LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Protestaktion der Mitarbeiter von Saint-Paul gegen den Abbau von 25 Prozent der Belegschaft

Trotz des Nieselregens waren gestern zahlreiche Mitarbeiter der Mediengruppe Saint-Paul zur Protestaktion vor den Türen des Hauses erschienen, zu der die Gewerkschaft LCGB eingeladen hatte. Zuvor war bekannt geworden, dass bei einem anstehenden Sozialplan 25 Prozent der Mitarbeiter entlassen werden sollen. Darüber hinaus sollen verschiedene Abteilungen ausgegliedert werden. Doch die zweiwöchigen Verhandlungen über einen Sozialplan wurden als gescheitert erklärt und das Schlichtungsverfahren ist beantragt.

Saint-Paul war im April 2020 vom flämischen Medienkonzern Mediahuis gekauft worden. Zu Saint-Paul gehört neben dem „Télécran“ und dem „Contacto“ vor allem das Flaggschiff „Luxemburger Wort“. Die Tageszeitung wird seit der Gründung 1848 von der Sankt Paulus Druckerei, heute Saint-Paul Luxembourg S.A., herausgegeben. Sie war bis 2020 mehrheitlich in Besitz des Erzbistums Luxemburg. Angesichts des Sozialplans hatte der LCGB nach mehreren Gesprächsrunden vergangenen Montag Arbeitsminister Dan Kersch dazu geladen. Die Direktion wollte an einem solchen Gespräch jedoch nicht teilnehmen. Sie empfand die Ankündigung der Protestkundgebung als unangemessen.

Gestern zeigten sich die Wut und die Enttäuschung der rund 330 Mitarbeiter, von denen weit über hundert präsent waren. Immerhin ist es der vierte Sozialplan in zehn Jahren des Medienhauses, prangerte Céline Conter, Gewerkschaftssekretärin des LCGB, an.

Sie sprach jene Themen an, die auch die Mitarbeiter beschäftigen: „Ein Viertel der Belegschaft ist nach den Plänen der Direktion nicht mehr da. Die Arbeit bleibt aber!“ Letzlich ginge es hier um die Existenz der Zeitung. Seit April, so Conter, fordere der LCGB eine Beschäftigungsgarantie von der Direktion - bislang ohne Antwort.

„Digital first wird als Allheilmittel gehandelt. Aber das bedeutet nichts anderes, als dass die Journalisten rubrikübergreifend polyvalent sowohl im Print wie im Digitalen funktionieren können müssen“, warnte sie.

Mit Blick auf die neuen Eigentümer legte Conter nach: „Hat die Direktion überhaupt noch etwas zu sagen, oder sind es die Belgier, die hier alles diktieren?“ Der Beifall war ihr sicher. Die Belegschaft weiß, dass Mediahuis einen Finanzchef für das Unternehmen abgestellt hat. Die Gerüchte wollen nicht abreißen, dass er es ist, der tatsächlich die Geschäfte bestimmt.

Conter unterstrich, dass der aktuell gültige Kollektivvertrag eine Klausel enthält, die den Arbeitsplatz während der Laufzeit garantiert. Das werde von der Direktion nun unterlaufen, der jeder Grund recht sei. „Das Problem ist aber die Direktion selbst. Die Pandemie wird genutzt, um das eigene Missmanagement herunter zu spielen“, betonte die LCGB-Generalsekretärin. „Die Direktion will keinen Sozialdialog.“ Dem Prinzip des in Luxemburg üblichen Sozialdialogs werde unter den neuen Herren nicht Rechnung getragen.

„Dieser Sozialplan ist ein Skandal“, sagte Conter mit Blick darauf, dass die Bedingungen ein Viertel unter denen von 2012/2013 liegen. Sie ärgerte sich darüber, dass die Direktion auf Fragen nach einer transparenten Analyse der finanziellen Situation nicht antworten wolle. Conter fragte sich, ob die Direktion damit das Offenlegen eigener hoher Gehälter umgehen wolle.

Unmut herrscht bei den Mitarbeitern von Saint-Paul auch mit Blick auf das Erzbistum. Ihr Vorwurf: Es habe durch die Aufsplittung in die Zeitung und die Gesellschaft Lafayette S.A, der das große Grundstück in Gasperich gehört, ein Rosinenpicken gegeben. Darüber hinaus zahlt die Zeitung heute Miete an das Erzbistum - ohne coronabedingte Abschläge. Die Mitarbeiter fühlen sich im Wortsinn verkauft.