LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Marc Goergen: Fragen zu Viehtransporten bei hohen Sommertemperaturen

Autofahren ist bei sommerlichen Temperaturen schon für viele Menschen eine Qual - zumindest für die ohne Klimaanlage im Auto. Den Tieren geht es nicht anders. Insbesondere den Nutztieren, die oft lange Strecken in großen oder kleineren Viehtransportern zurücklegen müssen. In den Genuss von Klimaanlagen kommen dabei höchstens sündteure Turnierpferde.

Rinder, Schweine und Schafe haben keine Chance auf derartigen Komfort. In dieser Woche ist es hochsommerlich warm, in der letzten war es extrem warm mit Dauertemperaturen über 30 Grad. Dies veranlasste Marc Goergen, Abgeordneter der Piraten, zu einer ausführlichen parlamentarischen Anfrage zu nationalen internationalen Tiertransporten. Er bezog sich dabei sowohl auf eine Europäische Verordnung zum Tierwohl als auch auf eine Meldung, nach der die französische Regierung Tiertransporte bei so hohen Temperaturen grundsätzlich untersagt habe.

Wer kontrolliert was?

Goergen wollte von Landwirtschaftsminister Romain Schneider wissen, wie viele Kontrollen es in der Hochtemperaturphase gegeben hat? Was wurde festgestellt? Welche Strafen wurden ausgesprochen? Ob die Regierung Viehtransporte bei hohen Temperaturen ganz verbieten wolle? Wo würden die Tiere - bei einem Transportstopp - gegebenenfalls untergestellt und versorgt? Falls es kein Verbot gibt, warum nicht?

Minister Schneider antwortete zwar ausführlich, aber so ganz zufrieden wird der Abgeordnete der Piraten nicht sein. In Luxemburg obliegt die Kontrolle bei einem inländischen Transport der zum Schlachthof führt, bei der Ankunft dem dortigen Veterinär, der einen korrekten Ablauf und eine angemessene Situation für das Tier beim Transport bescheinigen muss. Transporten ins Ausland, egal ob zum Schlachter oder zu einem anderen landwirtschaftlichen Betrieb, werden beim Start von einem Veterinärinspektor kontrolliert. Soll die Fahrt mehr als acht Stunden dauern, muss ein Fahr- und Ruheplan vorgelegt werden. Die kurzen nationalen Transporte stellten keine Gefährdung des Tierwohls dar.

Ausländische Transporte im Transit werden von der Polizei allgemein oder vom Zoll, entsprechend den europäischen Vorschriften für Viehtransporte, kontrolliert. Während der Extremhitze seien keine spezifischen Kontrollen durchgeführt worden, bei normalen Schwerverkehrskontrollen habe es auch keine Auffälligkeiten bei Viehtransportern gegeben.

Schneider widerspricht der Auffassung dass Tiertransporte bei extremer Hitze in Frankreich verboten sind, die französische Regierung habe stattdessen detaillierte Vorschriften für diese Situationen herausgegeben, damit es den Tieren beim Transport so gut wie möglich geht. Auf Viehtransporte spezialisierte Spediteure hätten die meisten ihrer Transporte aus Rücksicht auf die Tiere in die Morgen- oder späten Abendstunden verlegt.

Ein mögliches Fahrverbot für einen Viehtransporter im Transit durch Luxemburg, der gegen Tierschutzregeln verstößt, sei in Luxemburg nur sehr schwer umzusetzen, weil es hierzulande keine „Auffangeinrichtung“ gibt, um Tiere aus diesen Transporten unterzubringen und zu versorgen.

Keine Lebendtransporte in die Türkei

Ein Trost bleibt Goergen. Zusammen mit anderen europäischen Ländern hat Luxemburg den Transport von lebenden Tieren in die Türkei während der Sommermonate verboten. Die seit Jahren extrem langen Wartezeiten an der türkischen Grenze - wegen der Zollbürokratie - seien mit einem angemessenen Tierschutz nicht vereinbar. Daher das Verbot.