LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Bei der Meisterbrief-Zeremonie: Handwerk klagt über „Mitarbeiternotstand“

Gestern war ein großer Tag für 102 neue Handwerksmeister und 133 Meister, Lehrlinge und Techniker, die sich in ihrer Spezialität durch ihre Motivation und ihre Beharrlichkeit besonders hervor getan haben: Im Großen Theater der Hauptstadt händigten ihnen am Vormittag Prinz Félix, die Minister Claude Meisch (Bildung) und Dan Kersch (Arbeit) sowie die Vertreter des Handwerks ihre jeweiligen Diplome aus. Um die Handwerker zu feiern, waren auch Parlamentspräsident Fernand Etgen, Mittelstandsminister Lex Delles und zahlreiche Abgeordnete gekommen.

„Ihr seid eine Rarität“, beglückwünschte Handwerkskammerpräsident Tom Oberweis die Laureaten, nachdem er eine Lanze für die Europäische Union im Lichte der derzeitigen Spannungen (Brexit, Migration) gebrochen hatte, „erstens: es gibt euch. Zweitens: Ihr seid ausgebildet und qualifiziert. Und weil ihr eine Rarität seid, seid ihr extrem wertvoll: wertvoll für das Handwerk, wertvoll für die Gesellschaft“.

Letztere, die Wirtschaft und das Handwerk hätten ein „ganz großes Problem“: „Uns geht der Sprit aus, wenn ich das mal salopp formulieren darf. Uns gehen die Mitarbeiter aus“. Im Land fehle es an motiviertem und qualifiziertem Nachwuchs, der sich auf den Weg ins Handwerk machen wolle, man habe aber auch immer mehr Schwierigkeiten, in der Großregion zu rekrutieren.

Tatsächlich gaben bei der letzten Umfrage zur wirtschaftlichen und konjunkturellen Lage des Handwerks im zweiten Trimester 2018 im Lebensmittelbereich 20 Prozent der Unternehmen an, dass der Mitarbeitermangel ihre Aktivität behindert. Den gleichen Prozentsatz gibt es im Bau. Im Bereich Mechanik klagten sogar 22 Prozent der Betriebe über zunehmende Probleme, neue Mitarbeiter zu finden, vor zehn Jahren waren es lediglich die Hälfte oder gar weniger in den erwähnten Wirtschaftszweigen.

Es gebe bei Grundausbildung und Orientierung sicher noch viel zu tun, allerdings sei es zu kurz gegriffen, den „Mitarbeiternotstand“ allein auf die Defizite in diesen Bereichen zurück zu führen, erklärte Tom Oberweis. Schuld an dem Mangel sei vor allem „das Ungleichgewicht zwischen demografischer und ökonomischer Entwicklung“. Tom Oberweis unterstrich in diesem Zusammenhang stark die Bedeutung der Weiterbildung.

„Task force main-d‘oeuvre qualifiée“

„Die Frage des motivierten Nachwuchses und der qualifizierten Mitarbeiter ist für uns von entscheidender Bedeutung“, betonte der Vorsitzende der „Chambre des Métiers“, „es ist die Herausforderung Nummer Eins nicht nur für das Handwerk. Es ist die Herausforderung Nummer Eins für den Standort Luxemburg“. Die Handwerkskammer habe eine „Task Force“ eingesetzt, um alle Facetten dieser Challenge zu beleuchten und vor allem Lösungen zu finden.

Oberweis schloss mit einem Aufruf an die frisch gekürten Handwerksmeister, ihr Wissen an junge Leute weiter zu geben. Insgesamt appellierte er an alle Unternehmen des Sektors, ihre Ausbildungsstellen zu melden. Bildungsminister Claude Meisch unterstrich die enge Zusammenarbeit mit dem Handwerk und anderen Sektoren bei der Anpassung der Ausbildungen. Er freute sich besonders darüber, dass „Ruhe“ in die Berufsausbildung eingekehrt sei und diese nun Schritt für Schritt ausgebaut werde. „Wir müssen sehr flexibel sein, um auf die neuen Herausforderungen einzugehen“, meinte der DP-Politiker, der im Mittelstand enormes Innovationspotenzial sieht.