LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

„Bande de filles“ von Céline Sciamma eröffnete die „Quinzaine des Réalisateurs“ in Cannes

Die Filmwelt wurde auf die Regisseurin Céline Sciamma aufmerksam, als sie mit „Naissance de pieuvres“ (2007) und „Tomboy“ (2011) zwei ungewöhnliche Filme über die Probleme der Jugend realisierte.

Mit ihrem neuesten Film „Bande de filles“, der die Quinzaine des Réalisateurs 2014 in Cannes eröffnete, blieb sie ihrem Lieblingsthema treu.

Der Wunsch nach Freiheit

Die Farbige Marieme (Karidja Touré) ist sechzehn Jahre alt und hat Probleme in der Schule. Ihre familiären Zustände in einem Pariser Vorort sind deprimierend: Die Mutter ist nicht oft zuhause, und so muss sich Marieme um ihre zwei jüngeren Schwestern kümmern. Ihr Bruder Djibril (Cyril Mendy) führt sich wie ein Macho auf, und wenn ihm etwas nicht passt, wird sie das Opfer seiner Aggressivität.

Marieme ist von drei Mädchen fasziniert, die als Bande auftreten: Lady (Assa Sylla), Adiatou (Lindsay Karamoh) und Fily (Mariétou Touré) nehmen sie schließlich in ihren Kreis auf.

Endlich fühlt sich Marieme, die sich nun Vic nennt, anerkannt und kann sich durch ihre durchaus nicht ehrlichen Taten den nötigen Respekt verschaffen. Speziell bei einer Schlägerei mit einem Mädchen aus einer anderen Bande beweist sie ihren Freundinnen, was sie drauf hat.

Sie genießt das, was sie als freies Leben bezeichnet, was aber eigentlich nichts anderes ist als andere zu beklauen und zu betrügen. Als sie sich in den besten Freund ihres Bruders, Ismaël, verliebt, beginnen die Schwierigkeiten.

Man kann Sciamma die vielen Klischees vorwerfen, die sie in ihrer Geschichte verarbeitet, aber die gehören nun mal zu dem Image jener Jugendbanden, ob weiblich oder männlich.

Hinein in die Sackgasse

Fast Immer dreht es sich um Sex, Drogen und Geld, welche sich die Jugendlichen als Ideale einer freien Welt vorstellen. Die Regisseurin zeigt aber keineswegs mit erhobenem Finger auf ihre Protagonisten und bietet auch keine Lösungen an.

Sie überlässt es dem Zuschauer, sich eine Meinung zu bilden.

Das ist sicher auch der Schwachpunkt des Filmes, denn Sciammas Analyse dieser Mädchenbande geht nicht sehr tief. Am Ende führt ihr gemeinsamer Weg nicht in eine Art Freiheit, sondern in eine Sackgasse. Alles bleibt sehr oberflächlich, die Charaktere, das Umfeld, obwohl die vier jungen Schauspielerinnen, die auf der Straße gecastet wurden, ihre Rollen überzeugend spielen. Wirklich bewegend oder originell ist „Bande de filles“ im Endeffekt nicht.