LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Vicki Sorg kam vom Vertrieb zu einer großen Kinderhilfsaktion - hier erzählt sie, warum

An heutigen Freitag findet die große Weihnachtsgala des Schengener Unternehmens PM International in Merzig statt. Es laden die Gastgeber Rolf und Vicki Sorg ein, die an der Spitze des Unternehmens stehen, das mit Nahrungsergänzungsmitteln mehr als 632 Millionen Dollar umsetzt. 2018 soll mit über 700 Millionen Dollar Umsatz zum erfolgreichsten Jahr des von Rolf Sorg gegründeten Unternehmens werden. Wir werfen heute einen Blick auf das ungewöhnliche Engagement seiner Frau Vicki Sorg.

Sie blickt auf ein erfolgreiches Berufsleben zurück. Von den USA kam die Tochter einer Deutschen und eines Amerikaners nach Deutschland zurück, weil sie hier im Direktvertrieb von Nahrungsergängzungsmitteln arbeitete. So lernte sie den Firmengründer kennen - und lieben. Die beiden bauten das Unternehmen PM International auf und aus und beschlossen, andere, die nicht so viel Glück hatten, an ihrem Erfolg teilhaben zu lassen. Da sie selbst Eltern sind, lag die Idee, Kindern zu helfen, nah. Heute unterstützt das Ehepaar über tausend Kinder. Diese Hilfe organisiert Vicki Sorg.

Warum kümmern Sie sich um über tausend Kinder?

Vicki Sorg Es war eine gemeinsame Idee, Kindern zu helfen. Unsere Geschäfte bei PM International laufen sehr gut. Mein Mann und ich wollten etwas zurückgeben. Wir haben recherchiert und herausgefunden, dass die Gelder, die bei der Hilfsorganisation World Vision ankommen, besonders nachvollziehbar verwendet werden. Es gibt sozusagen das meiste für die Spendengelder. Wir haben dann mit ein paar Kindern in Ghana angefangen, dann kamen die Philippinen hinzu. Zunächst hat sich eine Mitarbeiterin darum gekümmert. Als sie ging, schlug mir der Vorstand vor, diese Aufgabe zu übernehmen. Zunächst wollte ich das wegen des Clichés nicht: Die Frau des Chefs ist karikativ. Schließlich hatte ich ja auch genug Arbeit. Dann habe ich mich doch bereit erklärt und gemerkt, dass ich viel bewegen kann. Es lief kontinuierlich. Im ersten Jahr waren es 15 Kinder, dann immer mehr. So kam die Überlegung auf, Kinder in jeweils einer Region zu übernehmen. Durch das Umsatzwachstum haben wir 2017 schon 300 Kinder, die wir unterstützen. Und jetzt haben wir 1.300 Kinder, denen wir helfen. Aber ich bin immer noch im Vertrieb tätig, denn ich lebe unser Geschäft.

Wie kommt das Geld den Kindern zugute?

Sorg Mit World Vision haben wir festgestellt, dass die 30 Euro, die wir pro Kind und Monat spenden, nicht direkt dem Kind zugutekommen, sondern Projekten wie Schulen, Brunnen, Ausbildungen oder auch der Landwirtschaft. Es kann aber auch etwas ganz anderes sein. In der Mongolei haben wir die Anschaffung von Nähmaschinen unterstützt und somit die Grundlage für die Fertigung von Handschuhen gelegt. Jetzt finanzieren sie auch eine Polizeiausbildung. Das können also sehr unterschiedliche Projekte sein.

Setzen Sie sich Ziele bei der Hilfe für die Kinder?

Sorg Wir unterstützen jetzt 1.300 Kinder weltweit, das ist schon ganz schön viel. Aber wir wollen noch mehr: Allein in diesem Jahr wollen wir 500 Kinder dazu nehmen. Das geht dank des Wachstums unseres Unternehmens. Ich denke, das schaffen wir. Wir haben dann mindestens 500 Kinder in jeder Region weltweit, in der wir tätig sind. Dadurch können wir mehr Einfluss nehmen auf Themen, die uns wichtig sind. Dazu zählt natürlich auch Ernährung. Wir bieten auch unseren Verkäufern die Möglichkeit, in Projekten mitzuarbeiten, wenn sie das interessiert. World Vision organisiert das dann. Je mehr Menschen wir mobilisieren können, desto mehr können wir die Welt verändern. Langfristig planen wir, rund 10.000 Patenkinder zu unterstützen.

Wie empfinden Sie selbst den Kontakt mit den Kindern?

Sorg Mich berührt die Entwicklung. Dass sie mit nichts so glücklich sein können. Bei meinen Besuchen vor Ort, die ich sehr ernst nehme, reagieren viele erstmal zurückhaltend, weil ich als Blondine fremd für sie aussehe. Aber dann spielen wir zusammen und es entsteht ein Kontakt. Das ist ein tolles Gefühl. Die Kinder reagieren sehr unterschiedlich. In Ghana und Indonesien wollen sie mich anfassen und fallen förmlich über mich her. In Kambodscha hingegen sind sie sehr zurückhaltend und brauchen oft einen halben Tag, um warm zu werden. Da muss ich auf sie zugehen. Das hängt immer sehr von der lokalen Kultur ab.

Es gibt in Luxemburg viele kleine Hilfsvereine für ein Land oder eine Region. Haben die Sie schon angesprochen zwecks einer Zusammenarbeit?

Sorg Mein erstes Ziel sind die Projekte von World Vision. Es kommt darauf an, ob ein lokales Projekt interessant genug ist, um unterstützt zu werden. Aber bei World Vision wissen wir, dass sie unseren Ansatz verstanden haben. Darüber hinaus ist uns Ernährung wirklich sehr wichtig. Ein lokales Projekt unterstützen wir übrigens: In Deutschland helfen wir in Speyer, wo sich unser Logistikzentrum befindet, einem Hospiz für krebskranke Kinder. Auch dorthin fahre ich selbst, um den Einsatz der gespendeten Gelder zu prüfen. Die Hilfe soll ja auch ankommen.

Sie stellen Nahrungsergänzungsmittel her. Erhalten die Kinder die auch?

Sorg Die Weltgesundheitsorganisation ist dagegen und bislang gibt es nur ein Produkt, das zugelassen ist. Wir werden dieses Thema angehen und arbeiten an einem Produkt für Kinder mit speziellen Bedürfnissen. Aber unser Ziel ist die Hilfe und nicht, das Geschäft dort auszuweiten. Die indische Regierung hat eigens ein Programm aufgelegt, von dem wir die Kinder profitieren lassen wollen. Wir hätten auch in Syrien viel helfen können, aber dort war nur Geld gefragt. Das ist schade, denn immer, wenn es solche Notlagen gibt, steigen als erstes die Preise für Logistik und die einzige, die einen Rabatt auf Hilfsgüter einräumt, ist die Lufthansa. Ich bedauere das sehr, hoffe aber, dass sich hier in Zukunft etwas bewegt.