PASCAL STEINWACHS

Dass Opposition tatsächlich Mist ist, um an dieser Stelle mal den Ex-Chef der deutschen Sozialisten, Franz Müntefering, zu zitieren, das dürfte in den vergangenen Tagen definitiv auch die CSV am eigenen Leib erfahren haben. Was in all den Jahren zuvor - seinerzeit übrigens zur großen Freude der CSV - immer nur den damaligen Koalitionspartner LSAP getroffen hat, nämlich das öffentliche Austauschen von Nettigkeiten unter Parteifreunden (eine Beschäftigung, die mit dem Rückzug von Vera Spautz aus der Abgeordnetenkammer und dem Eintritt von Dan Kersch in die Regierung vorerst einmal der Vergangenheit angehören dürfte), gehört seit dem Regierungswechsel auch bei der CSV zum Alltag.

So haben sich die Sozialisten inzwischen ein Beispiel an ihren liberalen und grünen Lebensabschnittspartnern genommen, die ihre schmutzige Wäsche schon immer lieber innerhalb der eigenen Waschküche gewaschen und nach Möglichkeit ausschließlich hinter verschlossenen Türen gestritten haben, so dass die CSV nun vor der ungewohnten Situation steht, sich in der Öffentlichkeit rechtfertigen zu müssen.

Nicht etwa - und das ist noch außergewöhnlicher - , weil sich die christlich-sozialen Politiker vor aller Leute Augen an die Gurgel gehen würden, sondern weil das „Luxemburger Wort“, das bislang ja eher als eine der CSV nahe stehende Zeitung angesehen wurde, seit der fehlgeleiteten SMS des CSV-Präsidenten (anstatt dass die Spautz’sche SMS bei einem hohen Beamten im Familienministerium ankam, ging sie - dumm gelaufen - an die Familienministerin selbst) dabei ist, allerheftigst Front gegen die CSV zu machen. Deren Parteiführung setze weiterhin auf die „Basta“-Methode, und bei der soll und darf es keine Kritiker geben, „und wenn doch, dann dementieren wir sie einfach“, wie der „Wort“-Journalist, der übrigens auch schon über die Interna aus dem Finanzministerium zu berichten wusste, und ebenfalls die geplante Kindergeldabgabe öffentlich gemacht hatte, sich gestern überzeugt gab. Und dass „wort.lu“ zuvor gemeldet hatte, in den Tagungen der Parteiexekutive und des Nationalvorstandes der CSV sei es sogar zu Rücktrittsforderungen gegen den Parteipräsidenten gekommen (was das Generalsekretariat noch am gleichen Tag in einer Mitteilung dementierte), erhärtet den Verdacht, dass hier eine unheilige Allianz aus im Hintergrund agierenden CSV-Leuten und der Erzbistumszeitung mit allen Mitteln versucht, den aktuellen Parteichef, der seinen Gegnern mit seiner (durch nichts zu entschuldigenden) SMS jetzt natürlich einen perfekten Vorwand lieferte, abzuschießen. Dass dieser im Februar nur mit knapp 80 Prozent der Stimmen zum neuen CSV-Chef gewählt wurde, heißt dann auch, dass sich einer von fünf Parteimitgliedern nicht mit Spautz identifizieren kann.

Auf der heutigen „Journée parlementaire“ der CSV dürfte dann auch nicht die verhasste Politik von Blau-Rot-Grün, sondern die Suche nach dem CSV-U-Boot, das das „Wort“ in den letzten Tagen mit Parteiinterna gefüttert hat, vorherrschend sein. Und CSV-
Fraktionschef Juncker, der wird sich in Brüssel heimlich freuen, dass ohne ihn an der Heimatfront das Chaos ausgebrochen ist...