LUXEMBURG
PIERRE WELTER, FREIER JOURNALST

Prozess gegen sechs Männer wegen Raub und Freiheitsberaubung fortgesetzt

Sechs Männer kapverdischer Herkunft stehen seit Dienstag vor Gericht. Sie müssen sich wegen Körperverletzung, Raub und Freiheitsberaubung verantworten. Der siebte Angeklagte, Louis C. (30) alias „Lux“, ist dem Prozess aus unbekannten Gründen ferngeblieben.

Die Angeklagten sollen in wechselnder Beteiligung an einer Serie von besonders brutalen Überfällen beteiligt gewesen sein. Ziel der Bande war es, Chris G., einem mutmaßlichen Drogendealer, sechs Kilogramm Marihuana abzunehmen. Die Männer waren am 9. und 17. März 2016 festgenommen worden.

Am Donnerstag wurde das Verfahren mit den Aussagen des Angeklagten T. alias „Goma“ und weiterer Zeugen fortgesetzt. Wie ein leitender Ermittler der Polizei ausführte, war „Goma“ bis 2006 in Portugal. Er soll Ende 2011 oder Anfang 2012 nach Luxemburg gekommen sein. Die Handys, die beschlagnahmt wurden, hätten nicht enorm viel über den mutmaßlichen Drogendealer G. verraten. Das eine Handy war ein Wegwerf-Handy. Bei einem üblichen Handy sind im internen Speicher Anruflisten und SMS gespeichert, einige Smartphones speichern zudem monatelang die Aufenthaltsorte und WLAN-Nutzungsstandorte. Bei dem Wegwerf-Handy hätte die Polizei nichts Besonderes gefunden. Auf dem anderen Handy seien drei Anrufe, das Wort MAN und ein Name gespeichert gewesen.

„Ich war gar nicht hier“

Dann wurde der Angeklagte Eder T. alias Goma gehört. „Goma“, ein fast zwei Meter großer Mann, ist höflich, wirkt sympathisch und redet die Vorsitzende Richterin passend mit „Madame“ an. Er stellte seine Mitangeklagten als Lügner dar. Dass er rhetorisch die Kunst beherrscht, sich zu wehren auf famose und gleichzeitig unterhaltsame Weise, stellte er am Donnerstag unter Beweis. „Madame, stimmt das denn wirklich, was diese Leute da beim Untersuchungsrichter über mich verzapft haben?“, fragt er die Vorsitzende Richterin. „Madame, on était tous des potes.“

Seine Verteidigung wird zur Unterhaltung, die nicht der Fallaufklärung dient, sondern der Beschwichtigung. Dem Gericht wirft er vor, dass die fünf mitangeklagten Männer ohne Handschellen im Prozess erscheinen können - als freie Männer in Begleitung ihrer Verteidiger, sagt er. Es sei für ihn außergewöhnlich, dass er als einziger Angeklagter gefesselt im Saal sitzen muss. Der Vorsitzenden Richterin sagte er: „Ihr werdet mir auch bald einen Strick bringen, einen neuen Strick, den ihr mir um meinen Hals legen werdet.“

Obwohl die Staatsanwaltschaft Beweise vorlegte und diese mit vielen Indizien ein komplettes Mosaik ergeben, aus dem hervorgeht, dass er schuldig sei, gibt sich Goma kämpferisch. „Ich bin nicht der Chef“, sagt er.

„Alles ist falsch“

So auch im Sommer 2012, als der mutmaßliche Drogendealer Chris G. in seinem Haus in Differdingen von „Goma“ und „Shine“ überfallen, eingesperrt und gefesselt wurde. Unter Todesdrohungen hätten sie G. 3.000 Euro und 500 Gramm Marihuana abgenommen, so der Vorwurf. Goma bestreitet den Überfall samt Bedrohung mit einem glühenden Bügeleisen: „Nein, nein, nein, ich war niemals zu dieser Zeit in seinem Haus. Alles ist falsch“, beteuert Goma. „Ich war gar nicht in Luxemburg.“ Er könne beweisen, dass er am 2. April 2012 an der Schweizer Grenze (Basel) wegen Konsums einer geringfügigen Menge an Cannabis ein Ordnungsgeld von 100 Franken bezahlen musste. Seinen Lebensunterhalt will er dabei mit Poker-Spielen und dem gewonnenen Geld bestreiten. Zu dem Überfall am 29. Dezember 2014, wo G. dieses Mal zwei Kilogramm Marihuana sowie 8.000 Euro abgenommen wurden, sagt „Goma“: „Ich bin mit Semedo und Louis C. dahin gegangen, um ‚normales Zeug‘ abzuholen. Sie verstehen, Madame?“ Auch den Vorwurf des Kidnappings am 25. Januar 2015 bestreitet er.Der Prozess wird am Dienstag fortgesetzt.