LUXEMBURG
ANNETTE DUSCHINGER

Kritisches Gutachten der Lehrerkomitees zur Sekundarschulreform einstimmig verabschiedet

Bei ihrer Jahreshauptversammlung haben die Lyzeums-Lehrerkomitees das Gutachten der „Nationalen Delegation der Sekundarschulen und der technischen Sekundarschulen“ (DNL) zur Sekundarschulreform verabschiedet. Einstimmig wurde es von den Delegierten der 25 Institutionen angenommen. Zudem wurde das Mandat der DNL erneuert, um weiterhin die Positionen und Forderungen des Lehrkörpers in die Diskussionen um die Reform einzubringen. Man wolle sich für den Erhalt einer öffentlichen Schule der Qualität, die den Schülern die besten schulischen und beruflichen Erfolgschancen garantiert einsetzen. Denn zahlreiche Regelungen der Reform würden dem entgegenstehen.

Vor allem die Ausgrenzung der Berufsausbildung stößt auf fundamentale Kritik. Auch wenn die Ministerin vorgebe, sie wolle die Berufsausbildung aufwerten, so verschließt sie definitiv den Zugang zum Techniker, der immer eines der Glanzlichter im technischen Sekundarwesen war, heißt es in der Mitteilung der Lehrerkomitees. Untragbar sei die Verschwommenheit, der Ausdrücke, die die oberen Klassen betreffen und dass die Ministerin die Verordnungen über die Stundenpläne nicht vorlegt, unterstreiche den inkohärenten und undeutlichen Charakter des Projekts.

Sprachenkompetenzen der Abiturienten werden zu stark abgesenkt

Beim Sprachenunterricht werde nicht eine kohärente Politik angestrebt, sondern man moduliere und senke das Anforderungsniveau, gleiche es dem Europäischen Referenzrahmen (CECR) an. Luxemburg sei das einzige Land Europas, das den Unterricht sämtlicher Sprachen auf das Niveau einer Fremdsprache bringe. Damit gefährde man nicht nur den Stellenwert von Kultur und Literatur im Unterricht, sondern riskiere auch die Sprachenkompetenzen zukünftiger Abiturienten stark herabzusetzen. Um den Status der zwei offiziellen Landessprachen Deutsch und Französisch, wie es sich gehört und der Sprachensituation im Land entspricht aufzuwerten, müsste für sie eine Didaktik von „Zweitsprachen“ entwickelt werden. So könne man auf ein höheres Niveau als C1 des CECR kommen.

Kritik auch am vorgesehenen Bewertungs- und Versetzungssystem, das inkohärent und intransparent sei. Anstatt die großen Defizite des aktuellen Systems zu beheben und die Freude an Leistung zu fördern, würde entgegen der Beteuerungen aus dem Ministerium durch direkte und indirekte Kompensationsmöglichkeiten quasi die automatische Versetzung eingeführt.

Man gleiche sich trotz wiederholter Warnungen des Lehrkörpers vor den verhängnisvollen Auswirkungen auf die Leistungen der Schüler dem an, was schon im unteren Zyklus gilt. Ihre Entschlossenheit, sich mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln gegen die programmierte Degradierung der öffentlichen Schule zur Wehr zu setzen bleibt ungebrochen, schließen die Lehrerkomitees.