LUXEMBURG
SVEN WOHL

Die Parkinsonforschung in Luxemburg ist international bekannt und macht beachtliche Fortschritte

Parkinson ist keine unbekannte Krankheit. Prominente wie Michael J. Fox sorgten dafür, dass jeder etwas mit dem Begriff in Verbindung bringen kann. Doch in der Mitte der Gesellschaft ist sie längst nicht angekommen. Oft trauen sich Parkinson-Erkrankte nicht vor die Tür, weil ihr Zittern oder ihre Gangart mit Alkoholismus verwechselt wird. Forschungsprojekte, wie sie in Luxemburg betrieben werden, geben diesen Patienten nicht nur Hoffnung, sondern erlauben einen offeneren Umgang mit dieser Krankheit. Dies erzählen sie auch Prof. Dr. Rejko Krüger und seinem Team. Sie treiben die Parkinson-Forschung gemeinsam mit anderen in Luxemburg voran und etablierten das Großherzogtum somit in der internationalen Forschungsszene.

Tausend Parkinsonerkrankte in Luxemburg

Doch wieso konnte sich Luxemburg in der Parkinsonforschung etablieren, sogar profilieren? Die Etablierung des „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) der Universität Luxembourg war ein wesentlicher Faktor, da man sich zu diesem Zeitpunkt entschied, sich auf eine Krankheit zu konzentrieren. Bereits zuvor wurde in Luxemburg hierzu geforscht. Die Langzeitstudie des Nationalen Exzellenzzentrums für Parkinson-Forschung lief dagegen 2015 an. Mittlerweile hat man 600 Patienten sowie 600 gesunde Kontrollpersonen aus Luxemburg und der Großregion zusammen bekommen. Man schätzt, dass es an die 1.000 Parkinsonerkrankte in Luxemburg gibt. Bis Mitte kommenden Jahres will man jeweils 800 Personen in den beiden Gruppen zu erfassen. 200 Patienten und 200 gesunde Kontrollpersonen über 65 Jahre werden aktuell noch gesucht. „Dass man ein ganzes Land einladen kann, um mitzumachen, ist einmalig“, meinte Prof. Dr. Rejko Krüger zum Forschungsstandort Luxemburg.

Doch auch von der Großregion profitiere man. Mittlerweile habe man separate Zentren in Esch, Leudelingen, Wasserbillig und Ettelbrück, um diese Arbeit und den Transport der Patienten zu erleichtern. Selbst von einem Bus macht man Gebrauch, um in Belgien zur Datensammlung Patienten bis nach Liège zu besuchen. Patienten aus der deutschen und französischen Grenzregion sind selbstverständlich auch eingeladen, in Luxemburg teilzunehmen.

Daraus entsteht ein regelrechter Datenschatz. Durch eine Vielzahl von Tests werden die unterschiedlichsten Informationen gesammelt und auf gesicherten Servern abgespeichert. Im Rahmen der Forschung kann man dann problemlos auf diese anonymisierten Daten zurückgreifen und komplexere Fragestellungen beantworten.

Das Ziel ist eindeutig: „Es gibt nicht nur eine Parkinsonkrankheit“, erklärt Prof. Dr. Rejko Krüger und es gelte, die unterschiedlichen Arten zu erkennen, zu beschreiben und anschließend zu behandeln. Im Moment besteht die Behandlung noch aus Symptombekämpfung, doch im Bereich der Früherkennung mache man bereits Fortschritte. „Wir haben wirklich einen Schatz damit generiert, und jeder der Teilnehmer trägt dazu bei“, sagte Prof. Dr. Rejko Krüger. Der Datensatz leistet zusammen mit den Blutproben einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung eines Tests, mit dem Parkinson früh erkannt werden könnte. Der Zugriff auf den Datensatz ist sogar in einer internationalen Zusammenarbeit möglich.

Einfache Tests mit großer Wirkung

Die Tests, welche die Patienten durchlaufen, muten zunächst fast befremdlich einfach an. Ein Sehtest soll das Erkennen von Kontrasten messen. Ein Farbtest soll dagegen zeigen, ob sich eine Art Farbenblindheit entwickelt. Bei einem anderen werden vom Patienten unter Zeitdruck Metallstäbe in kleine Einbuchtungen gesteckt. Am Ende schnuppert ein jeder an Riechstäben und man soll identifizieren, welcher Geruch es ist. Hinzu kommt eine Untersuchung durch einen Neurologen und eine kleine Spende an Blut-, Urin- und Speichelproben. Der technische Aufwand dieser Tests scheint überschaubar. Doch die Informationen, die dadurch gesammelt werden, sind unschätzbar. Denn viele dieser Tests suchen bereits nach ersten Symptomen der Krankheit: Eine Veränderung oder Störung im Geruchssinn, eine leichte Abänderung in der Kontrast- oder Farberkennung - alleine werden sie gerne übersehen, doch sie können erste Anzeichen für eine Parkinsonerkrankung oder zumindest der Anfälligkeit für Parkinson, darstellen.

Anders sieht da die Forschung am „Luxembourg Centre for Systems Biomedicine“ (LCSB) aus, wo auch an neuen Medikamenten gearbeitet wird. Hier glaubt man, die ersten Ansätze gefunden zu haben, um bei der Krankheit konkreter eingreifen zu kommen. Die Mitochondrien, die Kraftwerke der Zellen, rücken da vermehrt ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Bei der Forschung werden Hautzellen genutzt, welche die Patienten freiwillig bei den Tests abgeben können. Im Labor können daraus dann über das Programmieren von Stammzellen genau die Nervenzellen hergestellt werden, die bei der Parkinsonkrankheit früher altern, und für personalisierte Medikamenten-Screens verwendet werden.

Während eine mögliche Früherkennung der unterschiedlichen Parkinsonarten das kurzfristige Ziel dieser Forschungen ist, verliert man auch in Luxemburg das Endziel nicht aus den Augen. Eine Heilung von Parkinson scheint zwar auch für die kommenden Jahre noch nicht wahrscheinlich, doch zumindest erste Schritte in diese Richtung wird man bald machen können. Der Forschungsstandort Luxemburg wird bei dieser Lösung eine tragende Rolle spielen.