TRIER
CHRISTIAN SPIELMANN

Stephen Sondheims Musical „Into the Woods“ in Trier

Es war einmal: So fangen alle Märchen an, wie die der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm: „Rapunzel“, „Aschenputtel“ oder „Rotkäppchen“. Was wäre, wenn all diese bekannten Märchenfiguren sich in einem Wald treffen würden, und als Leitfaden für ihre Handlungen würde eine rätselhafte Suche dienen? Diese Idee hatte der amerikanische Komponist Stephen Sondheim für sein Musical „Into the Woods“, das 1987 uraufgeführt wurde. Im Theater Trier kann man zurzeit eine Neuinszenierung von Dean Wilmington sehen, die zeigt, dass Märchen in leicht abgeänderter Form im 21. Jahrhundert noch viel Aussagekraft haben.

Der Wunsch nach einem Baby

Auf der Bühne stehen zwei stilisierte Häuser, das vom Bäcker (Dustin Smailes) und seiner Frau (Tina Haas), ein Paar, das für das Musical erfunden wurde, und das Haus von Hans (Fritz Spengler), seiner Kuh Milchweiß (Camille van der Poel) und seiner Mutter (Nicole Rössler), sowie der Kamin im Haus von Aschenputtel (Kathrin Hanak), ihrer Stiefmutter (Eva Maria Amann) und ihren Stiefschwestern Florinda (Steffanie Smailes) und Lucinda (Hannah White). Ein Erzähler (Norman Stehr) erklärt die Zusammenhänge in diesem Märchen, ehe eine Hexe (Antje Eckermann) in der Backstube auftaucht. Sie erzählt dem Bäcker, dass sie ihn einst verwunschen hat und er deshalb keine Kinder bekommen kann. Nur wenn er ihr eine Kuh so weiß wie Milch, Haar so blond wie Mais, einen Schuh aus Gold und eine blutrote Kappe bringt, wird sie ihn von der Verwünschung befreien. Sie gibt dem Bäcker eine Handvoll Bohnen, und er macht sich auf die Suche nach den Sachen. Im Wald trifft er Hans, der seine Kuh so weiß wie Milch auf dem Markt verkaufen will. Da der Bäcker kein Geld hat, bezahlt er ihn mit fünf Bohnen. Im Wald ist auch Rotkäppchen (Danae Wilmington) unterwegs zu ihrer Oma (Silvie Offenbeck) und trägt einen roten Umhang. In einem Turm sitzt die verzweifelte Rapunzel (Frauke Burg) mit langen blonden Haaren, und auch Aschenputtel rennt durch den Wald, zwei goldene Schuhe an den Füßen, auf der Flucht vor dem Prinzen (Christopher Ryan), dessen Bruder (Bonko Karadjov) gerade den Turm von Rapunzel ausspäht.

Glück und Unzufriedenheit

Der erste Akt endet mit dem Glück aller Beteiligten, aber im zweiten zerfällt dies, wegen der Wut einer Riesin. Hans (aus dem englischen Märchen „Jack and the Beanstalk“) säte die Bohnen, aus denen Ranken bis in den Himmel wuchsen, wo sich das Reich der Riesen befindet. Hans stahl dort eine goldene Harfe und ein Huhn, das goldene Eier legt. Leider mussten die Ranken gekappt werden, als ein Riese daran herabstieg, der Mann der Riesin. Jetzt ist Schluss mit lustig, und viele Märchenfiguren bezahlen die Rachlust der Riesin mit ihrem Leben.

„Into the Woods“ gefällt am Anfang durch die originellen und lustigen Verknüpfungen der Märchen. Dann können auch liebe und nette Figuren wie die Bäckerin nicht treu sein, oder sie kleben mehr an ihrem eigenen Leben, als dass sie anderen helfen würden. All das sind Eigenschaften, die in der Märchenwelt neu sind. Die flotten Songs wie „Ab in den Wald“, „Liebesqual“, „Nur zu zweit“, „Niemand ist allein“ und „Kinder verstehn schon“ tragen das Musical musikalisch.

Aus dem hervorragend aufspielenden Ensemble muss man Danae Wilmington wegen ihres herrlichen arroganten Gangs hervorheben, sowie Kathrin Hanak und Antje Eckermann wegen ihres intensiven Spiels und ihren ausgezeichneten Stimmen.

Die nächste Vorstellung ist am Dienstag, den 3. April um 19.30. Weitere Informationen und Tickets unter www.theater-trier.de