihres Pults zu holen, dies alles auf originelle Art und Weise“, beschrieb Geschäftsführer Stéphane Gilbart. Am 7. Oktober ist die Victor Kraus Group zu Gast, der 2. Dezember steht unter dem Motto „Percussion World“, am 30. März sitzt Sabine Weyer am Klavier, und am 4. Mai wird die Harfe mit der jungen Solistin Chanel Perdichizzi in den Mittelpunkt gerückt.

Um ein junges Publikum anzuziehen, wurde derweil vor einigen Jahren die Aktion „1.000 Eintrittskarten für junge Leute“ gestartet. „Wir sind sehr stolz auf dieses Projekt, das einen großen Erfolg kennt“, meinte Geschäftsführer Georges Backes. Dem Publikum von morgen - Studenten der Uni, der „Miami University“, der „International School“ sowie Schüler der höheren Sekundarstufen - werden gratis Eintrittskarten zur Verfügung gestellt. Zudem werden Probenbesuche ermöglicht.

Mit dem luxemburgischen Pianisten Jean Muller wurde übrigens nun ein Exklusivvertrag unterzeichnet, wie Prim mitteilte: „Ab dem Jahr 2020 spielt er alle seine Konzerte in Luxemburg mit den ,Solistes Européens‘“. Muller selbst zeigte sich erfreut: „In meiner bisherigen 25-jährigen Karriere habe ich mit keinem anderen Konzertveranstalter so regelmäßig und vertrauensvoll zusammengearbeitet. Nun wird diese Zusammenarbeit mit den SEL noch intensiver“.

Neue CD-Produktionen auf dem Weg

„Durch die neuen Medien ist der Markt für CD-Produktionen, was das Finanzielle anbelangt, absolut marginalisiert. Wir können nicht mit Pop-Stars mithalten. Allerdings habe ich mir irgendwann die Frage gestellt, worum es geht, um ein Tool, um Karriere zu machen, mit dem man Geld verdienen kann? Nein. Es ist aber so, wenn man keine Aufnahme macht, die man international verbreiten kann, wird man von manchen Leuten nicht respektiert oder ernst genommen“, gab König zu bedenken. Das Konzept des Live-Mitschnitts eigne sich besonders gut. „Unsere Zusammenarbeit mit zwei renommierten Labels wächst kontinuierlich. Die Philharmonie ist in diesem Kontext ein Riesenglück, weil sie akustisch für uns Traumbedingungen bietet. Die Aufnahmen, die live hier entstanden sind, klingen erstklassig“, bemerkte er. Demnächst erscheint die vierte Produktion, weitere sind geplant, darunter etwa 2020 die Veröffentlichung der Gesamtaufnahme von Beethovens Symphonien.

„Mit manchen Programmen gehen wir Risiken ein. Oft ließ sich nicht im Vorfeld abwägen, ob sie tatsächlich ankommen. Obwohl ich einen konservativen Hintergrund habe, bin ich experimentierfreudig. Man muss kreativ sein und immer überlegen, womit man das Publikum überraschen kann“, meinte der Chefdirigent. Was nun noch zu Königs Glück fehlt, ist die Möglichkeit, mit den SEL auf Tournee zu gehen, wozu das Geld aber bislang fehlte. Prim hofft, dass eine Unterredung mit der neuen Kulturministerin möglicherweise eine neue Wende bringt.

Alle Details unter www.sel.lu