LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Gefährdet das Jakobs-Greiskraut das luxemburgische Weidevieh?

Jetzt wird’s botanisch. Mit einer ausführlichen Frage rund ums Jakobs-Greiskraut, in manchen Gegenden, auch Jakobs-Kreuzkraut genannt, beschäftigten die beiden CSV-Abgeordneten Martine Hansen und Laurent Zeimet Landwirtschaftsminister Fernand Etgen (DP) und Umweltministerin Carole Dieschbourg (déi gréng).

Giftig für Pferd und Rind

Beim Jakobs-Greiskraut - französisch: Séneçon de Jacob, lateinisch: senecio jacobaea - handelt es sich nach Auffassung der beiden Fragesteller um eine „sehr invasive“ Pflanze, die sich seit einigen Jahren in Luxemburg ausbreitet und dazu noch giftig ist. Die Pflanze befalle Wiesen und Weiden, ebenso wie Straßenränder und Brachen. Das Kraut sei „extrem toxisch“ insbesondere für Pferde und Rinder und könne bis zu deren Tod führen, da es kein effektives Gegenmittel geben soll.

Das deutsche Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, das Julius-Kühn-Institut, beschreibt die Problematik so: „Wie alle Kreuzkraut-Arten enthält die Pflanze in allen Pflanzenteilen so genannte Pyrrolizidinalkaloide. Diese Alkaloide können in der Leber zu toxischen Verbindungen umgewandelt und angehäuft werden und zu irreversiblen Leberschäden führen. Wird Jakobs-Kreuzkraut auf Wiesen und Weiden vom Weidevieh gefressen, besteht die Gefahr, dass es zu akuten oder chronischen Vergiftungen kommt.“

Die Gefahr besteht auch darin, dass die Alkaloide auch nach Trocknung und Silage aktiv bleiben und sich die Tiere auch bei einer Stallfütterung vergiften können.

Laut Hansen und Zeimet seien die Alkaloide sogar in Honig nachgewiesen worden, was auch eine potenzielle Gefahr für Menschen mit sich bringen könne. Außerdem hätten die klimatischen Bedingungen der letzten Jahre die Ausbreitung des Jakobs-Greiskraut stark gefördert.

Ist es wirklich ein Problem?

Die konkreten Fragen an die beiden Minister lauteten: Stellt das Jakobs-Greiskraut in Luxemburg ein Problem dar? Warum wartet die Regierung mit der Bekämpfung ab? Gibt es eine interministerielle Arbeitsgruppe, die konkrete Maßnahmen gegen das Jakobs-Greiskraut ausarbeitet? Wie sieht auf Weiden mit Biodiversitäts-Vertrag, in Schutzgebieten und extensiven Mähen die Bekämpfung aus? Zuletzt folgte die Frage, ob Todesfälle - bei Tieren - durch Jakobs-Greiskraut bekannt seien.

Minister: Häufige Verwechslungen

In der gemeinsamen Antwort der beiden Minister wird zunächst auf zahlreiche Meldungen in der landwirtschaftlichen Fachpresse zum Jakobs-Greiskraut verwiesen, die Gegenargumentation folgt aber gleich auf dem Fuß. Die leichte Verwechselbarkeit der Pflanze mit andern gelb blühenden Arten, wie mit dem echten Johanniskraut, führe oft zu Konfusion. Ebenfalls könne es leicht mit anderen Kreuzkräutern, wie dem nah verwandten Wasser-Greiskraut - Senecio aquaticus -, verwechselt werden, das unter strengem Schutz stehe. Aus Sicht der Biodiversität sei das Jakobs-Greiskraut unproblematisch.

Da es aber giftig sei, sei eine entsprechende Überwachung von Weideflächen geboten, so die Minister.

Ein Jakobs-Greiskraut-Leitfaden ist in Arbeit

Aktuell gibt es noch keine interministerielle Arbeitsgruppe. Die Naturverwaltung sei aber, zusammen mit der biologischen Station des SICONA, dabei, einen praktischen Führer zum Umgang mit dem Jakobs-Greiskraut zu erarbeiten. Das Heft werde in den nächsten Monaten gedruckt und an alle interessierten Landwirte verteilt werden.

Nach den neuesten Vorschriften zur Biodiversität kann das Jakobs-Greiskraut bei einer zu starken Ausbreitung nur mechanisch bekämpft werden. Vorher muss aber auf jeden Fall ein botanisches Gutachten erstellt werden. Nach Ansicht der Ministerien kann das Kraut auch durch verschiedene Arten des Mähens eingedämmt werden.

Bei starkem Befall landwirtschaftlicher Flächen kann die Bekämpfung auf die Straßenränder, wo ein Kräuterbewuchs eigentlich gewünscht ist, ausgedehnt werden.

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