COLETTE MART

Essen und Kleider sind sehr eng mit unserem Alltag und unserer Lebensqualität verbunden. Während in den letzten Jahren zahlreiche Skandale in der Lebensmittelproduktion öffentlich wurden, die sowohl Sklavenarbeit von Menschen, unsägliche Tierquälereien als auch verheerende lokale Umweltschäden beinhalten, werden jetzt ebenfalls über die sozialen Medien die dramatischen Menschenrechtsverletzungen in der Kleiderproduktion diskutiert.

Seit Jahren wissen wir, dass die Flüchtlinge, die tatsächlich am Mittelmeer an Land gehen, oft auf dem Gemüseplantagen in Italien und Spanien in sklavenähnlichen Bedingungen arbeiten, und dass auch Arbeiter aus Marokko zum Beispiel in der Lebensproduktion für Europa Schikanen und Ausbeutung ausgesetzt sind, zu der bei Frauen auch noch sexuelle Misshandlungen kommen. Dies bedeutet, dass die billigen Tomaten und Gurken in unseren Supermärkten, und ebenso Billigfleisch, tragische Bilder in uns hervorrufen, und die Notwendigkeit eines Umdenkens in unseren Konsumgewohnheiten ansteht.

Seit einiger Zeit wurde auch bekannt, dass in Äthiopien junge Frauen für 23 € im Monat Kleider für Calvin Klein nähen, dass in Bangladesch kleine Mädchen in sklavenähnlichen, ungesunden und gefährlichen Bedingungen oft rundum die Uhr an Nähmaschinen sitzen, um Kleider zu produzieren, die bei uns sehr billig sind, auch schnell wieder weggeworfen werden, so dass die Konsequenzen der Globalisierung uns auf jeden Fall zum Nachdenken anregen sollten.

Die Verlagerung der Kleiderproduktion in Länder, in denen die Löhne niedriger sind als bei uns, ist ein Phänomen, das wir seit langem kennen. Schlechte Arbeitsbedingungen in Thailand oder China drangen immer wieder in die Weltöffentlichkeit, aber das Problem spitzte sich mit der Globalisierung zu, weil der Konsum in den Industrienationen immer weiter angekurbelt wird, und demnach auch eine Nachfrage nach billigem Essen und billigen Kleidern entsteht, können sich doch auch in den Industrienationen nicht alle Menschen nachhaltig produzierte Lebensmittel und Kleider leisten.

Es scheint demnach, als hätten wir uns in einen verheerenden Teufelskreis verirrt, für den niemand sich mehr zuständig fühlt, der die Entwicklungshilfe untergräbt und auch zeigt, dass wir mit Entwicklungshilfe allein nicht weiterkommen.

Viel wichtiger wäre der Respekt von Sozialstandards und guten Arbeitsplätzen in den Entwicklungsländern, die Zahlung ausreichender Löhne an Erwachsene, so dass sie die Schulen ihrer Kinder bezahlen können, anstatt diese in Fabriken und in die Sklavenarbeit zu schicken.

Um diesen Trends entgegen zu wirken, muss ebenfalls ein Umdenken in den Entwicklungsländern geschehen, wo die Emanzipation und der Respekt vor Frauen und Mädchen nicht immer gegeben ist, und Menschenrechte keineswegs respektiert werden.

Viele Ungleichheiten zwischen Industrienationen und Entwicklungsländern können demnach nur durch fairere Handelsverträge erreicht werden. Hinzu kommt, dass durch die aktuelle Situation auch eine soziale Schicht völlig entrechteter Menschen in Europa entsteht, und dass wir uns also auch in Europa mit Sklaverei auseinandersetzen müssen.