PASCAL STEINWACHS

Dass im Eifer des Gefechts schon mal die Gäule mit einem durchgehen können, zumal auf einer Parteiveranstaltung in einem Wahljahr, die zu allem Übel auch noch mitten im Karneval stattfindet, ist gewusst, aber was CSV-Präsident Marc Spautz sich da am Dienstagabend auf dem Bezirkskongress seiner Truppe im Süden geleistet hat, das geht auf keine Kuhhaut.

Als Vorsitzender einer christlich-sozialen Volkspartei, der schon seit Ewigkeiten in der aktiven Politik ist und diese durch seinen Vater bereits mit der Muttermilch aufgesogen hat, ist Spautz nämlich mit allen Wassern gewaschen, in diesem Fall wahrscheinlich sogar mit Weihwasser, so dass er eigentlich wissen müsste, dass die sexuelle Orientierung betreffende Witze auf Kosten anderer ein politisches No-Go sind, ansonsten man sich auf das Niveau solch unsäglicher Gestalten wie dem sogenannten US-Präsidenten begibt.

Wenn Marc Spautz sich also auf dem Bezirkskongress in Esch im Zusammenhang mit der großherzoglichen Polizei über rosa Uniformen verlustierte („Op hir Autoe lo schéi sinn oder net, do ka jiddereen denke wat e wëll, op se lo och nei Uniforme kréien, déi rosa sinn oder net, do kann och jiddereen denke wéi e wëll“), dann war das natürlich ein selten dämlicher Kalauer auf Kosten des schwulen Vizepremiers und Polizeiministers Etienne Schneider (LSAP), auch wenn der CSV-Chef, der sich in der Vergangenheit ja schon mit einer „SMS-Affäre“ und einem „Kleeschen-Gate“ herumzuschlagen hatte, mit Sicherheit nichts gegen Homosexuelle hat.

Für einen hochrangigen Politiker wie Spautz ist so eine Zote aber trotzdem unentschuldbar, sollte ein Parteikongress doch nicht mit einer Karnevalsveranstaltung verwechselt werden, und sollte eine Kongressrede keine Büttenrede sein. Dass sich Spautz gestern entschuldigt hat, anstatt die ganze Chose einfach auszusetzen, spricht wiederum für ihn, ändert aber nichts an der Tatsache, dass man so etwas nicht sagt, auch nicht im Scherz, und schon gar nicht in der Öffentlichkeit.

Auch ist es nicht das erste Mal, dass die Partei mit dem großen „C“ diesbezüglich negativ auffällt, hatte die heimliche Spitzenkandidatin für die anstehenden Legislativwahlen, Viviane Reding, doch bereits im Sommer 2016 für einen handfesten Skandal gesorgt, als sie eine homophobe Aussage eines Facebook-Nutzers - „2018, dann sind wir Gambia und seine Geldsüchtige los, und kein PD Staat mehr, weil das war ja das erste was gewählt war (...)“ - mit „gefällt mir“ markiert hatte.

Und die CSV-Ostabgeordnete Octavie Modert, die hatte in ihrer Zeit als Kulturministerin doch tatsächlich einmal Xavier Bettel im Parlament als „Joffer“ bezeichnet, ohne dass sie dabei von ihrer Partei zurückgepfiffen worden wäre.

Wenn die größte Oppositionspartei jedenfalls so weitermacht, dann schießt sie sich noch selbst ins Abseits. Da kann Claude Wiseler in den nächsten Wochen und Monaten noch so sehr auf seriös machen, den Ausrutscher seines Präsidenten kann er nicht mehr ungeschehen machen. Der Wähler ist vielleicht launisch in seinem Wahlverhalten, aber nicht dumm...