LUXEMBURG
LUC SPADA

Mit „Follow me“ versprach Uncle Kracker vor gut 18 Jahren, dass, falls man ihm folgen würde, er versprechen kann, dass Du keinen anderen wie ihn finden wirst.

Er Dich frei machen wird.

Ein paar Jahre danach wurde der Sänger wegen sexueller Belästigung an einer 26-jährigen Frau zu einem Jahr auf Bewährung verhaftet. Was lernen wir? Schon vor der Follower-, Like-, Add-Generation galt es, Vorsicht walten zu lassen bei der Auswahl der Menschen, die man als „folgevertrauenswürdig“ verstand. Die Platte erreichte Platin-Status.

Nun, zu beobachten in den sozialen Medien, posten die ganzen Prominenten und auch Nicht-Prominenten, Bildchen und textliche Aufforderungen sie zu entfolgen, falls man einer dieser FollowerInnen sei, die Homosexuelle nicht mögen, Ausländer nicht mögen, Frauen nicht mögen, Männer nicht mögen, Hunde nicht mögen,… Ihr versteht schon, und nein, ich will es nicht lächerlich machen.

Es ist ja immer schön und gut, sich für eine schöne und gute Sache stark machen zu wollen.

Die Boulevard-Blätter jubeln, wie mutig es von Prominenten ist, wenn sie rassistische Fans auffordern, sie nicht weiter zu followen, denn somit würden sie gewissermaßen „Erfolg“ einbüßen. Demnach Respekt an diese mutigen Prominenten, die sich ganz schön etwas trauen, wenn sie nicht alle Fans wollen. Die Arschlöcher müssen leider draußen bleiben.

Passiert dann das, was theoretisch die Absicht dieser Aktion ist, und zwar, dass die ganzen RassistInnen ganz schön traurig und sauer sind, dass Sido oder Martin Schulz sie nicht als FollowerInnen haben wollen und demnach ihre Promis oder einfach nur Freunde nicht mehr „followen“, hat nur ein Phänomen, auch Spaltung genannt, Erfolg.

Was mir dermaßen gegen den Strich geht, ist, dass es nur noch um Gedisse und „Wer hat den Größten oder die Größeren?“ geht. Die eine Seite sagt der anderen Seite, dass sie blöd ist, verweigert jeden Dialog, weil auch gerne behauptet wird, dass es Seiten geben soll, die überhaupt nicht mehr mit sich reden lassen wollen, und dann wird halt nicht mehr geredet, jede Seite applaudiert sich gegenseitig für ihre super coole Aktion zu und wie tolerant oder nicht tolerant sie sind.

Frei nach dem Motto, dass wir es DENEN da oben, da rechts, da mittig, da unten, da links gezeigt haben, aber niemand ist auch nur einen Schritt vorangekommen. Und irgendwann gibt es aufs Maul und niemand weiß, wie es so weit kommen konnte. Soeben waren wir doch noch online und haben uns vor unseren Bildschirmen gehasst und unserem virtuellen Ich gleichzeitig cool auf die Schulter geklopft.

Gut gemacht und Glückwunsch: Du hast eine Meinung.

Diese Aktionen und ihre Benutzer gehen mir deswegen auf die Nerven, weil sie nur scheinaktiv werden, aber in Wirklichkeit nichts dazu beitragen, was die Sache voranbringt und ein friedlicheres Miteinander ermöglicht. Demnach #followme und sprich mit mir.