MARCO MENG

Für die Meteorologen war es gestern der letzte Wintertag. Kaum zu glauben angesichts der herrschenden Bibber-Temperaturen, oder? Aber vieles, was derzeit an Nachrichten auf uns niederprasselt, ist kaum zu glauben. In Leipzig urteilten Richter, dass Kommunen im Autoland Deutschland Fahrverbote für Diesel-Fahrzeuge aussprechen können, wenn die in der EU zulässigen Grenzwerte an Stickoxid-Ausstoß überschritten werden. Diese Grenzwerte gelten eigentlich seit 2010. Heute schreiben wir 2018. Aber bei der ganzen Diesel-Problematik fühlen wir Beobachter/Betroffene uns schon seit Jahren an der Nase herumgeführt.

Die Autoindustrie brachte jahrelang angeblich saubere Diesel auf den Markt, und weigert sich nun, sie so umzurüsten, dass sie die einst versprochenen Werte einhalten. Und das scheint ja gutzugehen, wie die letzten Bilanzzahlen des Oberschummlers Volkswagen zeigen: Der Konzern fuhr letztes Jahr elf Milliarden Euro Gewinn ein. Eine Umrüstung an einem Fahrzeug, die etwa tausend Euro kosten würde, sei dem Unternehmen aber nicht zuzumuten - meint das Unternehmen. Und die Politik scheint das auch zu meinen, denn abgesehen von den USA ist in Europa noch niemand wirklich gegen VW aufgestanden. Warum? Die Autoindustrie mit Europas größtem Player aus Wolfsburg ist die europäische Schlüsselindustrie. Man will keine Arbeitsplätze gefährden. Doch die Konzerne selbst gefährden schon seit geraumer Zeit ihre eigene Existenz, weil sie nämlich seit Jahren neue Technologien ignorieren und auf alte wie den Dieselmotor setzen. Es war sicher kein Zufall, dass - abgesehen von Tesla - die Elektroautos stets so hässlich aussahen, dass die Konzerne sicher sein konnten, niemand wird eine solche Gurke kaufen. Das wird sich aber in wenigen Jahren geändert haben - und spätestens dann stehen Hunderttausende Arbeitsplätze auf dem Spiel. Wie aber ist man als Regierung, als Politiker - und sei es in der kleinen Gemeinde - wirtschaftsfreundlich? Indem man vor Betrug die Augen schließt, wie das die Regierung in Berlin tut, sicher nicht. Aber indem man den Bau einer Fabrik verhindert, wie das derzeit die Gemeinden Sandweiler und Differdingen tun, auch nicht. Hier hätte man zwar gerne die Steuereinnahmen von Knauf, aber die Produktion von Steinwoll-Platten zur Wärmedämmung, pfui, das verursacht ja Lärm, Staub, Abgase.

Einen Briefkasten dürfte Knauf wohl gerne in den Gemeinden als Firmensitz montieren, aber die Fabrik soll bitteschön jenseits der Grenze entstehen (auch wenn im Zweifelsfall die Abgase an der Grenze nicht haltmachen und nach Luxemburg kommen).

Arbeitsplätze wären auch ein Argument - aber in Luxemburg zieht das nicht so richtig. Die Hälfte der Luxemburger arbeitet eh beim Staat oder der Gemeinde. Woher allerdings die das Geld haben, um Löhne zu zahlen, das fragt niemand. Bislang ging das auch gut. Doch das System, das während der Periode eines gewissen JCJ installiert wurde mitsamt Briefkastenholdings, Schwarzgeldkonten und so weiter - Dinge, die der Mann in Brüssel jetzt plötzlich nicht mehr fair findet -, funktioniert nicht mehr. Echte Firmen müssen plötzlich her, oh Schreck!