LUXEMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Die letzten Monate im Leben von Judy Garland: „End of the Rainbow“

Peter Quilter ist ein britischer Theaterautor. Seine bekanntesten Stücke heißen: „Glorious!“ über die wohl schlechteste Sängerin der Welt, Florence Foster Jenkins, die romantische Komödie „Duets“, die in einer französischen Fassung, „Face à face“, 2018 im Escher Theater zu sehen war, und das Schauspiel mit Musik „End of the Rainbow“ über die letzten Monate im Leben von Judy Garland (1922 - 1969). Nach der Premiere 2005 in Sydney, kam das Stück 2010 nach London, mit Tracie Bennett als Judy. Nach einem Abstecher 2018 in die Welt von Mozarts Oper „Die Entführung aus dem Serail“, hat sich der Merziger Zeltpalast-Chef Joachim Arnold wieder entschlossen, ein Musical zu zeigen. „End of the Rainbow“ in der deutschen Fassung von Horst Johanning und unter der Regie von Andreas Gergen feierte am Mittwoch in Merzig Premiere.

Die andere Seite von „Over the Rainbow“

Judy Garland erlangte Weltruhm als Dorothy im Film „The Wizard of Oz“ (1939). Der Song „Over the Rainbow“ gewann nicht nur einen Oscar, sondern wurde zum Markenzeichen der Mutter von Liza Minnelli. In Quilters Stück ist sie am Ende des Regenbogens angekommen. Auf der Bühne steht eine überragende Vasiliki Roussi als Judy Garland, die von ihrem neuen Verlobten Mickey Deans (Peter Lewys Preston) und dem Pianisten Anthony Chapman (Alexander Lutz) während einer sechswöchigen Auftrittsreihe im Londoner „Talk of the Town“ (heute: Hippodrome) begleitet wird. Judy scheint glücklich zu sein, endlich den Mann ihrer Träume gefunden zu haben - er wird ihr Ehemann Nummer fünf werden -, und keinen Alkohol oder Pillen mehr zu brauchen.

Doch der Schein trügt. Seitdem ihre Mutter sie zum Film gebracht hat, schluckt sie seit dem Alter von 15 Jahren Aufputschmittel. Sie kann nicht mehr ohne Drogen auftreten, und schließlich gibt ihr Mickey die benötigten Pillen, weil ihr Auftritt zu platzen scheint und ihre finanzielle Situation nicht die allerbeste ist. Einzig Anthony steht bedingungslos zu ihr. Nur, er ist schwul, und Judy ist zu weit in eine andere Welt abgedriftet, um seine ehrlichen Absichten zu erkennen. Sie stirbt mit 47 Jahren an einer Überdosis Schlafpillen, die sie wahrscheinlich unbeabsichtigt nahm.

Wunderbar: Vasiliki Roussi

Vasiliki Roussi hat letztes Jahr im Theater Trier als Édith Piaf begeistert. Erneut beweist sie, dass sie eine großartige Schauspielerin ist, die alle Facetten ihres Fachs beherrscht sowie eine grandiose Stimme besitzt, mit der sie in perfektem Englisch die bekanntesten Lieder von Judy Garland singt, wie „Get Happy“, „You Made Me Love You“, „The Trolley Song“, „The Man that Got Away“, „Come Rain or Come Shine“, „Zing! Went the Strings of My Heart“ oder „Puttin‘ on the Ritz“. Natürlich fehlt „Over the Rainbow“ nicht, den sie auf ihre eigene Art und Weise singt. Sie geht voll in sich hinein und überzeugt sowohl als liebende oder sarkastische Frau, als Zweiflerin, als Abhängige und als Star auf der Bühne.

Alexander Lutz begleitet sie auf dem Klavier und dirigiert eine sechsköpfige Band, welche die Musik live spielt. Er ist ebenfalls ein sehr guter Schauspieler, dem man seine ehrlichen Gefühle zu Judy abkauft. Peter Lewys Preston gefällt als Verlobter und Manager, der hinter Judy eine Einnahmequelle sieht, oder wie Anthony ihm vorwirft, einen Essens-Bon. Man merkt ihm seinen guten Willen an, wenn er Judy von Alkohol und Pillen abhalten will. Dann macht sich nach Judys Drohungen, alles hinzuschmeißen, Verzweiflung in ihm breit, und er gibt nach.

Keine Idealisierung

„End of the Rainbow“ idealisiert Judy Garland nicht. Das Schauspiel ist die Bestandsaufnahme der letzten Momente im Leben einer Frau, die einst ganz oben stand und zu jung war, um sich gegen die ihr verabreichten Mittel zu wehren. Am Ende konnte sie nicht mehr ohne, und sie verließ sang- und klanglos die Bühne des Lebens. Vasiliki Roussi lässt sie noch einmal aufleben und macht aus „End of the Rainbow“ ein nicht zu verpassendes musikalisches Theaterereignis.

Übrigens: Judy singt nicht „De Jangli fiert den Houwald erop“, alias „On the Atchinson, Topeka Santa Fe“, dem Oscar-Gewinner-Song aus dem Film „The Harvey Girls“ (1946) von George Sidney.

Gespielt wird im Zeltpalast in Merzig bis zum 8. September. Vorstellungen sind freitags und samstags um 20.00 (außer am 7. September) und sonntags um 16.00. Weitere Infos und Tickets unter www.musik-theater.de