LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALIST

Heute 48-Jähriger überfährt mit 1,84 Promille 24-Jährigen bei Esch/Alzette

Am Dienstag stand ein Mann wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht. Am 18. Juni 2016 war ein 24 Jahre alter Autofahrer auf einem Autobahnzubringer bei Esch/Alzette von einem entgegenkommenden Auto überfahren worden, als er sein Fahrzeug abstellte und ausstieg. Der Mann war auf der Stelle tot, der Täter, ein damals 46-jähriger Mann, flüchtete. Laut Staatsanwaltschaft kam für den Mann jede Hilfe zu spät. Die anderen beteiligten Autofahrer wurden nicht verletzt, standen aber unter Schock.

Ein Ermittler der Kriminalpolizei hatte Lacksplitter und auch einen zertrümmerten grauen Autospiegel an der Unfallstelle gefunden. Bremsspuren gab es nicht. Spätere Ermittlungen ergaben, dass der Unfallverursacher 1,84 Promille Alkohol im Blut hatte. Den Polizisten vermittelt er, dass er von einem „Klassentreffen“ kam und ziemlich viel getrunken hatte. Erst später hatte sich der Fahrzeughalter selbst bei der Polizei gemeldet. Warum sich der Mann auf der Autobahn befand, war am Anfang offen. Nach Erkenntnissen der Staatsanwaltschaft war der Autofahrer am frühen Samstagmorgen mit seinem Wagen auf der A 4 bei Esch/Alzette unterwegs.

Kollisionsgeschwindigkeit 55 - 65 km/h

Er hätte zuvor stark abbremsen müssen, weil ein Lastwagen von der Straße abkam, sagte ein Polizist. Der Fahrer hätte dann hinter der Baustelle auf den LKW-Fahrer gewartet, diesen etwas später gestoppt. Es soll zu einem Streit zwischen den beiden Verkehrsteilnehmern gekommen sein. Der 24-jährige Franzose wurde dann von einem entgegenkommenden Auto erfasst und tödlich verletzt. Ein Toxikologe bestätigte am Dienstag, dass der Wert von 1,84 Promille erst am nächsten Tag gegen 12.00 festgestellt wurde. Ein deutscher Gutachter erklärte, dass die Kollisionsgeschwindigkeit 55 - 65 km/h betragen musste. Eine Vermeidbarkeit der Kollision kann der Experte nicht nachweisen.

Der flüchtige Fahrer erklärte, dass er am Unfalltag in einem Lokal in Lallange mit Kollegen noch etwas gegessen und Bier und Wein getrunken hätte. In einem anderen Lokal hätte er dann weitergetrunken.

Auf der Heimfahrt hätte er dann den Lastwagen gesehen, konnte aber die Entfernung nicht abschätzen. „Dann huet et geknuppt“, sagt er vor Gericht. Er hätte das Opfer auch am Boden liegen sehen. Er stieg wieder in seinen Wagen und fuhr davon. Dass er den 113 hätte anrufen sollen, kam ihm nicht in den Sinn. Am frühen Morgen habe er einen Kollegen angerufen und ihm die Sache erzählt. Er wollte die Telefonnummer eines Polizisten. Was schier unverständlich für den Vorsitzenden Richter ist. Der Fahrer hat sich am Dienstag bei der Familie des Opfers entschuldigt.

Verteidiger Philippe Penning erklärte, dass sein Mandant tief getroffen sei und dass er noch immer unter Schock stehen würde. Er leide unter Depressionen und stehe unter Psychopharmaka. Sein Mandant hätte stehen bleiben müssen. Doch unter Schock könne alles passieren. Der Mangel an Bremsspuren würde bestätigen, dass sein Mandant das Opfer nicht gesehen hatte. Es gebe aber große Zweifel, wie das Opfer selbst reagiert habe. Ist das Opfer spontan aus dem Wagen gestiegen? Wenn ja, sei der Reaktionszeitraum sehr gering. Das sei ein Grund, seinen Mandanten freizusprechen. Wenn das Gericht zu einem anderen Schluss käme, so beantragte Penning eine Strafe auf Bewährung und mildernde Umstände, weil sein Mandant geständig sei.

Der Anwalt der Versicherung sprach in seinem Plädoyer von einem „partage de responsabilité.“

Der Prozess wird heute fortgesetzt.