LUXEMBURG
DR. VOLKER SCHMIDT
Foto: Ethenea - Lëtzebuerger Journal
Foto: Ethenea

Unternehmensanleihen haben das erste Quartal 2019 mit einer deutlich positiven Performance beendet. Dies überraschte doch einige Marktteilnehmer, nachdem im Vorquartal noch eine Blasenbildung befürchtet wurde. Insbesondere das starke Wachstum der Unternehmensanleihen des Ratingbereichs „BBB“ der letzten Jahre wurde kritisch gesehen. Mittlerweile bestehen mehr als 50 Prozent aller Unternehmensanleihen im Investmentgarde-Bereich aus Anleihen mit „BBB“-Rating. Als einen Grund für den Anstieg der Anzahl von Emittenten mit „BBB“-Rating wurde die fortschreitenden Überschuldung dieser Unternehmen vermutet. Beispielhaft ist hierfür der US-Industriegigant General Electric zu nennen, der noch in 2017 über ein starkes „AA“-Rating verfügte. Überzogene Aktienrückkäufe, der starke Einbruch im Geschäft mit Turbinen für die Stromerzeugung sowie hohe Pensionslasten führten letztlich zu einem Verlust an Kreditwürdigkeit und zu einer Ratingherabstufung in den „BBB“-Bereich.

Stimmungswandel bei Anlegern

Probleme einzelner großer Unternehmen auf den ganzen gesamten Markt zu übertragen, geht jedoch zu weit. Euro-denominierte Unternehmensanleihen mit einem Investmentgrade-Rating haben im Durchschnitt im ersten Quartal 2019 eine Performance von über drei Prozent erzielt. Anleihen schwächer bewerteter Unternehmen haben sogar einen Ertrag von fünf Prozent erbracht. Mit diesen Ergebnissen hat sich nun auch die Stimmung der Anleger gegenüber Unternehmensanleihen innerhalb kurzer Zeit stark gewandelt. Ein weiterer Faktor mag sicherlich sein, dass auch viele Unternehmen dem Unternehmensziel der Bilanzverbesserung ein höheres Gewicht beimessen.

Die schnelle Folge von Zinserhöhungen in den USA durch die Federal Reserve in 2018 mit der Aussicht auf weiter steigende Zinsen hat viele Unternehmen dazu bewegt, vorsichtiger zu werden. Die Verbesserung der Kreditwürdigkeit ist sicherlich ein Mittel, die durch einen allgemeinen Zinsanstieg erhöhten Refinanzierungskosten abzufedern. Zuletzt sind die Zinssorgen aber eher der Befürchtung einer nahenden Rezession gewichen. Auch vor diesem Hintergrund ist es sicherlich angebracht, die Unternehmensbilanz zu verbessern. Inzwischen hat General Electric reagiert und die Dividende drastisch gekürzt sowie den Verkauf von Unternehmensteilen zur Schuldenreduzierung angekündigt.

Neuemissionen von Unternehmensanleihen sind bei Anlegern wieder gefragt. Der im Staatsbesitz befindliche saudi-arabische Ölkonzern Saudi Aramco hat Anfang April erstmalig auf US-Dollar lautende Anleihen emittiert, die eine Rekordnachfrage von über 100 Milliarden US-Dollar hervorriefen. Der deutsche Automobilzulieferer Schaeffler war in der Lage, Unternehmensanleihen in Höhe von 2,2 Milliarden Euro zu emittieren, die auf eine starke Nachfrage von 18,5 Milliarden Euro trafen. Dies ist umso erstaunlicher, als dass die Anleihen nur noch gerade so mit einem Investmentgrade-Rating bewertet wurden („BBB-“) und Schaeffler im letzten Jahr mehrfach sein Gewinnziel nach unten revidieren musste. Damit steht Schaeffler exemplarisch für die aktuellen Probleme, denen sich der Automobilsektor generell gegenübersieht.